Der Riese kommt zurück

Die neuen Badeferienkataloge der grossen Reiseveranstalter sind da. Kuoni startet mit deutschem Schub zur Aufholjagd. Weiter im Trend: Spanien, Griechenland und Zypern.

Djerba: Das Interesse an der tunesischen Insel steigt wieder. Foto: DB

Djerba: Das Interesse an der tunesischen Insel steigt wieder. Foto: DB

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Jerez de la Frontera in Spanien, Chania im Westen Kretas, Paphos auf Zypern: drei Ziele, die Edelweiss in der Sommersaison 2018 neu anfliegen wird – und die von den Schweizer Badeferien-Veranstaltern prominent vermarktet werden. Die Destinationen (alle waren sie schon mal in den Flugplänen) liegen in jenen drei Ländern, die im vergangenen Sommer das Gros der Schweizer Badetouristen anlockten. Spanien, Griechenland und Zypern boomten, auch weil das Interesse an der Türkei schwand und Tunesien weiterhin ohne grössere Resonanz blieb.

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«Wir sehen aber nun einen Aufwärtstrend in Tunesien», sagt Tim Bachmann, bei Hotelplan Suisse für Badeferien zuständig. «Vor allem die Buchungszahlen für Djerba ziehen merklich an.»

Edelweiss führt in der Sommersaison 20 Prozent mehr Flüge durch zu Ferienzielen im Nah- und Mittelstreckenbereich als ein Jahr zuvor. Eine ähnliche Steigerung meldet Germania: Statt 13 wie 2017 bedient die deutsche Airline mit Schweizer Immatrikulation neu 18 Ziele – von Agadir in Marokko bis Zadar in Kroatien.

Intensives Bemühen um Familien

Edelweiss, Germania und Helvetic Airways füllen auch die Lücke, die Niki/Air Berlin in der hiesigen Ferienfliegerei hinterlassen hat. «Der Markt reguliert sich wie von selbst», sagt Martin Wittwer. «Während Air Berlin verschwindet, bauen Edelweiss und Germania aus.»

Dem TUI-Suisse-CEO macht die Konkurrenz durch reine Online­anbieter zu schaffen. «Wir können dagegenhalten, indem wir der Kundschaft einen Mehrwert bieten. «Bei TUI Suisse, dem Ableger des weltweit grössten Reisekonzerns, besteht dieser Mehrwert vor allem aus einem Sortiment eigener Hotels verschiedenster Brands – von Robinson Club über Riu bis Sensimar.

TUI bemüht sich intensiv um Familien. Der Veranstalter verbreitert das speziell für Kinder konzipierte Ausflugsprogramm an Strandzielen auf insgesamt 300 Touren. Am zugkräftigsten: die Törns «Pirates of TUI». Auch die Palette von Familienherbergen wächst: Allein in Griechenland eröffnen fünf neue TUI Best Family Hotels, auf Korfu, Kos und Rhodos sowie auf dem griechischen Festland.

TUI Suisse und Hotelplan Suisse hatten in den beiden letzten Jahren relativ leichtes Spiel im Schweizer Massengeschäft. Der frühere Branchenprimus Kuoni war mit internen Abbrucharbeiten beschäftigt und büsste Marktanteile ein. Seit der Übernahme durch die deutsche Rewe-Gruppe heisst Kuoni DER Touristik Schweiz. Deren CEO Dieter Zümpel bläst zur Aufholjagd. Wie bei TUI Suisse werden die beiden Schweizer DER-Touristik-Marken, Kuoni und ­Helvetic Tours, von einem gewaltigen Produktportfolio eines internationalen Reisegiganten genährt. Die Kuoni-Packages werden in Deutschland geschnürt, aber auf Schweizer Bedürfnisse abgestimmt.

Dieter Zümpel positioniert die Günstigmarke Helvetic Tours als «puren Familien- und Bade­ferienbrand». Neu schreibt Helvetic Tours die Preise online auch in Euro aus. Optisch deuten die Kataloge an, dass sich der Inhalt preislich nach unten orientiert. Die Broschüren sind geklammert statt geklebt. Dieter Zümpel: «Helvetic Tours, ein reines Pauschal­reisen-Produkt, soll uns wieder Relevanz im Badeferienmarkt bringen.»

High-End-Hotels und neue Destinationen

Grosse Pläne hegt der Statthalter von DER Touristik in der Schweiz auch für Kuoni, immer noch eine der bekanntesten Marken des Landes: «Eine Studie ergab, dass 73 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Kuoni als Reiseveranstalter identifizieren.»

Das Angebot an Reisen, das unter dem Kuoni-Logo firmiert, wird deutlich verbreitert, was auch für die Preisspanne gilt. Dieter Zümpel: «Die Palette der Kernmarke beginnt im gehobenen und endet im absoluten High-End-Segment.»

Nachdem Kuoni das herkömmliche Pauschalreisen-Geschäft vernachlässigt hatte, gibt es ein Revival. «Wir legen wieder viel Gewicht auf klassische Badeferien rund ums Mittelmeer», kündigt Zümpel an.

Einer der Trümpfe: das Luxushotel Ikos Dassia, das im Mai 2018 auf Korfu eröffnet wird. Und dass Kuoni auch Reisefreaks ins Boot holen will, die Massenziele scheuen, zeigt die Aufnahme der Azoren in den Katalog. Angeboten werden drei Inseln des portugiesischen Archipels weit draussen im Atlantik.


Hotelplan
TUI
Kuoni
Helvetic Tours
Edelweiss
Germania

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 01.12.2017, 16:11 Uhr

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