Sonnenschein, Showtime und Snowdeal

St. Moritz will wieder mehr Übernachtungsgäste anlocken und verschafft sich mit einem neuen Preismodell frischen Schwung.

Jede Menge Attraktionen und doch gibt es freie Plätze: Im Bergrestaurant Lagalb wartet ein Tisch auf Gäste. Bild: Engadin St. Moritz

Jede Menge Attraktionen und doch gibt es freie Plätze: Im Bergrestaurant Lagalb wartet ein Tisch auf Gäste. Bild: Engadin St. Moritz

Was für ein Panorama: Schön verschneit und glatt gebügelt liegen sie da, die wohlpräparierten schneeweissen Hänge der grössten Schneesportregion der Schweiz. Mit zwei Bahnen und einer Gondelbahn gehts hinauf zum Piz Nair, dem Hausberg von St. Moritz, 3057 Meter über Meer. Seit 60 Jahren thront hier ein Steinbock aus Bronze: Guardiaun Grischun, der Wächter Graubündens. Nirgends Gedränge, nur Schnee und frische, kalte Alpenluft, Champagnerklima eben, und ganz viel wärmende Sonne bis in den Frühling hinein. Denn die Saison im Oberengadin endet erst im April. Das wird traditionellerweise in der Sternbar Marguns mit einer grossen Party gefeiert.

Doch erst mal eine Stärkung im neu erstellten Restaurant White Marmot an der Bergstation Corviglia. Blickfang ist ein überlebensgrosses Plastikmurmeli, nach der Piste Muntanella (Rätoromanisch für Murmeltier) benannt. «Sie müssen das probieren», sagt Anja Seebacher, die neue Gastgeberin, und lässt gut gebeiztes Murmeltierfleisch in Portweingelee auftischen, flankiert von riesigen farbigen Polenta-Chips. Später sprudelt Stickstoff für die Meringue zum Dessert aus einem gigantischen Silberpokal. Showtime – das kann man hier immer noch, vor allem in den vielfältigen Restaurants am Berg.

Schneesafari über neun Traumpisten und 4444 Höhenmeter

Drei grosse Skigebiete und ein paar kleinere, nicht minder attraktive gibt es rund um St. Moritz: Das sehr sonnige Corviglia/Piz-Nair-Areal, wo zwei Olympische Winterspiele und fünf Skiweltmeisterschaften ausgetragen wurden. Das alpine Gebiet Corvatsch mit seinen Traumpisten sowie jenes der Diavolezza/Lagalb, steile Pisten und Aussenpool inklusive. Hier wurde kurz vor Weihnachten der legendäre Club 8847 frisch inszeniert. Wer in einem Tag 8848 Höhenmeter überwindet, also elfmal die Abfahrt Lagalb absolviert plus viermal zu Fuss von der Bergstation bis zum Gipfel Piz Lagalb rennt, ist als neues Mitglied mit dabei. Eine Snow­safari zwischen Corvatsch und Corviglia verschafft den besten Eindruck von der Vielseitigkeit des Gebiets. Von Sils über St. Moritz bis nach Celerina führt die Tagestour. 9 Traumpisten, 88 Kilometer und 4444 Höhenmeter sind zu bewältigen. Fitness und Können werden vorausgesetzt, die Skilehrer kann man engagieren.

88 Pisten, drei Snowparks und 58 Bahnen und Skilifte, jede Menge Attraktionen auf dem zugefrorenen See für die betuchte, verwöhnte Klientel. Für die Jungen den Adrenalinrausch bei abenteuerlichen Freeride-Abfahrten und schliesslich eine Gastronomie für höchste Ansprüche. Und dennoch, innerhalb einer Dekade hat St.  Moritz ein Drittel Übernachtungsgäste eingebüsst. «Die Zeiten haben sich geändert», sagt Martin Berthod, Eventmanager in St. Moritz seit 37 Jahren. Er hat grossartige Anlässe wie alpine Ski-Weltmeisterschaften, Golf-, Polo- und Cricket-Turniere sowie Gourmetfestivals auf dem Eis organisiert: «Wir haben sehr viel gemacht, immer eine Balance zwischen Tradition und Trend gesucht und meist auch gefunden.» Aber man habe auch Fehler gemacht, seiner Meinung nach, St. Moritz als Marke vernachlässigt, das teure und ältliche Image zu wenig den neuen Bedürfnissen angepasst. Und auch der Franken-Schock, die veränderte Wirtschaftssituation und die Annahme der Zweitwohnungsinitiative hätten geschadet.

Doch Berthod sieht Silberstreifen am Horizont, dank einer neuen Zweimarkenstrategie in Marketing und Positionierung. St. Moritz extravagant und international für die Fernmärkte, das Engadin gemütlich und als Sehnsuchtsdestination für die europäische Kundschaft. «Wir können beides», sagt Berthod, «man muss die Gäste aber unterschiedlich ansprechen.» Zudem hat sich St. Moritz seit dieser Saison ein neues Preismodell verpasst, den Snow-Deal: Für Skipässe und Tageskarten gibt es keine festen Preise mehr. Wer frühzeitig online kauft, kann bis zu 30 Prozent einsparen. Zudem gibt es ab zwei Übernachtungen den Skipass für 38 Franken pro Tag und Gast in involvierten Hotels.

Carpaccio Asado an einfachen Holztischen

«Es gibt im Dorf wieder ein neues Tourismusbewusstsein», bemerkt Eventmanager Berthod erfreut. «Einheimische bringen sich vermehrt ein.» Sie wollen zeigen, wer sie und ihre Kultur sind. All der Glitzer und Glamour reicht nicht mehr, man kann seiner sogar überdrüssig werden. «Für uns ist die Vereinfachung der wahre Luxus», sagt Andrea Schneider. Der Charme von St. Moritz liege doch auch in den Gegensätzen. Zusammen mit ihrem Mann Max und ihrem Sohn führt die Familie das Restaurant La Baracca, auf dem Parkplatz der Signalbahn in St. Moritz-Bad. An einfachen, langen Holztischen, von Kronleuchtern überstrahlt, sitzt man hier und kommt schnell ins Gespräch. Und Carpaccio ­Asado, aussen knusprig, innen roh, ist der Hit auf der Speisekarte. Das gibts sonst nirgends.

In Zusammenarbeit von SonntagsZeitung und Engadin-St. Moritz-Tourismus

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