Im Land von Sitting Bull und Wild Bill

Zwischen Minneapolis und Yellowstone-Nationalpark begegnet der Reisende den Spuren legendärer Indianer und Westmänner.

Wo der legendäre Pferdedieb Sundance Kid Zuflucht suchte: Old Trail Town bei Cody. Foto: Getty Images

Wo der legendäre Pferdedieb Sundance Kid Zuflucht suchte: Old Trail Town bei Cody. Foto: Getty Images

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Vier US-Präsidenten, überlebensgross ins Gestein gemeisselt: Diese Idee entsprang amerikanischem Unternehmergeist. In der menschenleeren Gegend der Black Hills fehlte es nämlich an Touristen. Ein Notstand, der längst behoben ist. Während zur Zeit des «Wilden Westens» im dünn besiedelten Gebiet noch das Skalpmesser eines Sioux oder der gepanschte Whiskey im Saloon drohten, so muss sich der Reisende in Rapid City heute nur noch vor überteuerten Preisen hüten. Das Denkmal Mount Rushmore National Memorial verdankt seinen Namen dem New Yorker Anwalt Charles Rushmore, der ursprünglich die örtlichen Goldschürfrechte gekauft hatte. Denn Gold war der Treiber für die widerrechtliche Landnahme.

Die Black Hills sind der Tempelberg der Lakota-Sioux. Für die Ureinwohner gelten die mythischen Schwarzen Berge noch heute als spiritueller Ort. Das Gebiet wurde den Stämmen 1868 als Reservat zugesprochen. Den Vertrag schloss man im Fort Laramie, heute eine Sehenswürdigkeit am Weg zum Yellowstone-Nationalpark. Zum Leidwesen der Indianer fand man ausgerechnet in diesen Gebirgszügen Gold. Natürlich versuchte die Regierung, den «Roten» das rohstoffhaltige Land wieder abzuhandeln. Goldsucher liessen sich nicht abhalten.

Die Auseinandersetzungen führten schliesslich 1876 zur bedeutungsvollen Schlacht am Little Big Horn, deren Hergang von ­Militärhistorikern noch heute eifrig diskutiert wird. George Armstrong Custer liess sich mit der 7. Kavallerie durch eine fatale Fehleinschätzung des Gegners von mehreren Stämmen einkesseln, die sich unter den Häuptlingen Sitting Bull und Crazy Horse zusammengeschlossen hatten. Die 263 berittenen Soldaten kamen im wütenden Pfeilhagel um.

Deadwood – Epizentrum des Goldrauschs

Die Niederlage war traumatisch für die junge Nation. Custers Heldenbild wurde in den vergangenen Jahrzehnten stark demontiert. Früher nach Custer benannt, hat Präsident George Bush die Gedenkstätte in «Little Bighorn Battlefield» umbenannt, damit auch der indianischen Opfer gedacht werde.

Die Schlacht am Big Horn River verzögerte indessen die totale Niederlage der Lakota nur um Monate. 1877 wurde ihnen das Reservat entzogen. Knapp 100 Jahre später sprach der Oberste Gerichtshof der USA den Lakota eine Entschädigung für die Enteignung zu. Ihre Reaktion hätte Sitting Bull stolz gemacht: Sie schlugen die 100 Millionen Dollar aus und verlangen bis heute die Rückgabe der Black Hills. Mit dem Crazy Horse Memorial wurde dem Anführer des Aufstands ein Denkmal gesetzt. Der Custer State Park beheimatet heute eine der grössten Bisonherden der USA.

Epizentrum jenes Goldrauschs war die Stadt Deadwood, als Boom Town aus dem Boden gestampft. Hier fanden Goldschürfer Vorräte, Munition – und weibliche Zuwendung in Saloons. Deadwood war Endstation für den wohl sagenhaftesten Gunfighter des Westens: «Wild Bill» Hickok. Als schiessfreudiger Gesetzeshüter und trinkfester Kartenspieler war er zur lebenden Legende geworden. Doch am 2. August 1876, nur Wochen nach Custers Niederlage, wurde er hinterrücks beim Pokern erschossen. Der Legende nach hielt er Asse und Achten in der Hand – das Blatt, «Dead Man’s Hand» genannt, jagt abergläubischen Spielern noch heute eine Heidenangst ein.

In jenen wilden Tagen nicht mehr als eine improvisierte Zeltstadt, pflegt das heutige Deadwood seine Wildwest-Folklore weiter. An der Stelle des Saloons, in dem ­Hickok sein gewalttätiges Leben aushauchte, wird heute in einem Nachbau die «Wild Bill Show» aufgeführt.

In die Annalen von Minnesota schrieb sich ein Gesetzesbrecher ein, dessen Name bis heute geläufig ist: Jesse James. Nachdem die Bande der James-Brüder und der Younger Gang am 7. September 1876 – knapp einen Monat nach Wild Bills Tod – erfolglos versucht hatte, die First National Bank in Northfield, Minnesota, zu berauben, wurde sie von Suchtrupps quer durch den Staat gejagt. Der Überlieferung nach rettete Jesse James sich durch einen beherzten Sprung über eine Kluft im Devil’s Gulch, nahe Sioux Falls.

Alljährliche Auslöschung der Banditen

Seine Kumpanen hatten weniger Glück. In Madelia, südlich von Minneapolis, wurden die Younger-Brüder nach 100 Meilen Flucht zur Strecke gebracht. Auf diese Tat sind die Bewohner so stolz, dass die Auslöschung der Banditen alljährlich als «Reenactment» begangen wird.

Solche Inszenierungen historisch zweifelhafter Szenen sind in den Städten der damaligen «Frontier» nicht selten. In Cody würfelt die Handlung heute Charaktere wie Wyatt Earp und Butch Cassidy zusammen, die sich im wahren Leben nie über den Weg liefen. Der «Showdown» findet allabendlich vor dem Irma statt – der legendäre Buffalo Bill hatte dieses Hotel 1902 für seine Tochter erbaut. In der währschaften Herberge steht unverrückbar die Kirschholzbar, die Queen Victoria dem Showman zum Geschenk machte.

Ausserhalb von Cody findet sich die aussergewöhnlichste Geisterstadt der USA: Old Trail Town besteht aus Bretterbuden, von ihren ursprünglichen Standorten hierherverortet – inklusive Einschusslöcher. Jede der Blockhütten hat eine Story zu erzählen: hier die Notunterkunft, in der Sundance Kid vor dem Gesetz Zuflucht nahm, da die Behausung des Indianer-Scouts «Curley», dem zugeschrieben wird, er habe Custers 7. Kavallerie an den Ort ihrer Vernichtung geführt. Gleich daneben liegen historische Figuren begraben, eigens umgebettet, etwa der «leberfressende» Jeremiah Johnson, der einen Privatkrieg gegen die Crows geführt hatte.

Nahe Minneapolis liegt ein winziger Ort, dessen Name dennoch weltweit ein Begriff ist: Walnut Grove. Jawohl, hier lebte Laura Ingalls auf «unserer kleinen Farm», hier heiratete sie 1885 Almanzo Wilder, und hier ist der wackeren Pionierin nun ein Museum gewidmet. Die friedfertigen Familiengeschichten und die gleichnamige TV-Serie machten Walnut Grove zum Inbegriff der amerikanischen Kleinstadt – was zeigt, dass Geschichte auch ohne Colt geschrieben werden konnte.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 09.02.2018, 13:33 Uhr

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