Nackte Arme an Bord unerwünscht

Passagierinnen der Saudia dürfen unter anderem nicht in zu engen Outfits fliegen. Die saudiarabische Airline ist nicht die einzige mit Kleidungsvorschriften.

Unbedeckte Arme: Bei Saudia ein Problem. Foto: Nielsen Ramon/Unsplash

Unbedeckte Arme: Bei Saudia ein Problem. Foto: Nielsen Ramon/Unsplash

Saudia hat auf ihrer Website einen Dresscode veröffentlicht. Darin fordert sie von ihren Passagieren, sich nicht so zu kleiden, dass sich andere Reisende dadurch unbehaglich oder gar beleidigt fühlen. Als Beispiele nennt die saudiarabische National-Airline «Frauen, die ihre Beine oder Arme entblössen oder zu enge oder zu dünne Kleidung tragen». Ebenso wenig erwünscht sind «Männer, die Shorts tragen, die die Beine entblössen».

Saudia betont, dass sie Passagieren, die sich nicht an die Kleidervorschriften halten, den Transport verweigern und diese jederzeit aus dem Flugzeug entfernen könne. Generell ist Saudiarabien ein Land mit striktem Dresscode, vor allem für Frauen. «Es bestehen strenge Kleidungs- und Verhaltensvorschriften, die nach dem konservativen wahhabitischen Islamverständnis ausgelegt werden», schreibt das deutsche Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen. Erst Mitte Juli hatte ein Video für Aufsehen gesorgt, in dem eine Frau, anstatt sich zu verhüllen, einen Minirock trug. Die Gefilmte wurde festgenommen.

American will keine nackten Füsse

Allerdings gelten Kleidungsregeln nicht nur bei Saudia oder Fluggesellschaften aus muslimischen Ländern. So hat etwa American Airlines keine Lust auf Passagiere mit blanken Füssen. Laut den Beförderungsbedingungen kann American die Beförderung verweigern oder einen Fluggast aus der Maschine entfernen, wenn «Sie derart gekleidet sind, dass sich andere Passagiere davon gestört oder beleidigt fühlen, oder Sie barfuss sind».

Nur wenige Fluggesellschaften legen sich dabei klar fest. Viele sichern einfach ihren Crews die Deutungshoheit über die Kleidung der Reisenden zu. So heisst es etwa in den Beförderungsbedingungen von Emirates, die Fluggesellschaft habe das Recht, die Beförderung aus verschiedenen Gründen zu verweigern. Einer davon: «Sie missachten unsere Anweisungen zur Sicherheit oder zum Fluggastkomfort, zum Beispiel in Bezug auf Ihren Sitzplatz, das Verstauen des Handgepäcks, Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum, Bekleidung oder die Verwendung von elektronischen Geräten.»

Oft entscheidet die Crew

Dass es oft keine klaren Regeln gibt und im Einzelfall die Flugbegleiter entscheiden, führte in der Vergangenheit auch immer wieder zu Problemen. So soll im Jahr 2012 ein American-Airlines-Kapitän einer Passagierin erklärt haben, dass er sie nur mitnehme, wenn sie das Wort Fuck auf ihrem T-Shirt bedecke. Eine Stewardess von Southwest Airlines ermahnte laut Berichten eine Reisende, weil diese zu viel Haut zeige.

Schon 2011 hatte die amerikanischen Passagiervereinigung Flyers Rights wegen ähnlicher Vorfälle Dresscodes gefordert, um Unklarheiten zu beseitigen. Das sagte die Chefin der Organisation damals gegenüber dem US-Fernsehsender Fox:

«Die Airlines sollten einen Schritt in die richtige Richtung machen.» Flyers Rights

Die Reisenden müssten wissen, wie sie sich zu verhalten hätten. So würden sich Missverständnisse und Unannehmlichkeiten vermeiden lassen.

Update: Der Eintrag zum Dresscode ist unter der entsprechenden Saudia-Webadresse mittlerweile nicht mehr abrufbar – über archiv.org dagegen schon. Das Internetarchiv zeigt auch, dass der Dresscode-Hinweis gar nicht brandneu war: Zum ersten Mal wurde er am 7. April archiviert.

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