Auf dem Star-Wars-Sandplaneten

Die rotbraunen Dünen der Wüste Rub al-Khali in Abu Dhabi dienten als Kulisse für den Planeten Jakku in «Das Erwachen der Macht».

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Sie haben alle Spuren beseitigt: das gewaltige Wrack des am Rande eines ausgetrockneten Salzsees bruchgelandeten Raumschiffs demontiert, futuristische Sandgleiter mit Anti-Gravitations-Antrieb wieder verschwinden lassen und in Lastwagen abtransportiert. Auch die Kampfspuren sind beseitigt, die Roboter R2-D2, C3-PO und die kugelige rot-weisse Neuentwicklung BB-8 wieder mitgenommen, die imperialen Stormtrooper mitsamt ihren neuen Uniformen haben den geheimnisumwitterten Sandplaneten Jakku wieder verlassen.

Für ein paar Wochen haben die rotbraunen Dünen der Rub al-Khali und die staubtrockenen Salzseen im Emirat Abu Dhabi an der Grenze zu Saudiarabien die Kulisse für den Sandplaneten Jakku abgegeben. Hier, 200 Kilometer von Abu-Dhabi-Stadt entfernt, wurden viele Szenen für den letzten «Star-Wars»-Kinofilm «Das Erwachen der Macht» gedreht.

100 Millionen Kinofans auf Reisen

Für Abu Dhabi ist es ein Volltreffer, dass die Leute aus Hollywood nicht weit vom luxuriösen Wüsten-Hotel Qasr al-Sarab gedreht haben. Weil die Bilder dieser Dünen in alle Welt getragen wurden und weil es keine bessere Tourismuswerbung gibt als einen Film von diesem Kaliber. Weltweit werden, heisst es in Studien, 100 Millionen Reisen pro Jahr durchs Kino motiviert. Menschen lieben es, ihren Stars nachzureisen: Ob an die realen Drehorte oder an die Stätten der Handlung.

Warum das Team um «Star-Wars»-Erfinder George Lucas, Regisseur J.J.Abrams und Produzent Disney sich für diese Wüste, für Abu Dhabi entschieden hat, obwohl bislang in Tunesien gedreht wurde? Weil es anders aussehen sollte als auf dem bisherigen Sandplaneten Tatooine. Weil Jakku ein neuer Planet im «Star-Wars»-Universum ist. Weil diese Wüste mit über 200 Meter hohen Dünen so unfassbar schön wirkt. Und, nicht zuletzt, weil die Filmförderungsbehörde des Emirats jedem 30 Prozent der Produktionkosten erstattet, der hier dreht.

Wie das so lief mit den Stars, mit Daisy Ridley als Sandplaneten-Kriegerin Rey, mit John Boyega als Stormtrooper Finn? Ob die Helden nach den Drehs im Pool mit Dünenblick plantschten, wenn abends endlich alle Raumschiffe parkiert und die Kameras ausgeschaltet waren? Im Qasr al-Sarab folgt auf die Fragen bloss ein sehr freundliches Lächeln. Dabei ist es längst ein offenes Geheimnis, dass die Hollywood-Crew über Wochen im Wüsten-Resort einquartiert war. Doch Diskretion ist Trumpf.

Im Peugeot zum Sandplaneten

Als Paul Baker zum Sandplaneten Jakku durchstartete, brauchte er keinen X-Wing-Fighter. Ihm reichte für die Reise ans Ende des bekannten Universums sein in die Jahre gekommener weisser Peugeot. Baker leitet das Filmförderungs-Büro in Abu Dhabi, etwas mehr als zwei Stunden war er jedes Mal von seinem Büro in Abu Dhabi zum Drehort unterwegs.

Baker hat für Abu Dhabi bereits «Krieg der Sterne» an Land gezogen, «Das Bourne-Vermächtnis» mit Jeremy Renner und «Fast & Furious 7» mit Vin Diesel und Paul Walker. «Wissen Sie», sagt Baker, «das hier ist das Land der arabischen Geschichtenerzähler. Seit Jahrhunderten haben sie ihre Märchen am Lagerfeuer weitergegeben. Auf diesen Traditionen wollen wir aufbauen - und wir wissen, dass das Lagerfeuer von heute der Kinosaal ist.»

Was aus den eingelagerten Kulissen vom Sandplaneten Jakku werden soll? Inoffiziell werden sie eines Tages in der Nähe von Abu Dhabi wieder aufgestellt - als Touristenattraktion. Offiziell gibt es dazu keinen Kommentar.

Die Reise wurde unterstützt von der Tourism & Culture Authority Abu Dhabi.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2017, 07:40 Uhr

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