Wo Papa Moll baden geht

Bad Zurzach ist die Heimat der typisch schweizerischen Comic-Figur. Nicht nur Kinder haben helle Freude an ihr.

Der Weltenbummler Papa Moll in Bad Zurzach: Auch Minigolf kann der schusselige Vater mit den fünf Kopfhaaren. Bild: PD

Der Weltenbummler Papa Moll in Bad Zurzach: Auch Minigolf kann der schusselige Vater mit den fünf Kopfhaaren. Bild: PD

Cornelia Sprecher, Rezeptionistin im Hotel Zurzacherhof, ist guter Dinge. Soeben hat sie das Zimmer der ankommenden Familie herrichten lassen. Vier Kinder und zwei Erwachsene werden hier logieren. Schmuck sieht das Zimmer mit den frisch bezogenen Etagenbetten aus. Die Abenteuer der lustigen Familie Moll prangen auf der Bettwäsche und den flauschigen Bademänteln in allen Grössen. «Normalerweise wohnen hier nur zwei Kinder mit ihren Eltern», sagt Cornelia Sprecher, «aber wenn nötig, machen wir einiges möglich. Wir sind flexibel.» Das heisst: Kinder sind hier ausdrücklich willkommen.

Und für sie wird alles getan. Man hat ihnen im Thermalbad ein eigenes Kinderplanschbecken eingerichtet, wo sie im warmen Wasser nach Herzenslust herumtollen können, natürlich unter Aufsicht von Mama oder Papa. Sie können sich en famille an einer Papa-Moll-Pfanne erfreuen, in der köstliche Speisen zubereitet werden. Ein Mini- und Abenteuer-Golfplatz wartet auf ihre Eroberung. Zwischen Eiffelturm und Pyramiden reist hier Papa Moll um die Welt – und die Gäste tun es mit ihm.

Zur Kur in geblümter und ­quer gestreifter Badehose

Papa und Mama Moll, die drei Kinder Evi, Willy und Fritz samt Hund Tschips sind Aargauer, ihre Heimat ist seit 2011 Bad Zurzach. Bereits 1952 wurde Papa Moll von Edith Oppenheim-Jonas im Auftrag von Pro Juventute entworfen. Der schweizerische Comicstrip war als Alternative zu den vielen ausländischen Comics gedacht. Edith Oppenheim-Jonas starb 2001 im Alter von 93 Jahren. Zu Lebzeiten erzählte sie am Schweizer Radio DRS, dass ihre eigene Familie sie zu den Papa-Moll-Geschichten inspiriert habe.

Bis Frühling 2012 erschienen 24 Papa-Moll-Klassik-Bände im Globi-Verlag. Doch dann, als im Jahr 2012 der Band Nr. 25 «Papa Moll geht baden» herauskam – auf dem Titelbild Papa Moll in geblümter Badehose im Thermalbad, im Hintergrund der präg­nante Turm von Bad Zurzach –, begann eine neue Ära. Im vierzeiligen Reim liest man im Inneren des Bandes: «Papa Moll, die Hauptfigur/geht voran zur Badekur/in bewährten beispiellosen/quer gestreiften Badehosen.» Papa Moll im rot gestreiften Einteiler mit seiner Familie und ­Dackel im Schlepptau: Die drollige Zeichnung ist zum Brüllen komisch.

Die Familie kommt auch im benachbarten Ausland gut an

Der Rest ist geschicktes Marketing. Peter Schläpfer, damals neuer ­Geschäftsführer der Bad Zurzach Tourismus AG, sagt dazu: «Globi war schon vergeben, eine neue Figur aufzubauen, ist sehr schwierig. Papa Moll mit seinem Bekanntheitsgrad bei Jung und Alt war für uns darum ideal.» Und so entstand das Papa-Moll-Land. Der schusselige Papa Moll mit seinen fünf Haaren auf dem runden, überdimensionierten Kopf war definitiv in Bad Zurzach angekommen und steht dort bei der Bad Zurzach Tourismus AG exklusiv unter Vertrag.

31 Bände gibt es inzwischen, auch als Hörspiel, auf DVD und in zahlreichen Übersetzungen. Grosse Teile des Films, der im Dezember 2017 in die Kinos kam, wurden in Bad Zurzach gedreht: im Thermalbad, auf der Barz und in der Liegenschaft Gottfried Keller. «Ein Glück, ist Papa Moll nun Bad Zurzacher», freut sich Schläpfer. «Die ganze Vermarktungs­kette steht ihm offen: Kino, TV, Radio.» Potzstärneföifi, wie er im Film sagt. Wegen der Nähe zum Ausland kommt Familie Moll auch dort glänzend an; es ist nur ein Katzensprung über den Rhein ins Thermalbad.

Doch das Wichtigste für Schläpfer sind die glänzenden Kinder­augen. Immer mehr Papa-Moll-Aktivitäten und -Souvenirs werden darum kreiert. Besonders beliebt ist der Papa-Moll-Weg. Für die fünf Kilometer lange Strecke, oft dem Rhein entlang, muss man rund zweieinhalb Stunden rechnen, um Papa Moll bei der Suche seines verlorenen Hundes Tschips zu helfen. Was es dabei alles zu erleben gibt – das soll lieber nicht verraten werden.

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