Eishockey in der Wüste

Las Vegas, das Eldorado für Glücksspieler, entdeckt seine sportliche Seite und investiert dafür Milliarden.

Heimat der Vegas Golden Knights: Das Eishockeystadion am Strip in Las Vegas. Foto: Keystone

Heimat der Vegas Golden Knights: Das Eishockeystadion am Strip in Las Vegas. Foto: Keystone

Als die Ampel auf Rot wechselt, gerät Meghan ins Erzählen. Es sei gerade ziemlich viel los hier in Las Vegas, sagt sie. Die Uber-Fahrerin ist Mitte 30, hat schulterlange, schwarze Haare, eine grosse, runde Brille mit dickem Rahmen und den Ansatz eines Doppelkinns. Meghan zeigt auf die Baukräne, die auf beiden Seiten des legendären Strips in den Himmel ragen. Hier entstehe gerade ein Football-Stadion, und das dort drüben, Meghan bewegt ihren ausgestreckten Arm etwas nach rechts, das sei die Eishockey-Arena, sagt sie. Sie sei 2016 fertig geworden, habe 375 Millionen Dollar gekostet und sei topmodern.

Las Vegas ist gegenwärtig daran, sich auch als Sportstadt zu etablieren. Wie so vieles zuvor schien auch dieses Vorhaben auf den ersten Blick ambitiös für eine Stadt in der Mojave-Wüste. Sport war in Las Vegas seit der Gründung 1905 quasi inexistent gewesen. Von Tradition kann keine Rede sein. Doch aktuell spielen die Vegas Golden Knights ihre zweite Saison in der NHL, der besten Eishockey-Liga der Welt. In ihrer ersten hatten sie es mit dem Zuger Luca Sbisa im Kader als neu gegründete Mannschaft gleich in den Stanley-Cup-Final geschafft. Das war vor ihnen erst zwei anderen Neulingen gelungen. «Die Euphorie in der Stadt war riesig», sagt Meghan. «Und jetzt kommt bald noch Football dazu.»

50 000 Saisonkarten im Nu weg

Im Herbst 2017 war der Spatenstich für das Las Vegas Stadium, eine Multifunktionsarena für Fussball und Football, deren Planung und Bau 1,8 Milliarden Dollar kosten wird. Sie entsteht neben dem Mandalay Bay Resort. Hausherren werden die Las Vegas Raiders sein, die von Oakland übersiedeln. Die gut 50 000 Saisonkarten waren innert weniger Stunden ausverkauft.

Wer sieht, welche Summen nur schon für den Sport ausgegeben werden, kommt zum Schluss, dass die Wirtschaft floriert: Las Vegas boomt. Das war vor zehn Jahren anders. Nach dem Konkurs der Lehman-Brothers-Investmentbank 2008 wurde eine globale Finanzkrise ausgelöst, die Las Vegas hart traf. Buchungen in den Luxushotels wurden zu Zehntausenden storniert. Las Vegas verzeichnete die höchste Konkursrate der USA. Das alles ist wieder vergessen. Keine andere amerikanische Stadt ist in den vergangenen Jahrzehnten so schnell gewachsen – von 460 000 Einwohnern im Jahr 1980 auf aktuell zwei Millionen.

Die Geschichte der organisierten Kriminalität

Rund 43 Millionen Menschen besuchen Las Vegas pro Jahr. Viele von ihnen kommen, um sich auf dem Strip zu vergnügen. Sie bewegen sich von einem Casino zum nächsten, um ihr Glück am Roulettetisch oder einer Slot-Maschine zu versuchen. Doch Las Vegas hat auch ganz andere Seiten. Das Mob Museum beispielsweise erzählt die Geschichte der organisierten Kriminalität in Las Vegas. Die Stadt war lange Zeit zentraler Angelpunkt für Alkoholschmuggel und illegales Glücksspiel in den USA. Auf einem Stockwerk lässt sich eine Gerichtsverhandlung nachspielen, und im Keller werden in einer klassischen Bootlegger-Bar zahlreiche Drinks serviert und Schnaps gebrannt.

Ein weiterer Ort, der einen spannenden Einblick in die Vergangenheit von Las Vegas gewährt, ist das Neon Museum. Fast 300 alte Leuchtreklamen sind auf diesem begehbaren Schrottplatz ausgestellt. Wenn es dunkel geworden ist, startet eine eindrückliche, von Musik begleitete Lichtshow. Uber-Fahrerin Meghan bewegt sich lieber abseits des Strips. «Es sind hier viel zu viele Autos unterwegs. Man kommt fast nicht vorwärts», sagt sie. In der Tat: Die gut drei Kilometer lange Fahrt von einem Hotel zum anderen dauert in Meghans silbrigem Dodge Caliber beinahe 20 Minuten.

Die Reise wurde unterstützt von Edelweiss und Las Vegas Tourismus.

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