Graz, Stadt der Kunst und des Designs

Graz hat Provinzialität und altmodischen Charme längst abgestreift. Die Hauptstadt der Steiermark setzt auf Design, moderne Kunst und ungewöhnliches Einkaufsvergnügen.

Publikumsmagnet in Graz: Im Volksmund wird das Kunstmuseum blaue Blase genannt. Foto: Paul Raftery (Getty Images)

Publikumsmagnet in Graz: Im Volksmund wird das Kunstmuseum blaue Blase genannt. Foto: Paul Raftery (Getty Images)

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Treffpunkt Kunsthauscafé. Die Grazer sitzen im Schatten ihrer Blue Bubble und geniessen eine der Kaffeespezialitäten, für die Österreich berühmt ist. Blaue Blase ist der Spitzname des 2003 erbauten Hauses für Zeitgenössische Kunst. Ein Travelator, ein Menschenförderband, zieht den Besucher ins biomorphe Gebäude. Durch 1066 Acrylglasplatten kann er hinausschauen. Die beste Sicht auf den Fluss Mur und die Altstadt geniesst man aus der gläsernen Needle, einer luftigen Passage des Kunsthauses. Im Innern zeigt es in freundlicher Ambiance Ausstellungen weltbekannter Künstler.

Nächster Blickfang ist die 47 Meter lange Murbrücke von Vito Acconci. An Seilen aufgehängt führt die Stahlkonstruktion ein Stück durchs rauschende Wasser und ans andere Ufer. In der Mitte kann man einkehren und Drinks geniessen oder im Designshop stöbern. Denn das Herz des architektonischen Kunstwerks ist auch das Zentrum der Unesco City of Design. Ein Titel, den die 280'000-Einwohner-Stadt seit 2011 trägt.

«Design macht den Unterschied»

Eberhard Schrempf, der Geschäftsführer von Creative Industries Styria, pflegt den Titel durch sein weltweites Networking mit den 21 anderen Designstädten. Ausserdem füllt er das Label mit Leben, zum Beispiel anlässlich des Design-Festivals, jeweils im Mai, oder mit dem Ausstellungsraum Designforum. «Design macht den Unterschied», erklärt der umtriebige Schrempf. Touristisch, aber auch nach innen, für die Bevölkerung, ist die Fokussierung auf Design ein Differenzierungsmerkmal für Graz, das in der öffentlichen Wahrnehmung in Österreich klar hinter der Hauptstadt Wien zurückliegt. Überall in Graz trifft man auf durchdachte Gestaltung – mal experimentell in Form von ungewöhnlichen Sitzgelegenheiten, mal funktional als siebförmig gestalteter Zugang zum Museumskomplex Joanneum.

Dabei haftete Graz einmal der Ruf einer «Pensionopolis» an. Das Traditionelle ist nach wie vor prägend, vor allem wenn man den Schlossberg oder die wunderschönen Fassaden und Renaissance-Arkadenhöfe italienischer Baumeister bewundert. Als Station auf dem Weg zwischen der Habsburgermetropole Wien und Triest an der Adriaküste blühten Handel und kultureller Austausch. Im Lendviertel ist der alte Routenverlauf noch klar erkennbar, und auch die Etablissements an der Strasse, die als verruchte «Venushöhlen» dem einsamen Reisenden ein paar Stunden Zerstreuung versprachen. Doch der Stadtteil durchläuft gerade eine Gentrifizierung: Kreative und Studenten besetzen den günstigen Wohnraum und richten Ateliers ein. Cafés wie etwa Die süsse Luise möblieren mit Brockenhausstücken das Trottoir. Langschläfer frühstücken bis in den späten Nachmittag, und das heitere Treiben geht nahtlos in die Apérostunde über.

Die Bordelle ziehen um

Der Coiffeur namens Haarschneiderei wirbt mit verfremdeten Hollywood-Filmplakaten. Der Laden Dogdays of Summer verkauft Vintagekleider. Die letzten Bordelle verschwinden aus dem Stadtteil, dafür erleben Tattoostudios einen ungeahnten Aufschwung. Und die Damen drücken sich die Nasen an den Schaufenstern platt, wenn Selbstgemachtes lockt. Shabby Chic und Up-Cycling sind die Zauberwörter, zum Beispiel bei der Trendtasche Beutebeutel. Mit dem Schultershopper ist man bestens für einen Bummel über den Lendmarkt ausgerüstet. Früher der Platz, wo die Flosse landeten, bietet er heute einen Erzeugermarkt (Montag bis Samstag), wobei zum Wochenende besonders viele Bauern aus dem Umland anreisen.

Für den gediegenen und gleichzeitig stylishen Einkauf sollte man aber die Uferseite wechseln: Kastner und Öhler, ein Kaufhaus von 1913, hat den Sprung ins neue Jahrtausend mit Bravour geschafft. Seine Architekten Fellner & Helmer waren mit dem Bau von Opernhäusern bekannt geworden – auch in Zürich. Dementsprechend theatralisch ist das Ambiente im Shoppingtempel. 2012 wurde er nach einem Facelifting zum am schönsten designten Kaufhaus der Welt gekürt. Seine Dachterrasse (geöffnet bis 19 Uhr) ist the Place-to-be fürs Mittagessen in Graz – und der Ort mit dem ultimativen Blick über die Hauptstadt der Steiermark.

Der Beitrag wurde von der Österreich Werbung unterstützt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2018, 20:33 Uhr

Tipps und Infos

Graz in der Steiermark

Anreise: Direkte Zugverbindung von Zürich nach Graz plus Nachtzug (einmal pro Tag), Nonstopflüge ab Zürich mit Swiss und Austrian Airlines.

Unterkunft: Hotel Wiesler www.hotelwiesler.com, Hotel Daniel www.hoteldaniel.com/de/graz.

Sightseeing: Kunstmuseum, Joanneum www.museum-joanneum.at.

Shopping: Kastner und Öhler www.kastner-oehler.at.

Allg. Infos: www.graztourismus.at, www.austria.info.


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