Angriff auf Albanien

Schweizer Badegäste sollen bald albanische Strände bevölkern – Reiseveranstalter haben die Destination neu ins Sommerprogramm 2019 aufgenommen und hoffen nun auf Frühbucher.

Albanien lockt mit schönen Stränden – hier bei Durrës – und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Foto: Franky Verdickt/Laif

Albanien lockt mit schönen Stränden – hier bei Durrës – und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Foto: Franky Verdickt/Laif

Wanderfreunde und Busreisende kehrten begeistert zurück. Kein Wunder, dass jetzt auch die grossen Reiseveranstalter Albanien ins Visier nehmen: Ab Sommer 2019 organisieren sie Badeferien im einst hermetisch abgeschlossenen Balkanstaat, wo Diktator Enver Hoxha eine wunderliche Form des Kommunismus praktizieren liess und sein Reich mit Myriaden von Bunkern überzog. Aus Angst vor Invasionen der Nato oder der Ausserirdischen. Albanien ist irdisch geblieben, der Tourismus erblüht sanft. Nicole Pfammatter, bei Hotelplan Suisse zuständig für Badeferien, bestätigt: «Die Strände sind sehr schön, das Preis-Leistungs-Verhältnis überrascht, und die Albaner heissen die Touristen herzlich willkommen.» Die Hotels in Durrës und Saranda, den beiden grossen Badeorten, entsprechen solidem Drei- und Viersternstandard.

«Man muss als Besucher vielleicht mal ein Auge zudrücken, wenn der Service nicht ganz so geschmeidig läuft», wirbt Nicole Pfammatter um Verständnis. Albanien fand Aufnahme in die Badeferienprogramme, weil Edelweiss und Germania nach Tirana fliegen und ein gewisses Gästevolumen garantieren.

In Griechenland wird auf Korfu gesetzt

Durrës liegt 45 Minuten vom Airport entfernt und trumpft mit einem zwölf Kilometer langen Strand auf. Saranda besitzt mediterranes Flair. Der Ferienort im Süden Albaniens ist besser mit der Fähre ab Korfu erreichbar. Die griechische Insel ihrerseits soll, stellvertretend für den Griechenland-Hype, zum weiteren Trendziel des nächsten Sommers avancieren. «Wir bauen unser Korfu-Programm aus», bekräftigt Dieter Zümpel, CEO von DER Touristik Suisse und Herr über die Marken Kuoni und Helvetic Tours. «In die Hotellerie Korfus wurde viel investiert. Natur und Strände genügen hohen Ansprüchen.»

Die Reiseveranstalter können die Welt nicht neu erfinden. Mit Albanien ist einer der letzten weissen Flecke auf der touristischen Landkarte getilgt. Und mit der Türkei kehrt einer der grossen Player ins Spiel zurück. Die Buchungszahlen sind zwar mit jenen der Boomjahre nicht zu vergleichen. «Immerhin verzeichnen wir im Vergleich zum Vorjahr aber fast eine Verdoppelung der Buchungen», sagt Daniel Bühlmann, der neue Chief Operating Office von Hotelplan Suisse. Der Konsument gewichtet offensichtlich die attraktiven All-inclusive-Arrangements und die ausgezeichnete Hotelinfrastruktur höher als das Missbehagen gegenüber dem Autokraten Erdogan.

Ein dezentes Comeback feiert im Übrigen auch Tunesien und insbesondere die Insel Djerba an der Ostküste. Die Tour Operators bauen die Programme aus. Dass mit René Trabelsi kürzlich ein jüdischer Reisefachmann als tunesischer Tourismusminister vereidigt wurde, ist zudem ein starkes politisches Signal.

Nachdem Air Berlin im letzten Jahr den Dienst quittierte und Laudamotion nicht abhob, hat sich die Situation im Flugbereich beruhigt: Edelweiss stockt die Kurz- und Mittelstreckenflotte um einen Airbus A320 auf 10 Maschinen auf und fliegt neu auch nach Patras im Norden der griechischen Halbinsel Peloponnes. Germania bietet im Sommerprogramm im Vergleich zu 2018 um 16 Prozent grössere Sitzplatzkapazitäten an. Neben Tirana ist Calvi auf Korsika eine weitere neue Destination.

Hotels, in denen Erwachsene unter sich sind, boomen

Die Prognosen fallen vorsichtig aus. «Für die kommende Sommersaison 2019 zeigen erste Tendenzen, dass vermehrt frühzeitig gebucht wird», bilanziert Daniel Bühlmann von Hotelplan Suisse. Dieter Zümpel, Chef von DER Touristik Suisse, doppelt nach: «Der Sommer 2019 ist bei uns gut angelaufen. Ob es auch ein Frühbucherjahr geben wird, entscheidet sich aber während der Hauptbuchungszeit ab Januar.»

Eher unbeeindruckt von solchen Prophezeiungen zeigt man sich bei TUI Suisse, dem dritten grossen Anbieter von Badeferien. Die Schweizer Tochter des Touristikgiganten TUI setzt auf einen Vorteil, der den Mitbewerbern fehlt: ein breites Portfolio eigener Hotels, gegliedert in sieben Marken, von Robinson-Clubs bis Tui Blue.

TUI eröffnet allein zwölf neue Sensimar-Hotels zwischen Portugal und der Türkei. Die Familie der Adults-Only-Resorts wächst damit auf 45 Mitglieder. «Hotels nur für Erwachsene sind gefragt wie nie», sagt TUI-Suisse-CEO Martin Wittwer. «Wir sehen hier ein grosses Potenzial.» Neu sticht gar ein Sensimar-Schiff in See: Die M/Y TUI Sensimar 1 verlässt wöchentlich Fethyie, um in der türkischen Ägäis zu kreuzen.

www.hotelplan.ch, www.kuoni.ch, www.helvetictours.ch, www.tui.ch

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