Auf Safari zum Retter werden

In einem Nashorn-Reservat in Kenia helfen Touristen mit beim Schutz der stark bedrohten Dickhäuter.

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«Das präventive Abschneiden des Horns ist keine Lösung», sagt Nashorn-Experte Dr. Felix Patton. Denn für die Wilderer habe selbst der Stumpf noch genügend Wert, um ein Tier zu töten. Der 66-jährige ehemalige Agrarwissenschaftler aus London und seine deutsche Partnerin Dr. Petra Campbell (52) arbeiten seit 15 Jahren ehrenamtlich im Solio-Reservat westlich des Mount-Kenya-Massivs. Sie überraschen die Gäste der Rhino Watch Lodge mit neuen Erkenntnissen und traurigen Wahrheiten zu den in Kenia heimischen Spitzmaul- und Breitmaulnashörnern.

Doch zuvor erleben die Gäste im fünf Minuten entfernten Solio eine exklusive Safari. Neben der weltgrössten Population an Breitmaulnashörnern leben auf dem 68 Quadratkilometer umfassenden Schutzgebiet Leoparden, Geparden, Büffel, Zebras, Giraffen, Antilopen und Löwen. Wobei Letztere laut Patton schon fast zur Plage werden und besonders den Bestand der Giraffen stark gefährden. Der Abschuss der von vielen Bauern als «Ratten Afrikas» bezeichneten Tiere sei jedoch keine Option, da die Jagd in Kenia seit 1977 verboten ist. Im Solio-Reservat gibt es keine Elefanten, darum lassen ungewöhnlich viele Akazien das mit einem Elektrozaun umgebene Gebiet wie eine aufwendig angelegte Parkanlage wirken.

Verbreiteter europäischer Mythos

Das mittlerweile 40-jährige Solio ist das erste Nashornaufzuchts- und -Schutzgebiet Kenias. Nachdem Jagd und Wilderei die Nashorn-Population in den 9oern drastisch reduzierten, konnte sich der Bestand im privat geschützten Reservat wieder erholen. Seit Bestehen des Reservats wurden 145 Nashörner in andere Reservate umgesiedelt, neun davon ins Ausland (Uganda und Malawi). Solio ist damit das Herz des Nashornschutzes in Kenia und wird grösstenteils von Touristen finanziert.

Nach dem in der Rhino Whatch Lodge servierten kenianischen Dinner mit Chapati-Fladenbrot, Erbsen-Curry und lokalem Tusker-Bier halten die Wissenschaftler den sogenannten Rhino Talk (hier ein PDF mit Fotos dazu). Die Gäste erfahren unter anderem, dass sie dem europäischen Mythos aufgesessen sind, Horn werde in asiatischen Ländern zur Potenzsteigerung verwendet. Vielmehr dient es in China als fiebersenkendes Heilmittel und im Jemen zur Herstellung zeremonieller Dolche.

Doch viel bedrohlicher sei der erst seit kurzem aufgedeckte Export nach Vietnam, sagt Felix Patton. Dabei werden vermeintliche Jagdtrophäen aus Südafrika legal exportiert und in Vietnam als neu aufgekommenes Status-Symbol beispielsweise gemahlen an Partys getrunken, um einem Kater vorzubeugen. Allein dass es nicht mehr viele Tiere gibt, macht das Material so begehrt. Das ist eine traurige Spirale.

Gemeinsamer Kampf gegen Wilderer

Bei der gemeinsamen Sichtung der von den Gästen gemachten Safari-Fotos erklärt Patton mit viel britischem Humor und zahlreichen Nashorn-Geschichten, dass Nashörner an ihren Augen- und Mundwinkeln identifiziert werden. Beim Löwen hingegen seien es die Schnurrbarthaarpunkte, die jeweils ein ganz eigenes Muster aufweisen. Mit den Bildern wird die Datenbank laufend aktualisiert, die seit 2006 ein wichtiges Instrument zum Schutz der Tiere darstellt. Denn der Park war und ist aufgrund seines grossen Nashornbestands immer wieder Ziel von Wilderern. Die Gäste werden somit zum Feldforscher und sensibilisiert für die Situation der Dickhäuter. Der Ökotourismus generiert damit nicht nur wichtige Arbeitsplätze, sondern trägt und ermöglicht das Rhino-Awareness-Projekt.

Artenschutz als Lebensaufgabe

Nachhaltiger Ökotourismus könne in Kenia wirklich etwas bewirken, ist auch Frank Wirth, Besitzer der Rhino Watch Lodge, überzeugt. Wobei hinter dem lukrativen Label Ökotourismus leider bisher nur wenige ernst zu nehmende Projekte steckten, wie beispielsweise der David Sheldrick Wildlife Trust. Die Familie Sheldrick betreibt in Nairobi die weltweit erfolgreichste Rettungsstation für Elefantenwaisen und wirkt aktiv im Elefantenschutz mit.

«Wird der Elfenbeinhandel nicht gestoppt, wird es in 15 Jahren keine Afrikanischen Elefanten mehr geben.» Dieses Horrorszenario stammt aus der Dokumentation «The Ivory Game» von Leonardo di Caprio über die Strukturen des weltweiten Elfenbeinhandels.

Frank Wirth hofft zwar, dass es nicht so weit kommt. Doch eine politische Lösung hält er kurzfristig für unwahrscheinlich. Zu korrupt und zu sehr in Traditionen verankert seien die zum Massentöten führenden Strukturen. Bis dahin funktioniere Artenschutz neben wichtigen Filmprojekten besonders im privaten Bereich. Und auf diese Projekte und Menschen müssen wir zählen, denn derzeit, so Wirt, «verlieren wir alle 15 Minuten einen Elefanten».


Die Reise wurde unterstützt vom Kenia Tourism Board, Magicalkenya.com (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2017, 11:14 Uhr

In Kenias Wildnis

Infos und Tipps

Anreise: Direktflug von Zürich nach Nairobi mit Swiss jeweils Freitag und Samstag. Anfahrt zur Lodge per Auto, um das kenianische Hochland zu entdecken.

Unterkunft: Rhino Watch Safari Lodge. Die im Familienbetrieb geführte Lodge mit kenianischer Küche, gemütlicher Bush-Bar und Spa-Bereich setzt auf nachhaltigen Ökotourismus und unterstützt neben dem Rhino-Awarness-Projekt auch umliegende Dörfer und ein Waisenhaus. Auf dem Hotelgelände können die Gäste im Rahmen des «Plant for the Planet»-Projekts einen Baum pflanzen. Mit 150 Franken pro Nacht eine preiswerte Unterkunft mit atemberaubendem Blick auf den Mount Kenia.

Ausflugstipps in Nairobi:


  • Elephant Orphanage. Während der Fütterungszeit von 11 bis 12 Uhr können die kleinen Elefanten von Nahem erlebt werden (Eintritt: 5 Franken). Für 25 Euro kann zudem eine Patenschaft übernommen werden.

  • Giraffe Centre. Eine naturschutzfachlich betreute Zuchteinrichtung für Rotschildgiraffen. Die Besucher können die Tiere auf Augenhöhe füttern (Eintritt: 10 Franken).

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