Pauschalreisen sind wieder höher im Kurs

Wer Ferien wie ein Puzzle im Internet zusammensetzt, profitiert mitunter von preisgünstigeren Flügen. Der sichere Weg in die Ferien führt aber über Reisebüros und -veranstalter.

Entspannung statt Schnäppchenjäger-Stress: Der Trend auf dem Reisemarkt geht in Richtung Pauschalreisen. Foto: PD

Entspannung statt Schnäppchenjäger-Stress: Der Trend auf dem Reisemarkt geht in Richtung Pauschalreisen. Foto: PD

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Längst ist das Internet auch ein Reisegemischtwarenladen. Auf einem Portal den Flug buchen, dort ein Hotel zum Schnäppchentarif reservieren , hier das Mietauto ordern und zuletzt via Google einen lokalen Anbieter für den Tauchkurs ausfindig machen: So läuft heute die digitale Ferienplanung. Die unschöne Überraschung folgt allerdings, wenn zwei Monate vor Abreise ein unerwarteter Jobwechsel ansteht, ein Angehöriger schwer erkrankt oder die Freundin schlussmacht. Die Ferien fallen ins Wasser, bereits einbezahlte Gelder werden kaum mehr rückerstattet. Bei der modularen Reservation von Reiseleistungen im Netz, besonders bei Flügen, fallen oft ab dem Buchungszeitpunkt Stornogebühren bis zu 100 Prozent an. Vor solchen Totalverlusten ist nur geschützt, wer die Ferien als klassische Pauschalreise im Reisebüro bucht. Bis 30 Tage vor Abreise können Ferien gegen eine kleine Gebühr sogar ohne Begründung annulliert werden. Bei kurzfristigen Absagen mit plausiblen Argumenten gelangt die Stornoversicherung zur Anwendung.

Dass Reisebüros und Pauschalreisen bei Konsumenten wieder höher im Kurs sind als noch vor einigen Jahren, hängt wesentlich mit kulanteren Umbuchungs- oder Annullierungsbedingungen zusammen. «In Zeiten von Terrormeldungen auch aus touristischen Destinationen möchten vor allem Familien im Vorfeld der Ferien kurzfristig auf Ereignisse reagieren und umdisponieren können», erklärt Andi Restle, Geschäftsführer von ITS Coop Travel. Beim klassischen Pauschalferienanbieter liegt der Buchungsstand gegenüber dem Vorsommer um 4 Prozent im Plus. Der Umsatz ist sogar um 7 Prozent gewachsen.

Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis

Viele Kunden seien nach Negativerfahrungen mit individuellen Online-Buchungen zu ITS Coop zurückgekehrt,sagt Andi Restle. Die Vorteile der Pauschalreise beschränken sich nicht nur auf die flexibleren Umbuchungsbedingungen, sondern kommen besonders auch im Falle von Unregelmässigkeiten während der Ferien zum Tragen. Bei Flugverspätungen oder -ausfällen bis hin zu notfallmässigen Evakuierungen werden Leistungen wie Transfers und Hotel vom Reiseveranstalter automatisch angepasst. Wer im Internet Einzelleistungen gebucht hat, ist dagegen in heiklen Momenten auf sich alleine gestellt und verzweifelt womöglich im telefonischen Kontakt mit überlasteten Callcentern. Beim Vulkanausbruch auf Island im Jahr 2010, der wochenlang den transatlantischen Flugverkehr lahmlegte, war die entsprechende Schadensumme gigantisch.

Auch beim Schweizerischen Reise-Verband (SRV) konstatiert man einen Trend zur Buchung im Reisebüro: «Interne Umfragen belegen dies eindeutig», sagt SRV- Geschäftsführer Walter Kunz. «Offenbar haben die Konsumenten ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und wählen deshalb vermehrt wieder das Reisebüro. Sie wissen sich dort in sicheren Händen.»

Dynamische Reise-Päckli

Bleibt noch die Preisfrage. Der Einkauf von Einzelmodulen im Onlinebasar sei deutlich günstiger als die organisierte Pauschalreise und wiege Nachteile bezüglich Sicherheiten in seltenen Notfällen mehr als auf, sagen überzeugte Internet-Ferienbucher. «Auch dieses Gerücht ist heute falsch», entgegnet Andi Restle, räumt jedoch ein, dass in der Vergangenheit im Netz oft günstigere Preise resultierten. «Für klassische Pauschalreisen werden Leistungen im Voraus eingekauft und quasi ins Regal gestellt», erklärt Restle. Beim Buchen von Einzelleistungen könne man je nach Zeitpunkt und Verfügbarkeit vor allem von tiefen Flugpreisen profitieren und so in der Tat einen Vorteil gegenüber der Pauschalreise erzielen.

Um diesen Preisnachteil auszumerzen, haben viele Veranstalter die Technik des «Dynamic Packaging» entwickelt. Im Gegensatz zur klassischen Produktion wird die Reise zum Zeitpunkt der Anfrage produziert respektive eingekauft. «Auf diese Weise entsteht kein Nachteil gegenüber einer Buchung von Einzelleistungen», so Andi Restle. Selbstverständlich würden die inbegriffenen Leistungen einer Pauschalreise wie Transfers oder Betreuung einen gewissen Mehrpreis rechtfertigen.

«Zum Teil sind in einer Pauschalreise aber Leistungen und Komponenten integriert, die einzeln mehr kosten würden», sagt Prisca Huguenin, Sprecherin von Hotelplan Suisse.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2017, 09:58 Uhr

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