Alles andere als wüst

Wüsten sind ein besonders intensives Spektakel der Natur. Hier stellen wir die grössten, interessantesten oder extremsten Einöden der Welt vor.

Die grösste Salzwüste der Welt: Salar de Uyuni in Bolivien. Fotos: Pixabay

Die grösste Salzwüste der Welt: Salar de Uyuni in Bolivien. Fotos: Pixabay

Salar de Uyuni, Bolivien

Die Grosse Salzwüste im US-Bundesstaat Utah entstand Ende der letzten Eiszeit, als der Bonneville-See austrocknete. Sie ist unter anderem berühmt für alle möglichen Geschwindigkeitstests, und nach dem Lake Bonneville sind mehreren Motorrad- und Automodelle benannt worden. Die Salzwüste erstreckt sich vom Grossen Salzsee bis zur Staatsgrenze von Nevada und ist 10'360 Quadratkilometer gross. Wenn die Amerikaner allerdings behaupten, die grösste Salzwüste der Welt zu besitzen, irren sie: Mit knapp 10'600 Quadratkilometern ist die Salar de Uyuni in Bolivien noch etwas grösser. Die von einer Salzkruste bedeckte Landschaft sieht in kalten Mondnächten aus wie ein unendlicher, zugefrorener See. Und nach Regenfällen wirkt die Wüste wie ein gigantischer Spiegel.

Weisse Wüste, Ägypten

Viel kleiner, dafür umso spektakulärer ist die Weisse Wüste in Ägypten. Sie liegt zwischen den Oasen Farafra und Bahariya, gut 400 km südwestlich von Kairo, und ist ein Teil der Libyschen Wüste. Das Kern-Areal ist etwa 250 km² gross und bekannt wegen seiner bizarren Kalksteinformationen, die eine Art natürlicher Skulpturenpark bilden. Die Kalksteingebilde bestehen aus sedimentiertem Plankton vom Ende der Kreidezeit vor rund 80 Millionen Jahren. Die Weisse Wüste samt Umgebung wurde 2002 zum Nationalpark erklärt. Dieser ist rund 3000 km² gross, was ungefähr der Fläche der Waadt oder des Tessins entspricht.

Mojave-Wüste, USA

Die Mojave- oder Mohave-Wüste erstreckt sich über die US-Bundesstaaten Kalifornien, Utah, Arizona und Nevada. Mit rund 35‘000 km² ist sie fast so gross sie die Schweiz. Sie ist nach dem indigenen Volk der Mohave benannt. Die Wüste wird von den Tehachapi-Bergen, den San Gabriel Mountains und den San Bernardino Mountains begrenzt und ist eine sogenannte Regenschattenwüste. Solche Wüsten können entstehen, wenn sich die Wolken an umliegenden Bergen stauen und abregnen. Las Vegas befindet sich mittendrin, und nachts lassen die Weiten der Wüste die Spielerstadt funkeln. Die Mojave-Wüste mit maximal 150 mm Regen pro Jahr zählt zu den trockensten Gebieten der Welt und, mit offiziell gemessenen 56,7° Celsius im Death Valley, auch zu den heissesten. Auch der tiefste Punkt Nordamerikas, das Badwater Basin mit 85,5 Metern unter dem Meeresspiegel, ist hier zu finden.

Antarktis, die grösste Kältewüste der Welt

Die Antarktis rund um den Südpol ist die grösste und extremste Kältewüste der Welt: Die Landmasse des Kontinents Antarktika misst 13,2 Millionen Quadratkilometer, das sind rund 2,7 Millionen Quadratkilometer mehr als die Fläche Europas. Die Antarktis wurde ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts von Forschern und Seefahrern besucht und exploriert. Vor 60 Jahren wurden im Antarktisvertrag Vereinbarungen über die friedliche Nutzung und Erforschung der Polkappe getroffen. Seither gilt die Antarktis als das grösste Naturschutzgebiet der Erde. Eisige Temperaturen und heftige Stürme, aktive Vulkane und die unendliche Eislandschaft machen die Antarktis zu einer ebenso unwirtlichen wie aufsehenerregenden Region.

Wüste Gobi, Mongolei und China

Die Wüste Gobi ist ein riesiges Trockengebiet, das sich über die Mongolei und China erstreckt. Mit 2,3 Millionen Quadratkilometern ist die Gobi rund ein Viertel so gross wie die Volksrepublik China. Sie besteht aus Wüsten- und Halbwüstenlandschaften, in China vor allem aus extrem wasserarmen Stein- und Sandwüsten, in der Mongolei aus weiträumigen Steppen. Aus der Vogelperspektive gehört die Wüste Gobi mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft, kahlen Felsformationen, Seen und Dünen und einer unglaublichen Farbenpracht zu den faszinierendsten Regionen der Welt. Seit Tausenden von Jahren leben hier berittene Nomaden. Auch Adler, Schneeleoparden und Bären sind in der Gobi zu Hause.

Namib-Wüste, Angola und Namibia

Die Namib-Wüste dürfte die älteste Wüste der Erde sein und entstand vor etwa 55 Millionen Jahren. Sie liegt an der Südwestküste Afrikas, zum grössten Teil auf dem Gebiet von Namibia sowie in Angola, und beheimatet mehrere Nationalparks. Die Namib ist etwa 95'000 km²gross. In ihrem nördlichen Teil bildet sie die Skelettküste, wo zahlreiche Schiffsgerippe aus dem Sand ragen. Im mittleren Abschnitt liegen Swakopmund und Walvis Bay, zwei der wichtigsten Städte Namibias. Im Süden befindet sich das Diamantensperrgebiet um Lüderitz. Die Ausdehnung der Namib beträgt von Norden (Benguela, Angola) nach Süden (bis zum Oranjefluss) rund 2000 km, sie reicht bis 160 km in das Land hinein und liegt im Mittel knapp 500 m über dem Meeresspiegel. Bekannt ist die Namib für ihre riesigen Sanddünen; die höchste, «Big Daddy» genannt, ist rund 380 m hoch. Seit 2013 sind 31'000 km² als «Namib-Sandmeer» Unesco-Weltnaturerbe.

Wadi Rum, Jordanien

Wadi Rum ist der grösste, ausgetrocknete Flusslauf Jordaniens. Es liegt östlich der Rotmeer-Hafenstadt Akaba und südlich der Stadt Ma'an. Das Wadi ist rund 740 Quadratkilometer gross (knapp so gross wie der Kanton Solothurn) und besteht überwiegend aus Fels- und Sandwüste; andere Teile sind Halbwüste. Imposant sind die rötlich gefärbten Felsformationen aus Sandstein und Granit, die sich aus der sandigen Ebene erheben. Dank zahlreichen Wasserquellen war das Wadi seit der Steinzeit bevölkert. Viele Kulturen hinterliessen ihre Spuren in Form von Felszeichnungen und Tempeln. Bekannt wurde das Wadi Rum durch das Buch «Die sieben Säulen der Weisheit» des britischen Offiziers Thomas Edward Lawrence, und später durch den Film «Lawrence of Arabia». Das Wadi Rum ist neben der Felsenstadt Petra eines der wichtigen touristischen Ziele Jordaniens. 2011 wurde es in die Liste des Unesco-Weltnaturerbes aufgenommen.

Grosse Victoria-Wüste, Australien

Die Victoria-Wüste gehört zu den Bundesstaaten South Australia und Western Australia. Der Süden der knapp 350'000 Quadratkilometer grossen Wüste ist geprägt von einer Landschaft aus Sanddünen, Grasland und Salzseen. Ein besonderes Merkmal der Grossen Victoria-Wüste sind halbmondförmige Dünen, die überwiegend aus Lehm bestehen. In der Grossen Victoria-Wüste wurden im Oktober 1953 auf dem Atomwaffentestgelände Emu Field zwei britische Plutoniumbomben gezündet. Sie verursachten einen erheblichen radioaktiven Niederschlag. In der Wüste gibt es Siedlungen von Aborigines. Auch Dingos, Riesenwarane und Dornteufel – kleine, orange, komplett von Stacheln bedeckte Echsen – sind hier beheimatet.

Rub al-Khali, Arabische Halbinsel

Die Rub al-Khali (arabisch für «Leeres Viertel») ist mit 680'000 km2 (mehr als die Fläche Frankreichs) die grösste Sandwüste der Erde. Die fast menschenleere Wüste bedeckt das südliche Drittel der Arabischen Halbinsel und erstreckt sich im Norden über die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien, im Süden über Oman und den Jemen. Die Wüste besteht weitestgehend aus Sanddünen, die bis zu 300 Meter hoch sein können. Im Norden der Wüste befindet sich die Oase Liwa, von wo eine Strasse zur Moreeb-Düne führt, die als die höchste in der Rub al-Khali gilt. Hier toben sich gern Offroad-Fahrer aus. Im Osten liegen drei durch Meteoriteneinschläge gebildete, riesige Krater. Eine komplette Durchquerung der Rub al-Khali gelang erst 1946 dem britischen Entdecker Wilfred Thesiger.

Taklamakan-Wüste, China

Taklamakan ist die zweitgrösste Sandwüste der Welt nach der Rub al-Khali. Sie erstreckt sich in Zentralasien im nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang durch den westlichen Teil des Tarimbeckens bis zur Wüste Lop Nor. Früher wurden die Taklamakan und die Lop Nor durch Flüsse getrennt, die aber schon seit Jahrzehnten ausgetrocknet sind. Die Landschaft des mehr als 300'000 Quadratkilometer grossen Trockengebiets ist geprägt von geringen Niederschlag: Insgesamt fallen hier nur gut 30 Millimeter im Jahr. Zusätzlich verhindern riesige, bis zu mehrere hundert Meter hohe und sehr rasch wandernde Dünen vor allem im unbewohnten Inneren der Wüste jeden Pflanzenwuchs.

Painted Desert, USA

Wie gemalt liegt die Painted Desert auf dem gut 1800 Meter hohen Colorado-Plateau im Bundesstaat Arizona. Sie erstreckt sich auf etwa 250 km Länge entlang dem Nordufer des Little Colorado Rivers vom Grand Canyon über das Navajo County bis ins Apache County. Im Westen beginnt es zwischen dem Little Colorado River und den Echo Cliffs, im Osten endet es am südlichen Ende des Defiance Plateaus, am Tal des Black Creek. Wegen der sogenannten Badlands ist die Painted Desert ein beliebtes Reiseziel und fotografisches Sujet: Die Badlands sind eine trockene Landschaft mit riesigen Felsformationen, deren unterschiedlichste Schichten aus Konglomeraten, Sandsteinen, Tonschiefern, Schluffsteinen, Lehm und vulkanischer Asche spektakuläre Farbkombinationen ergeben: Rot- und Gelbtöne dominieren, aber es gibt auch auch weisse und dunkle bis schwarze Schichten. Schon um 1540 nannten spanische Entdecker das Gebiet „El Desierto Pintado“.

Atacama-Wüste, Peru und Chile

Entlang der Pazifikküste Südamerikas zwischen den Städten Tacna im Süden Perus und Copiapo im Norden Chiles erstreckt sich die Atacama-Wüste über eine Distanz von rund 1200 Kilometern. Von West nach Ost unterscheidet man drei Längszonen: die Kordilleren, das Zwischental und das Andenmassiv. Die Atacama beeindruckt nicht mit krassen Temperaturen oder mit ihrer Grösse, aber sie ist als trockenste Wüste der Welt berühmt. Stellenweise beträgt die jährliche Regenmenge nur 0,5 Millimeter, und es gibt Orte, an denen noch nie in der Geschichte irgendein Regenfall nachgewiesen werden konnte. Vielleicht ist die Atacama genau deswegen so attraktiv: die ausgetrockneten Landschaften leuchten rot; zum Teil sind sie mit flirrenden Salzkristallen bedeckt. Und nachts kann man einen phänomenalen Sternenhimmel betrachten.

Sahara, die Mutter aller Wüsten

Die Araber nennen die Sahara auch «Meer ohne Wasser». Mit mehr als neun Millionen Quadratkilometern ist sie fast so gross wie das Mittelmeer. Von dort reicht die grösste Trockenwüste der Welt bis zur Sahelzone im Süden und von der afrikanischen Atlantikküste im Westen bis zum Roten Meer. Im Norden liegen die Staaten des Maghreb, Marokko und das umstrittene Territorium Westsahara, Algerien, Tunesien und Libyen, im Süden die Staaten Mauretanien, Mali, Niger, Tschad und Sudan.

Grösstenteils ist die Sahara eine Stein- oder Felswüste beziehungsweise eine Kies- oder Geröllwüste. Die Sandwüste (der Erg), bekannt durch ihre imposanten Dünenlandschaften, macht etwa ein Fünftel der Fläche aus. Berge und Täler, Flüsse, grüne Oasen und unendlich weite Ebenen gehören zum Landschaftsbild. Die Sahara ist von Arabern, Berbern, Mauren und Nomadenvölkern wie den Tuareg dünn besiedelt. Nomaden und Halbnomaden machen etwa 40 Prozent der Bevölkerung aus.

Neben Viehhaltung war einst der Transport und Handel quer durch die Sahara vermittels der legendären Karawanen eine wesentliche Lebensgrundlage. Heute werden in Algerien und Libyen Erdöl und Erdgas gefördert. Westsahara und Libysche Wüste sind zu grossen Teilen menschenleer. Laut einer Studie der Universität von Maryland von 2018 hat sich die Sahara in den vergangenen hundert Jahren um etwa 10 Prozent ausgedehnt.

Artur K.Vogel/Travelcontent

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