Wo Sex befeuert wird und Jesus tausend Tode stirbt

Die Themenparks der globalen Spassindustrie werden immer skurriler. Eine Übersicht.

Die Branche schreckt vor nichts zurück: Skulptur im Jeju-Love-Land. Fotos: PD

Die Branche schreckt vor nichts zurück: Skulptur im Jeju-Love-Land. Fotos: PD

Der österreichische Kaiser Joseph II., der 1766 den Prater schuf, würde sich die Augen reiben. Die Idee eines Freizeitparks hat zwar längst Schule gemacht, nur geht heute die Tendenz zu immer ausgefalleneren Belustigungen: Der weitgespannte Bogen reicht vom britischen Bagger-Paradies bis zum fernöstlichen Sexpark.

Zielgruppe sind nicht mehr nur Kinder, Jugendliche und Familien. «Jeder soll sich in seiner eigenen Welt wiederfinden», erklärt der Hamburger Forscher Ulrich Reinhardt, der sich seit Jahren mit dem Thema befasst. Die Menschen wollten möglichst viel in kurzer Zeit erleben, sagt der Wissenschaftler, seien auf der Suche nach der «perfekten Illusion». Das Motto dabei: «Entführt mich in meine Traumwelt, aber bringt mich zum Abendessen wieder nach Hause.»

Atmosphäre, Gestaltung und Geselligkeit

Spannend ist die Frage nach der Zukunft der Branche. «Attribute wie höher, schneller, weiter sind ausgereizt, weil wir bereits an die Grenzen des menschlichen Körpers stossen», räumt Forscher Reinhardt ein. Die ältere Generation sieht er als neue Zielgruppe, die Macher der Themenwelten müssten deswegen auf mehr Atmosphäre, Gestaltung und Geselligkeit setzen.

Auf dem Vormarsch sind sogenannte Brand Parks – Themenwelten, die mit bestimmten Marken und Produkten gekoppelt werden. Dass in der Welt der Freizeitparks nicht immer alles rundläuft, zeigen die Schwierigkeiten bei der einst im Emirat Ras-al-Kaimah angedachten Real-Madrid-Welt. Investoren wollten eine Insel im Meer aufschütten und Museum, Stadion und Vergnügungsareale bauen. Das Projekt wurde aufgegeben, als neuer Standort ist das nahe Dubai im Gespräch. Auch die Realisierung eines Napoleon-Parks bei Paris kommt nicht richtig in die Gänge. Und zuletzt stieg die CountrySängerin Dolly Parton, die im US-Bundesstaat Tennessee einen florierenden Freizeitpark betreibt, aus einem Projekt aus, bei dem die Gäste im Kunstschnee toben sollten.

Dass die Branche vor nichts zurückschreckt, zeigt ein Beispiel aus Finnland: Die neueste Errungenschaft im «Särkänniemi Adventure Park» ist die Themenwelt zu Ehren des Handyspiels «Angry Bird». Man steigt in die Schweine-Achterbahn, besucht die Vogelwelt und schleudert per Smartphone Vögel auf böse Schweine. «Im Spiel verraten wir, wessen Geistes Kind wir sind», wusste schon Ovid vor 2000 Jahren. Die SonntagsZeitung stellt die ungewöhnlichsten Freizeitparks auf dem Globus vor.

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