Pferde im Stall, Murmeli an der Wand

Mulin und Mischun: Im bündnerischen Brigels haben zwei kleine, feine Hotels eröffnet. Sie stehen für eine neue Dynamik im Ferienort.

Modern, aber doch gemütlich: Die Raucherlounge im Hotel Mischun. Foto: PD

Modern, aber doch gemütlich: Die Raucherlounge im Hotel Mischun. Foto: PD

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Riviera und Electra Way begrüssen die Besucher schnaubend, derweil Condor distanziert die Nüstern bläht. Die Warmblüter haben die Morgenfütterung längst hinter sich und schauen etwas neidisch auf die drei Gastpferde, die gerade aus den gegenüberliegenden Boxen ins Freie zum Sattelplatz geführt werden.«Bevor ich das Frühstücksbuffet für die Gäste aufbaue», sagt Frühaufsteherin Samanta Schäfer, «kümmere ich mich um die Tiere.» Die 28-Jährige ist aus­gebildete Pferdetrainerin, im Hauptberuf führt sie zusammen mit Partner Marc Seiler das Hotel Mulin in Brigels GR.

Klein, aber fein: Das Hotel Mulin wurde kürzlich komplett renoviert. Foto: PD

Die Herbergen für Menschen und Pferde liegen nur 200 Meter auseinander. In einem ehemaligen Schafstall hat das Hotelierpaar sechs Boxen eingerichtet, drei für die eigenen, drei für Gaströsser. Seit das Mulin «Ferien mit dem eigenen Pferd» anbietet, sind die drei Einstellplätze vis-à-vis von Riviera und Condor immer ausgebucht. Eine Marktlücke hätten sie entdeckt, glauben Samanta und Marc. Der Preis für die Pferdepension ist bescheiden: 35 Franken pro Pferd für eine Nacht, Heu und Streu inklusive.

Marc Seiler und Samanta Schäfer führen das Mulin. Fotos: PD

Das Mulin besteht seit 41 Jahren, ging im letzten Herbst an eine neue Besitzerschaft, die eine komplette Renovierung finanzierte. Der gelernte Bodenleger Marc Seiler half beim Umbau kräftig mit. Das kleine, aber feine Hotel, das sich auf die Kundensegmente Paare und Gruppen fokussiert, trägt die Handschrift der beiden Chefs.

Internationales Publikum entdeckt Brigels

Künstlich ist nur das Vogelgezwitscher, das die Gäste empfängt. In den Zimmern dominieren Fichtenholz und Lodenstoffe. Die Bäder wurden vergrössert; an den Wänden hängen Fotos aus Seilers Kamera. Samanta und Marc arbeiteten schon im Brigelser Vorzeigehotel La Val zusammen. Seiler schuf sich dort einen exzellenten Ruf als Barkeeper und Gastgeber. Ohne eine Hotelfachschule besucht zu haben, kreierte der Selfmademan eine Wohlfühl-Ambiance und lernte, Cocktails zu mischen und Zi­garren anzuschneiden. Kein Wunder, dass die Lounge im Mulin abends so gut besucht wird. «Ein Naturtalent», rühmt Beat Zenklusen. Er führt als Chef die Holding, welche die lokalen Bergbahnen besitzt und auch das Pradas Resort betreibt. Die aus 83 Wohnungen bestehende Ferienanlage hat sich in knapp drei Jahren als Tourismusmotor profiliert.

Vor allem im Sommer zieht das Pradas Gäste von allen Kontinenten an. Amerikaner wandern hoch zum Kistenpass. Emirati freuen sich über die kühle Alpenluft, und Chinesen fahren in Endlosschlaufe mit der Sesselbahn rauf und runter. Im Juli und August war das Pradas acht Wochen ausgebucht; es hat die Übernachtungsmarken im 700-Einwohner-Dorf pulverisiert. «Metzger, Käser, Bäcker, Wirte und Skilehrer – alle profitieren vom Pradas», konstatiert Beat Zenklusen.

Das Resort hat eine neue Dynamik entfacht, die Brigels gut ansteht. Der Ferienort auf 1200Metern über Meer gilt als sehr familienfreundlicher Geheimtipp zwischen den grossen Playern Flims-Laax und An­dermatt-Sedrun. Brigels punktet mit Authentizität. In den Läden spricht man Romanisch. Im Dorf über­leben ein Dutzend Bauernbetriebe. Allerdings trügt die Idylle: Nur ein Kapitalschnitt rettete 2015 die Bergbahnen vor dem Konkurs, seither geht es aber wirtschaftlich aufwärts.

Alpines Abenteuerlandauf der Alp Dado geplant

Zenklusen denkt mit gemischten Gefühlen an den letzten Winter zurück: Einer kumulierten Schneehöhe von über neun Metern stand durchzogenes Wetter gegenüber. «Im März zählten wir nur vier Sonnentage», sagt er, «die Ressourcen, die wir bei der Produktion von Kunstschnee sparten, brauchten wir zur Pistenpräparierung.» Im kommenden Winter reduzieren die Brigelser das Angebot am Piz Dado von 50 auf 40 Pistenkilometer, 28 davon künstlich beschneit. «Dafür garantieren wir hohe Qualität», sagt der Bergbahn-Manager.

In den nächsten Jahren sollen die beiden Sessellifte ins Skigebiet einer Gondelbahn weichen. «Damit man im Winter ohne Ski hochfahren und Sonne und Aussicht geniessen kann», so Zenklusen. Ebenfalls in der Planung: ein Freizeitpark auf der Alp Dado. «Im Sommergeschäft liegt viel Potenzial, mit einem Abenteuerland locken wir neue Gäste nach Brigels», glaubt Zenklusen.

Zwei neue Hotels passen prima ins Brigelser Konzept. Nach dem stark veränderten Mulin wurde im Juli das Mischun eröffnet: ähnliche Grösse, vergleichbares Konzept, vergleichbare Zielgruppen. Und wie Samanta Schäfer und Marc Seiler im Mulin lenken Martina und Hansjörg Schiess das Mischun mit Herzblut. Schiess leitete drei Jahrzehnte eine eigene Innendekorationsfirma im Thurgau.

Martina und Hansjörg Schiess führen das Mischun. Foto: PD

Nachdem er sich zurückgezogen hatte, fand er eine neue Berufung: Hotelier. «Ich wollte kein langweiliges Rentnerleben auf dem Golfplatz», sagt der 61-Jährige. «Meine Eltern führten im Thurgau eine Bäckerei mit Restaurant, ich konnte schon früh Erfahrungen in der Gastronomie sammeln!»

Das Mischun ist modern, aber gemütlich eingerichtet, trägt den Stempel des Inneneinrichtungsprofis. «Vom gängigen Alpin-Chic halte ich wenig», sagt Besitzer Schiess, «ich möchte, dass sich die Gäste wie zu Hause fühlen.» Im Untergeschoss liess er eine kleine Wellnesszone bauen. Eine Bibliothek flankiert die Réception, auch in den Zimmern finden sich viele Bücher. Wie im Mulin spielen im Mischun Tiere eine Hauptrolle: Statt Pferden im Stall gilt das Augenmerk Foto­tapeten mit heimischem Wild. Schneehühner, Hirsche, Gämsen und Murmeli an den Wänden brauchen kein Futter. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 04.10.2018, 18:46 Uhr

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Anreise: RhB von Chur bis Tavanasa, Postauto bis Brigels.

Hotel Mulin: 15 DZ und eine Suite, drei Boxen und Reitplatz für Gastpferde. DZ/F ab 176 Fr.;
www.hotelmulin.ch

Hotel Mischun: 9 DZ, drei Juniorsuiten, drei Suiten, Wellness,ab 15.30 Uhr Gastronomie, DZ/F ab 140 Fr.;
www.mischun.ch

Allg. Infos: www.surselva.info

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