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Unter dem Altar wartet der Segen

Die Grabeskirche in Jerusalem bleibt ein Touristenmagnet. Sie bietet jeder Konfession das Passende.

Kirche inder Kirche: Die Ädikula umgibt das Grab Jesu. Foto: AFP
Kirche inder Kirche: Die Ädikula umgibt das Grab Jesu. Foto: AFP

Die Via Dolorosa, der Leidensweg Jesu, führt heute durch die Altstadt Jerusalems. In den engen Gassen zwängen sich Pilger und Touristen vorbei an arabischen Händlern, einem «Holy Rock Café» und Ständen mit Witz-T-Shirts für jüdische Kundschaft. Da gibt es solche mit Kippa-Smiley und «Don’t worry, be jewish» oder Sprüchen wie «Guns and Moses».

Die letzten Stationen des Prozessionswegs befinden sich in der Grabeskirche.

Die Grabeskirche! Sie ist ein Monstrum von einem chaotischen Kirchenbau – eigentlich kein Gotteshaus, sondern zahlreiche Kirchen, die ineinander- und aneinandergebaut wurden, auch um den verschiedenen Konfessionen gerecht zu werden.

Die griechisch-orthodoxen Gläubigen haben es nicht weit. Sie knien kurz nach dem Eingangs­bereich vor einer rötlichen Steinplatte, pressen inbrünstig den Oberkörper darauf und legen Kerzen oder Souvenirs in Plastiksäcken neben sich, damit die Heiligkeit des Ortes auf sie übergehe. Hier soll Jesu Leichnam gesalbt worden sein, nachdem er vom Kreuz abgenommen worden war.

Mönche leben auf der Dachterrasse der Kirche

Im Zentrum unter der grossen Kuppel, wo griechisch-orthodoxe Mönche dezent nach dem Rechten sehen, ist es voll. Auch Franziskanermönche mischen sich unter die Besucher. Die Gläubigen stehen in einer spiralförmigen Schlange um die Ädikula, eine kleine Kapelle, die das Grab Jesu umgibt. Seit kurzem erstrahlt sie in neuem Glanz nach umfassenden Renovierungsarbeiten. Dabei wurde erstmals seit rund 500 Jahren die Marmorgrabplatte angehoben, darunter kamen eine ältere Platte sowie Kalksteinwände zum Vorschein. Dies deute darauf hin, dass an dieser Stelle tatsächlich das Grab Jesu sei, liessen die beteiligten Archäologen verlauten. Die Grabeskirche war nämlich erst im vierten Jahrhundert nach Jesu Tod im Auftrag von Helena, der Mutter von Konstantin dem Grossen, gebaut worden. Im Laufe der Geschichte wurde sie mehrfach zerstört oder brannte ab.

«Von dieser Säule an werden die Gläubigen zweieinhalb Stunden warten, bis sie zum Grab gelangen», weiss Reiseleiter Danny Tamuz. Er führt seine Touristen in einen auf den ersten Blick völlig unspektakulären Seitenraum mit kahlen Wänden und einem klapprigen, kaum mehr erkennbaren Holzaltar. Tamuz zeigt einen kleinen Gang im Mauerwerk. «Das sind originale Felsengräber einer Familie aus Jesu Zeiten», erklärt er und leuchtet mit der Taschen­lampe seines Mobiltelefons hinein. Hier befand sich vor 2000 Jahren ein Friedhof – damals ausserhalb der Stadt. Jesus, der aus Betlehem stammte, soll in dem Familiengrab eines wohlhabenden Juden beerdigt worden sein.

Im Kirchenlabyrinth lassen wir die Basiliken im Untergeschoss aus, gehen vorbei an dem, was vom Fels Golgatha übrig geblieben ist, dem Ort, wo Jesu Kreuz gestanden haben soll. Dort stehen Besucher an, um unter einen Altar zu kriechen und den heiligen Fels zu berühren. Eine enge, verschlungene Treppe führt hoch in eine komplett andere Welt, auf die Dach­terrasse der Kirche. Hier oben leben einige äthiopische Mönche in ärmlichen, renovierungsbedürftigen Unterkünften. Auffällig sind die einfachen Lehmhütten, zwischen denen in lange Gewänder gehüllte afrikanische Männer und auch Frauen huschen – stets beobachtet von Touristen.

Priester gewährt Einlass zu geheimnisvollem Gang

Gegenüber wartet in der koptisch orthodoxen Königin-Helena-Kirche eine weitere Überraschung. Das kleine Gotteshaus auf dem Dach der Grabeskirche gehört den ägyptischen Kopten. Priester Michael mit schwarzem Talar, runder schwarzer Kappe und langem, grauem Bart gewährt uns Einlass zu einem geheimnisvollen Gang. Einige Stufen abwärts wird die Luft feucht, plötzlich öffnet sich ein Gewölbe, eine immense Zisterne. «Der Putz ist hier 1000 Jahre alt», sagt Reiseführer Tamuz. Auf dem Wasser schwimmt Unrat. Er stammt aus den Strassen Jerusalems.

«Heute kommen Gruppen zum Singen herunter», sagt Tamuz und lobt die vortreffliche Akustik. Priester Michael bedankt sich für ein paar Schekel Spende.

Draussen in den Gassen werden eine Fülle christlicher Souvenirs angeboten. Humor ist Mangel­ware. Dafür scheinen dem Kitsch keine Grenzen gesetzt. Wer, um Himmels willen, kauft eine mit Abendmahlsujet bestickte Handtasche oder ein Weichplastik-Jesuskind in Originalgrösse?

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Die Reise wurde unterstützt vom Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro, www.goisrael.com

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