Zocken mit Stil

Der Solothurner Jonas Schürmann plant im asiatischen Gambler-Paradies Macau das erste Karl-Lagerfeld-Hotel der Welt.

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«Steve», sagt Jonas A. Schürmann zum Kellner, der eilfertig den Stuhl zurechtgerückt hat. «Steve, schauen Sie doch mal, ob irgendwo noch eine Flasche Wein herumliegt.»

Der 53-jährige Hotelchef kokettiert mit der Untertreibung des Jahres. Die Luxusherberge Grand Lisboa in Macau besitzt den grössten Weinkeller der Welt: 700 000 Flaschen lagern an acht Standorten. Die Weinkarte, die der Gast im chinesischen Gourmettempel The 8 zu Gesicht bekommt, wiegt sechs Kilo.

Der ehemalige Kellnerstift im Kreuz in Balsthal SO ist wie die Weinkarte ein Schwergewicht in der asiatischen Beherbergungsbranche. Nachdem Schürmann sechseinhalb Jahre als General Manager das traditionsreiche Mandarin Oriental in Hongkong geführt hatte, heuerte er Anfang 2016 beim legendären Casinokönig von Macau an. Stanley Ho, 94 Jahre alt, praktizierender Polygamist, zählt zu den zehn reichsten Chinesen.

Turm in Form einer Lotusblüte

Seine an der Hongkonger Börse kotierte Firma, Sociedade de Jogos de Macau, verdient Milliarden im Geschäft mit Glücksspielen. Schürmann führt als Managing ­Director Hospitality Services den Hotel- und Gastrozweig von Hos Imperium. Aushängeschild ist ­derzeit noch das Grand Lisboa – ein Turm in Form einer Lotusblume, unübersehbar in der Skyline von Macau. Aber Schürmann beschäftigt sich momentan nur am Rande mit dem gut ausgelasteten Blütentempel.

Seine Energie gilt einem vier Milliarden Dollar teuren Projekt, das selbst im schrillen Macau für grosses Aufsehen sorgt. Bis in eineinhalb Jahren sollen am Strip das Grand Lisboa Palace (1400 Zimmer), der erste Versace Palazzo in Asien (290) sowie das erste Karl- Lagerfeld -Hotel der Welt (290) eröffnet werden. «Wir sind stolz, mit Karl Lagerfeld ins Geschäft gekommen zu sein», sagt Schürmann, geplant werden wohnliche Zimmer mit hellen Farben aber schwarzen Zwischentönen.» Er will die Verhandlungen mit Lagerfeld nicht kommentieren, aber in Fashionkreisen erzählt man sich, der Grossmeister begleite jede Diskussion mit Skizzen. Er pflege die Werke zu zerknüllen und auf den Boden zu werfen. Ein Adlat hebe sie auf und bringe sie vor Unbefugten in Sicherheit.

Günstige Hotels für Casino-Kunden

Wie in Macau üblich, werden die Zimmer in den drei neuen Hotels erschwinglich sein. «Hier geht es nur darum, die Hotels zu füllen und die Leute in die Casinos zu kriegen» sagt Jonas Schürmann. «Das grosse Geld wird beim Glücksspiel verdient.» Im Rekordjahr 2013 totalisierten die Casinos in der chinesischen Sonderzone einen Umsatz von 45 Milliarden US-Dollar, Hotels waren in den Blütezeiten innert Jahresfrist amortisiert. Die Wirtschaftsflaute in China hat den Umsatz gesenkt, aber immer noch gibt ein Chinese am Spieltisch in Macau zehnmal mehr aus als ein Amerikaner in Las Vegas.

Schürmann betont, nichts vom Casinogeschäft zu verstehen. «Aber eines habe ich hier gelernt: Um die Gäste im Casino zu halten, muss man ihnen Geschichten erzählen.» Die Themen sind Mode, Design und innovative Food-Konzepte. Zum neuen hufeisenförmigen Komplex gehören neben Casino und Hotels auch 30 Restaurants – vom Peking-Enten-Lokal über ­Filialen weltbekannter Gourmet­tempel bis zum bayerischen Bierhaus. «Ohne Italiener geht es nicht», so der Schweizer Hotelier. Den entscheidenden Tipp für eine piemontesische Trattoria erhielt Schürmann von Urs Heller, dem viel reisenden «Gault Millau»-Chef.

Brücke vom chinesischen Festland nach Macau

China lässt Macau, das 1999 von den Portugiesen dem Reich der Mitte übergeben wurde, einigermassen an der langen Leine. In der 36 Quadratkilometer grossen Sonderzone arbeiten 400 000 Grenzgänger aus der Region Guangzhou. 40 Prozent des Umsatzes in den Casinos gehen als Steuern an die Verwaltung von Macau, wo neben Chinesisch auch Portugiesisch Amtssprache ist.

Macau baut zusammen mit der chinesischen Nachbarprovinz und Hongkong eine 60 Kilometer ­lange Brücke zum Hongkonger Flug­hafen. Eröffnung: vermutlich in einem Jahr. «Wir erwarten nicht unbedingt mehr Touristen», sagt Jonas Schürmann, «aber die Logistik wird viel einfacher.» ­Lieferanten mussten bis anhin die Waren verschiffen oder den umständlichen Landweg über chinesisches Territorium unter die Räder nehmen.

Inzwischen hat Steve in den ­Katakomben des Grand Lisboa wider Erwarten ein Fläschchen ­Roten aufgetrieben – einen edlen Burgunder. Jonas Schürmann prostet den Gästen zu und versichert: «Ich habe noch tonnenweise Ideen.»


Die Reise wurde unterstützt von Cathay Pacific, vom Reiseveranstalter Tourasia, und vom Hotel Mandarin Oriental, Macau. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.11.2016, 10:54 Uhr

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