Unter Drachen

Schauergeschichten ranken sich um die gefrässigen Riesenwarane auf Komodo – doch von ­der ­luxuriösen Alila Purnama aus lässt sich die indonesische Insel gefahrlos entdecken.

Exklusiver Segeltörn: An Bord der Alila Purnama verwöhnen 16 Crew-Mitglieder die maximal zehn Passagiere; an Land sorgen Komododrachen für Spannung. Foto: Bloomberg/Getty Images

Exklusiver Segeltörn: An Bord der Alila Purnama verwöhnen 16 Crew-Mitglieder die maximal zehn Passagiere; an Land sorgen Komododrachen für Spannung. Foto: Bloomberg/Getty Images

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Die abenteuerliche Reise des Schweizers Rudolf von Reding endete tragisch. Von ihm blieb nur die Fotokamera mit zerrissenem Riemen übrig. Bei einer Exkursion in Indonesien fiel er 1974 mutmasslich einem hungrigen Komodowaran zum Opfer. Von Redings Fehler: Er trennte sich von der Gruppe.

Die bis zu drei Meter langen Echsen sind heute eine schaurige Touristenattraktion im Komodo-Nationalpark. Es gilt die eiserne Regel: Nie allein und ohne Guide an Orte wandern, wo die Warane auf Nahrungssuche umherschleichen. Doch die auch für ihren übelriechenden Atem berüchtigten Tiere sind längst nicht der einzige Grund, warum sich die lange Anreise zu den Kleinen Sundainseln lohnt.

Auf Wunsch wird sogar Fondue serviert

In Indonesien, 500 Kilometer östlich von Bali, zwischen Sumbawa und Flores warten einsame Strände und eine Unterwasserwelt, die auch verwöhnten Tauchern den Atem raubt. Der zum Unesco-Weltnaturerbe ernannte Nationalpark lässt sich auf besonders angenehme Weise entdecken: an Bord der Alila Purnama. Auf dem 46 Meter langen, aus robustem Eisenholz gefertigten Schiff kommt es nie zu Gedränge – schon gar nicht am Pool, denn den gibt es nicht. In den fünf geräumigen Kabinen logieren maximal zehn Passagiere. Die 16-köpfige Crew steht bei Ankunft der neuen Gäste aufgereiht an der Reling und winkt minutenlang zur Begrüssung.

Mit einem eiskalten Kiwi-Guava-Drink in der Hand machen es sich die Neuankömmlinge erst einmal auf einem der vielen Sofas gemütlich. Kulinarische Wünsche und Vorlieben konnten schon im Vorfeld übermittelt werden. Egal, ob für Fleischliebhaber, Veganer oder Anhänger der ketogenen Ernährung: Der Koch geht während dem fünftägigen Cruisen auf alle Wünsche ein. Doch kennt er auch Schweizer Käsefondue? «Das hatten wir noch nie. Aber wenn wir es ein paar Wochen im Voraus wissen, passt auch Fondue», sagt Kreuzfahrt-Direktorin Robyn. Statt geschmolzenem Käse steht heute unter anderem Gado-Gado auf dem Menu, ein Gemüsesalat mit Erdnusssauce. Das passt definitiv besser zum tropischen Klima.

Am Abend essen alle Passagiere gemeinsam am langen Tisch. Die Gespräche werden von leiser Musik untermalt, die ein Gast ausgewählt hat. Andrea Bocelli säuselt schon am ersten Abend «Time To Say Goodbye». Macht nichts. Mit Nebensächlichkeiten wie Essen oder Musik geben sich die Taucher in der Gruppe ohnehin nur ungern ab. Sie möchten möglichst schnell ins Wasser.

Fische und Korallen leuchten in allen Farben

Der Nationalpark gehört zu den weltweit besten Tauchrevieren. Auf der Alila gilt «all you can dive». Im Gegensatz zu alkoholischen Getränken sind Tauchgänge im Preis inbegriffen – mit Rundumservice. Ein Assistent hilft sogar in die Flossen.

Golden Passage heisst ein Tauchspot. Der Name hält, was er verspricht. Kaum sind wir unter Wasser, nähert sich ein Mantarochen. Während der Fisch über uns hinwegschwebt, scheint er die vor lauter Aufregung intensiv blubbernden Menschen im schwarzen Gummianzug neugierig zu beäugen. Eine grosse Schildkröte hat es sich auf einem Stein gemütlich gemacht und hält ein Nickerchen. Auch als ein Mittaucher nervös mit einer Unterwasserkamera herumfuchtelt, lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Fische und Korallen leuchten in allen Farben.

So beeindruckend die Unterwasserwelt im Komodo-Nationalpark ist, Tauchen kann anspruchsvoll werden. Um die grossen Fische zu sehen, müssen wir uns durch starke Strömungen kämpfen: Als Belohnung gibt es den Blick auf Grauhaie, Weiss- und Schwarzspitzen-Riffhaie. Wer es weniger aufregend mag, findet auf der Reise mit der Alila Purnama andere Möglichkeiten der Beschäftigung: Schnorcheln, Kanufahren oder Wandern im Sonnenuntergang auf einer der zahlreichen Inseln. Auf Wunsch baut die Crew an einem einsamen Sandstrand Liegestuhl und Sonnenschirm auf.

Die Riesenechsen fressen auch Artgenossen

Die Eilande Komodo und Rinca kommen für den Strandplausch allerdings nicht infrage. Sie sind die letzten Refugien der Komodowarane. Hirsche und Wildschweine stehen auf deren Speiseplan, doch auch Zweibeiner werden nicht verschmäht. Im vergangenen Jahr hat eine der Echsen einen Touristen aus Singapur angefallen – er war auf Fotosafari allein unterwegs.

Tourguide Sam begleitet uns auf Rinca. Er kennt die traurige Geschichte von Rudolf von Reding, zeigt aber wenig Mitgefühl. «Warane mögen Schweizer», sagt er und grinst. Wir lächeln gequält. Sams Verteidigungsdispositiv trägt nicht zur Beruhigung bei. Ein dünner Holzstock dient zur Abschreckung der Echsen. Glücklicherweise spüren auch die Warane die Hitze und liegen träge im Schatten. Das sei nicht immer so. Heute Morgen hätten zwei Männchen um die Küchenabfälle einer Ranger-Station gekämpft, erzählt Sam. Wir hoffen, dass beide satt wurden.

3000 Warane, 1000 Einwohner

Auf der Insel sollen 3000 Warane leben, zusammen mit 1000 Einwohnern. Wir sehen auf einer Wanderung über ein Dutzend der drachenähnlichen Tiere: Ein Weibchen bewacht seine Eier, ein junger Waran schaut von einem Baum herunter. Er hat sich vor den erwachsenen, kannibalistisch veranlagten Artgenossen in Sicherheit gebracht. Auf den Smartphones mehren sich die Fotos im Stil von «Tourist mit Waran». Sam ist ein geübter Fotograf und legt für einen gelungenen Schnappschuss auch schon mal seinen als Waffe gedachten Holzstock beiseite.

Zurück an Bord gibt es den üblichen Erfrischungsdrink – heute ein frisches Gurkenwasser. An unserem letzten Abend steht ein Überraschungsdinner auf dem Programm. Statt wie üblich an Deck der Alila, lädt die Crew auf einer kleinen Insel zum Mahl. Das Team hat Stunden mit den Vorbereitungen verbracht. Ein Meer von Kerzen leuchtet von weitem, und Muscheln zieren den Weg zum Tisch. Auch ein Waran grüsst auf der Insel. Ein Riesenexemplar, wohl über drei Meter lang und trotzdem kein bisschen angsteinflössend. Als Skulptur aus Sand geformt, wirkt die menschenfressende Echse im Kerzenlicht fast schon niedlich.

Die Reise wurde unterstützt von Alila Hotels & Resorts und Geoplan Reisen. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 01.12.2018, 17:22 Uhr

Auf der Kreuzfahrt sind die Tauchgänge inbegriffen

Anreise: Von Zürich über Doha und Denpasar bis Bali, Anschlussflug nach Flores, zum Beispiel mit Qatar Airways, www.qatarairways.com. Ein Aufenthalt in Bali teilt die lange Anreise in angenehme Etappen auf.

Reiseveranstalter: Doppelkabinen auf der Alila Purnama kosten ab 1230 Euro pro Person und Nacht. Essen, Tauchgänge, Ausflüge und andere Aktivitäten sind inbegriffen. Alkoholische Getränke kosten extra. Zu buchen bei Geoplan Reisen, www.geoplan-reisen.de; Komodo-Reisen auf der Alila sind von Juli bis September möglich. Indonesien-Cruises mit ­Komodo sind auch im Programm von Tourasia erhältlich, www.tourasia.ch.

Beste Reisezeit: Für den Komodo-Nationalpark: März bis Dezember.

Allg. Infos: www.indonesia-tourism.com; www.komodonationalpark.org

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