Gondeln mit Glanz und Glitter

Zermatt hat eine neue Seilbahn der Superlative. Ein teurer Trumpf für die Skisaison.

Der Stolz der Zermatt Bergbahnen: 25 elegante Kabinen mit Ledersitzen fahren ab dem 29. September  auf das Klein Matterhorn. Foto: Andrea Soltermann

Der Stolz der Zermatt Bergbahnen: 25 elegante Kabinen mit Ledersitzen fahren ab dem 29. September auf das Klein Matterhorn. Foto: Andrea Soltermann

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Der Name Klein Matterhorn ist eine Untertreibung: Der Berg, mit dem «richtigen» Matterhorn durch den Theodulpass verbunden, ist mit seinen 3883 Metern eine überaus stattliche Erscheinung. Eine Luftseilbahn namens «Matterhorn Express» mit zwei Kabinen für je 100 Personen erschliesst seit knapp 40 Jahren das Klein Matterhorn – von Zermatt aus über die Zwischenstation Trockener Steg. Kommt man oben an, droht Schwindel: Man hat den Eindruck, direkt in die schroffe, fast senkrecht abfallende Felswand hineinzufahren. Die Bergstation wirkt wie ein angeklebtes Riesenvogelnest aus Beton. Sie ist die höchstgelegene der ganzen Alpen.

Von der Station führt ein Tunnel zum Gletscherplateau auf der Rückseite des Bergs und zu den Skipisten. Von der Tunnelmitte gelangt man mit einem Lift oder über eine Treppe auf den Gipfel mit seiner Aussichtsplattform, die einen Rundblick auf die eisige Unendlichkeit der schweizerischen, italienischen und französischen Alpengipfel freigibt. Das Skigebiet hat den marketingtauglichen Namen «Matterhorn Glacier Paradise» erhalten; man kann sich hier sowohl auf Zermatter Pisten tummeln als auch auf jenen von Breuil-Cervinia in Italien.

Die 3S-Bahn ist die welthöchste ihrer Art

2017 fuhren mehr als 425'000 Personen hinauf aufs Klein Matterhorn. Die Zermatter befanden, dass die bestehende Gondelbahn nicht mehr genüge. Deshalb nahmen sie die Planung für eine neue, parallel vom Trockenen Steg zum Gipfel verlaufende Bahn in Angriff. Im Frühling 2016 wurde mit dem ambitionierten Bau begonnen. Demnächst, 600 Arbeitstage später und rechtzeitig für die Skisaison, nimmt der Matterhorn Glacier Ride den Betrieb auf.

Die Bahn wurde vom österreichischen Seilbahnhersteller Leitner Ropeways unter Beteiligung von 38 weiteren Firmen aus der Schweiz und Italien gebaut. Sie kann statt maximal 600 neu bis zu 2000 Personen pro Stunde auf das Klein Matterhorn transportieren. Es sei «die welthöchste 3S-Bahn», vermeldet die Zermatt Bergbahnen AG. 3S oder Dreiseil-Umlaufbahn bedeutet, dass die Bahn auf je zwei fix montierten Tragseilen berg- und talwärts gleitet und von einem umlaufenden Zugseil bewegt wird, was für erhöhte Stabilität und Laufruhe sorgt. Die Tragseile, je knapp vier Kilometer lang, wiegen zusammen 280 Tonnen. Das fast acht Kilometer lange, «endlose» Zugseil bringt nochmals 62 Tonnen auf die Waage.

Hans Peter Julen zieht Bilanz aus seiner 16-jährigen, demnächst ablaufenden Zeit als Verwaltungsratspräsident: Die Zermatt Bergbahnen AG habe ein gutes Dutzend Bahnprojekte verwirklicht und etwa eine halbe Milliarde Franken in Bahnen, Gebäude und Beschneiungsanlagen investiert. «Der Matterhorn Glacier Ride ist dabei sicher das spektakulärste und kostenintensivste Projekt.» Doch laut Julen ist die Finanzierung solid: «Die wichtigste Voraussetzung war, dass dauerhaft ein jährlicher Cashflow von mindestens 25 Millionen Franken erwirtschaftet wird. Im letzten Geschäftsjahr betrug er sogar über 30 Millionen Franken.»

Die Bauarbeiter hatten mit der dünnen Luft zu kämpfen

Spektakulär waren auch die Bauarbeiten unter schwierigsten Bedingungen: Das Gelände ist extrem steil; Schneefall und Nebel gehören zum Alltag. Tagestemperaturen bis minus 30 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten bis 240 Stundenkilometer werden gemessen. Die Bauarbeiter trugen Expeditionsausrüstungen, konnten aber wegen der dünnen Luft auf fast 4000 Meter über Meer nur 60 bis 80 Prozent der gewohnten Leistung erbringen.

Auch das Material musste angepasst werden: Betonarbeiten etwa sind nur bis plus fünf Grad möglich. Der Baustoff musste deshalb auf einer Zwischenstation mit warmem Wasser aufbereitet und rasch in die Höhe geschafft werden, um nicht vorzeitig auszukühlen.

Die 25 eleganten Kabinen mit den Panoramafenstern wurden exklusiv für Zermatt von der italienischen Design- und Karosseriefirma Pininfarina entworfen, die unter anderem auch Edelsportwagen von Ferrari und Maserati zeichnet. Je 28 Passagiere pro Kabine können sich auf bequemen, mit Leder und Alcantara überzogenen Sitzen niederlassen. Vier Kabinen funkeln ganz besonders: Sie sind mit Tausenden Swarovski-Glitzer­steinen verziert. «Weltweit existiert bisher kein vergleichbares Projekt», meldet die Zermatt Bergbahnen AG stolz.

www.zermatt.ch (SonntagsZeitung)

Erstellt: 21.09.2018, 17:24 Uhr

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