Reise ins Verborgene

Der Flusskreuzfahrtenspezialist Thurgau Travel hat eine Flotte in Burma aufgebaut. Die Schiffe steuern Orte an, die kaum von Touristen besucht werden.

Schwimmendes Boutique-Hotel: Die neue, im Kolonialstil gebaute Exotic 3.

Schwimmendes Boutique-Hotel: Die neue, im Kolonialstil gebaute Exotic 3.

Thomas Zemp@tagesanzeiger

Es ist ein einsames Vorwärtskommen durch abgelegene Gebiete Südostasiens mit ein paar wenigen anderen Passagieren. Wer mit einem gut ausgebauten, nicht allzu grossen Schiff des Flusskreuzfahrtenanbieters Thurgau Travel auf den Flüssen von Burma unterwegs ist, geniesst einen Vorteil. Die Passagiere treffen nur in Zentren mit touristischen Attraktionen wie Bagan mit den 3000 historischen Tempeln und Klöstern auf unzählige andere Reisegruppen. Das verspricht Peter Kaufmann, Sohn des Firmengründers Hans Kaufmann.

Der junge Mitbesitzer ist verantwortlich für die Reisen ins südostasiatische Land. Meistens fahren die drei Schiffe des Weinfelder Unternehmens Dörfer an, die sonst kaum ein Tourist zu sehen bekommt. Sie sind zu abgelegen von den Strassen, auf denen die Reisebusse oder Autos mit Privatchauffeuren verkehren. «Wir kommen so in authentischen Kontakt mit der heimischen Bevölkerung», sagt Kaufmann.

«Auf der Hauptstrecke des Irrawaddy-Flusses zwischen Mandalay und Rangun treffen unsere Schiffe immer mal wieder auf andere und grössere Kreuzfahrtdampfer, wir fahren aber auch auf Flüssen, wo nur einheimische Boote zu sehen sind.» Die Thurgauer Schiffe sind tatsächlich schwimmende Boutique-Hotels, die nur 20 bis 32 Personen Platz bieten.

Die Schiffe wurden im traditionellen burmesischen Stil gebaut

Das Ostschweizer Reiseunternehmen ist seit 2008 im südostasiatischen Land tätig, das lange Zeit abgeschottet war. Kurz nach einem verheerenden tropischen Wirbelsturm hatte Firmengründer Hans Kaufmann einen Anruf von einem burmesischen Schiffbauer erhalten mit der Botschaft, dass die Zeit ideal sei für eine Investition. Bereits ein Jahr später lief die RV Thurgau Exotic 1 mit Platz für 20 Passagiere vom Stapel, 2012 folgte das Schwesterschiff Exotic 2 mit 26 Plätzen.

Seit wenigen Monaten ergänzt die Exotic 3 die Flotte. Wie bei den Vorgängerschiffen stand in der Werft einheimisches Schaffen im Vordergrund, so Peter Kaufmann. Die Exotic 3 wurde von erfahrenen burmesischen Schiffsbauern im traditionellen Stil gebaut – mit regionalen Harthölzern. Ausgestattet ist sie im landestypischen Ambiente. Der Standard zielt vor allem auf westliche Touristen ab.

Die Eigenständigkeit in Burma ist für den Schweizer Flussreisepionier Thurgau Travel wichtig, er managt die Schiffe selber. Die meisten der 83 lokalen Mitarbeitenden sind das ganze Jahr über angestellt – im Gegensatz zu anderen Flussreiseunternehmen im Land, die ihre Mitarbeiter nur in der Saison beschäftigen. Die Angestellten helfen in der touristenlosen Regenzeit bei Unterhaltsarbeiten an Bord. So seien viele einheimische Mitarbeiter seit langer Zeit für die Firma tätig, sagt Kaufmann. Das zeuge von der Nachhaltigkeit des Projekts in Burma. «Wir sind seit zehn Jahren mit einem langfristigen Entwicklungsprogramm vor Ort und leisten einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung des Landes.»

Politisch steckt Burma momentan in einer Krise. Die Massenvertreibung der muslimischen Rohingya im Norden hat dem Land scharfe internationale Kritik eingetragen. Mehr als 700'000 Mitglieder der Minderheit sind nach Ausschreitungen im August vergangenen Jahres nach Bangladesh geflohen. Die Krise hinterlässt Spuren im Tourismus: Die Einreisezahlen im Land steigen nicht mehr so rasant wie in den Boomjahren.

Peter Kaufmann verschliesst die Augen nicht vor dem Problem. Als Tourist Burma zu boykottieren, ist für die Leitung von Thurgau Travel aber keine Lösung. «Darunter würden all die Menschen leiden, die sich in den letzten Jahren im Tourismus eine Existenz aufgebaut haben», sagt Peter Kaufmann. Die Thurgau-Travel-Gäste müssten sich nicht fürchten, mit den Kontroversen direkt konfrontiert zu werden. Die Flussreisen finden in anderen Regionen im Land statt. So weit als nötig würden sie aber über die Probleme in Burma informiert, sagt Kaufmann.

Das neue Schiff mit 22 einheimischen Crewmitgliedern wird auf dem Irrawaddy-Fluss eingesetzt. Die Route führt während 14 Tagen von Mandalay stromabwärts nach Rangun, auch Bagan wird besucht. Bordsprache auf dem Schiff ist Englisch, eine deutschsprachige Reiseleitung kümmert sich um die Passagiere.

www.thurgautravel.ch

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