Oman lockt als Ruheoase für Frauen

Das arabische Sultanat ist eine sichere und abwechslungsreiche Destination für weibliche Gäste – sofern sie sich auf Schnäppchenjagd nicht in teuren Shoppingmalls verirren.

Alleinreisende können sich selbst im Hadschar-Gebirge problemlos bewegen: Erholung pur im Luxushotel Alila Jabal Akhdar. Bild: PD

Alleinreisende können sich selbst im Hadschar-Gebirge problemlos bewegen: Erholung pur im Luxushotel Alila Jabal Akhdar. Bild: PD

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So langsam wird mir mulmig, als ich den Fahrer, der mich am Flughafen in Muscat hätte abholen müssen, nicht auf seinem Handy erreiche. Es ist fast Mitternacht, als ich die Einreiseformalitäten Omans hinter mir habe und in dem Gewusel von Menschen in der Ankunftshalle nach dem Chauffeur Ausschau halte. Der Omaner, der schliesslich mein Namensschild vor sich herumträgt, ist ein ganz anderer als der, den mein Reiseveranstalter angekündigt hatte.

Das macht mir durchaus Sorgen, weil ich weiss, dass ich mit dem Mann eine dreistündige Fahrt durch die Dunkelheit ins Gebirge von Jabal Akhdar vor mir habe. Ich stell ihm ein paar Testfragen zum Veranstalter, was darin endet, dass er mir sagt: «Don’t be afraid, Madam» – ich solle keine Angst haben. Also schäme ich mich ein bisschen und steige schweigend in den Fond des Geländewagens ein.

Ahmed setzt mich um 3 Uhr morgens unversehrt im Alila Jabal Akhdar ab, einem Luxushotel mit spektakulärem Blick auf das Hadschar-Gebirge. Im Verlauf der nächsten fünf Tage werde ich lernen, dass Frauen in Oman weniger Angst haben müssen, als wenn sie sich nachts um zwei Uhr am Hauptbahnhof von Zürich aufhalten würden.

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«Ich werde oft gefragt, ob Oman sicher sei für Frauen. Viele haben Vorurteile. Dabei können sich reisende Frauen absolut problemlos in unserem Land bewegen», sagt die Tourismusministerin des Sultanats, Maitha Saif Majid Al Mahrouqi. Sie trägt ein schönes beiges Kopftuch und bewegt sich dennoch mit der Bestimmtheit einer etablierten Chefin in den Räumlichkeiten des Ministeriums. Wer beobachtet, wie ihr der Assistent beinahe schon devot Dokumente vorlegt, der sieht sein Bild des Wüstenstaats für einen Moment infrage gestellt. Sind hier die Frauen wirklich gleichberechtigt mit den Männern? Das Nachbarland heisst immerhin ­Saudiarabien, und wie es dort um die Rechte der Frauen steht, ist bekannt.

Tourismusministerin Al Mahrouqi, die in Oxford studiert hat, sieht sich jedenfalls nicht benachteiligt. Sie argumentiert mit ihrer eigenen Karriere, aber auch mit dem fehlenden Schleierzwang und der Universitätsabschlussquote, die mittlerweile bei den Frauen höher ist als bei den Männern. Zudem fördere die Regierung mit einem Fonds das Unternehmertum. «Das kommt vor allem Frauen zugute, die so ihr Business, auch von zu Hause aus, aufziehen können», sagt die Mutter eines Sohnes. Frauen im Staatsdienst erhalten 50 Tage bezahlten Mutterschaftsurlaub. Sie können drei weitere Monate anfügen, in denen sie die Hälfte ihres Lohns erhalten.

Ja, Oman gehört mit Bahrain zu den fortschrittlicheren arabischen Ländern. Vollverschleierte Frauen sieht man wenig. Die Polygamie geht angeblich zurück, weil sich die Frauen mit Unterstützung ihrer Eltern zunehmend dagegen wehren, die zweite oder dritte Ehefrau eines verheirateten Mannes zu werden. Das moralische Gewissen können Touristinnen also ruhig zu Hause lassen und stattdessen Ruhe, Kultur, Strand und ein bisschen 1001-Nacht-Luxus geniessen.

«Ich kaufe meine Kleider nie hier vor Ort.» Sandra Leibrock

Einzige Voraussetzung für einen Besuch Omans ist ein halbwegs dickes Portemonnaie. Die Hotels sind, wie überall in den Emiraten, nicht die billigsten. Und Frauen jagen ja mitunter gern nach Schnäppchen. Das Sultanat gibt da wenig her. Eine Taxifahrt kostet so viel wie in Zürich, und wer sich in der Hauptstadt Muscat in eine Shoppingmall fahren lässt, der sollte es nicht mit dem Ziel tun, günstig zu schicken Kleidern zu kommen. Die Einkaufscenter sind qualitativ auch nicht mit denen von Dubai oder Doha zu vergleichen.

«Ich kaufe meine Kleider nie hier vor Ort», sagt etwa Sandra Leibrock. Die Deutsche – Sales- und Marketingmanagerin des Fünfsternhotels Shangri-La Al Husn Resort – arbeitet seit Jahren im Ausland. Oman ist das 14. Land, in dem sie sich niedergelassen hat. Und eines der angenehmsten, wie sie betont. «Männer getrauen sich hier nicht, eine Frau zu belästigen. Sollte es auffliegen, würden sie alles verlieren – ihre Position und den Besitz.»

Ein Glas Tee im Souk ist keine Anmache

Frauen können sich also ohne Bedenken allein in den berühmten Muttrah Souk stürzen, den bekanntesten Markt in der Hauptstadt. Das Flanieren und Feilschen in den engen Gassen Muscats macht viel mehr Spass als in den klimatisierten Shoppingtempeln – und ist erst noch viel günstiger. Klar offeriert der eine oder andere Ladenbesitzer mal ein Glas Tee. Aber das ist noch lange keine Anmache, sondern gehört zu den Gepflogenheiten im Souk.

Für den Apéro danach drängt sich etwa die Royal Opera auf. Oder der Innenhof des Shangri-La Al Husn Resort direkt am Meer. Wer sich in dem malerischen, mit Palmen bestückten Innenhof zum abendlichen Drink und den exquisiten Gratishäppchen niederlässt, hat keine weiteren Wünsche. Wenn dann die Streicherinnen mit ihren Geigen auch noch Mozarts kleine Nachtmusik spielen und der Blick an ihnen vorbei über den knallblauen Hotelpool zum dunkleren Meer dahinter gleitet, dann ist das omanische Märchen perfekt.

Direktflüge Zürich–Muscat mit Oman Air ab 799 Franken. 9-tägige Reise mit Airtours für 3900 Franken inklusive Reiseleitung buchbar. Die Reise wurde unterstützt von TUI Suisse (SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.10.2018, 17:30 Uhr

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