Höhenrausch in New York

Cocktails trinken, die Aussicht geniessen und viel Geld ausgeben: In New York hat die Saison der Dachterrassen-Bars begonnen.

Von einer Dachterrasse aus hat man den besten Blick auf New York City. Foto: sbostock (iStock)

Von einer Dachterrasse aus hat man den besten Blick auf New York City. Foto: sbostock (iStock)

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Sommer in New York, das ist Rooftop-Saison. Dass es in der Stadt mit der weltberühmten Skyline mehr Möglichkeiten als in fast jeder anderen Metropole gibt, seinen «Manhattan» mit Aussicht über Manhattan zu trinken, mag nicht überraschen. Aber Dachterrassen-Bars sind hier tatsächlich mehr als eine hervorragende Möglichkeit, Geld vom Dach zu werfen (das natürlich auch): Sie verbinden das, was New York so anstrengend macht, mit dem, was New York zum faszinierenden Ort macht.

Anstrengend, weil man überhaupt erst mal einen Platz mit Panoramablick ergattern muss. Oft heisst es schon unten am Aufzug: «Sorry, we’re fully booked.» Reservieren empfiehlt sich, ist allerdings nicht überall möglich. Auch über den Wolken gilt in New York: Nur die Schnellsten überleben.

Dabei erlebt doch mancher Tourist schon zu Füssen der Hochhäuser einen städtebaulichen Kulturschock. Die Menschenströme bewegen sich unaufhaltsam durch die Hochhausschluchten, es gibt immer ein neues Ziel: das nächste Meeting, die nächste Yoga-Stunde, den nächsten Bio-Supermarkt. Wer nur mal eben stehen bleiben will, um einen Blick in den Stadtführer zu werfen (und das Übermass an Eindrücken zu verarbeiten), der hat schnell einen Ellbogen in der Seite. Autor Nathan Pyle, gebürtig aus Ohio, hat aus seinen schmerzhaften Erfahrungen einen Etikette-Bestseller gemacht. Darin schreibt er: «Welcome to New York, where the object of the game is ... Stay out of everyone’s way!»

Das mag auf den ersten Blick unhöflich klingen, aber am Ende des Tages haben im Sommer alle New Yorker – gebürtige wie zugereiste – das gleiche Ziel: die Dachterrassen-Bar. Insofern sei der arbeitenden Stadtbevölkerung ihr rabiater Pragmatismus verziehen. Die Rempler wollen möglichst schnell ihre Alltags-Agenda abarbeiten, um abheben zu können.

Es gibt wohl nichts Erhebenderes, und ja: Erhabeneres, als von einer Dachterrasse aus die Sonne hinter den Hochhäusern von Manhattan untergehen zu sehen. New York ist einem nie so fern und zugleich so nah wie von oben. Auf der richtigen Dachterrasse wird einem auf die beste Art weh ums Herz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2017, 10:29 Uhr

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