«Serpentinen findet er blöd»

Helge Sobik hat ein Buch übers Reisen mit dem Hund geschrieben – aus der Sicht seines Flatcoated Retrievers Hoover.

Abkühlung tut gut, aber Vorsicht: Zugluft kann zu Augenentzündungen führen. Foto: Getty Images

Abkühlung tut gut, aber Vorsicht: Zugluft kann zu Augenentzündungen führen. Foto: Getty Images

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Helge Sobik, 50, ist viel unterwegs, als Reisejournalist und als Herrchen von Hoover, 5, einem schwarzen Flatcoated Retriever. Die beiden wohnen nahe Lübeck im Norden Deutschlands und verbringen den Winter mit Vorliebe in einem Ferienhaus im Hinterland der spanischen Costa Blanca. Über ihre Erlebnisse von unterwegs hat Sobik ein Buch geschrieben.

Wer entscheidet, wohin die Reise geht, Sie oder Hoover?
Offiziell ich, aber eigentlich doch er. Weil ich mir überlege, wo es ihm gefallen könnte. Also: Natur, Schwimmgelegenheit und lieber Ferienhaus als Hotel, weil das mehr Platz und Privatsphäre bietet.

In welche Regionen zieht es Sie?
Den Winter verbringe ich gern in Spanien, weil es dort zwei Stunden länger hell ist als bei uns an der Ostsee. Da ich am liebsten mit Hoover reise, kommen alle Länder infrage, die mit dem Auto erreichbar sind. So sehr ich also Portugal liebe: Es ist zu weit weg.

Und Hoover, welches Ferienziel bevorzugt er?
Er möchte am liebsten dahin reisen, wo ich bin. Schon als Welpe war er stets gern dabei, er sitzt auch immer als Erster im Auto, damit er auch sicher nicht vergessen geht. Das nämlich ist seine Urangst.

Die Autofahrt von Norddeutschland an die Costa Blanca dauert 36 Stunden. Auch das ist wahnsinnig lang.
Auf dem Hinweg haben wir einmal, auf dem Rückweg viermal übernachtet. Wir sind gebummelt, haben beim Bauern Käse gekauft, uns treiben lassen. Alleine würde ich das nicht machen, aber zu zweit war das eine spannende Entdeckungsreise.

Was gilt es während der Fahrt mit dem Hund zu beachten?
Alle vier, spätestens fünf Stunden machen wir Pause. An einer Autobahnraststätte oder beim nächstbesten Wald. Dann gehen wir etwas spazieren, und Hoover bekommt Wasser. Genügend Wasser mitzunehmen, ist enorm wichtig! Einmal musste ich ihm von meinem Sprudelwasser geben, Hoover sprang einen Meter rückwärts und bellte den Napf wütend an.

Hoover reist mit einem Brustgeschirr auf dem Rücksitz angeschnallt – warum?
Weil ich in meiner Limousine keinen Platz für eine Box habe. Und weil wir es beide gut finden, nahe zusammen zu sein. Ich achte da­rauf, nicht zu sportlich zu fahren, Serpentinen findet Hoover blöd, das habe ich in den Pyrenäen merken müssen. Vermeintliche Ab­kürzungen durchs Gebirge wird es künftig keine mehr geben.

Darf Hoover die Schnauze aus dem Fenster halten?
Nur kurz, denn bei Zugluft ist die Gefahr einer Augenentzündung gross. Von Mitte Mai bis Mitte September unternehmen wir ohnehin keine langen Fahrten. Ich will Autoreisen im Sommer nicht verdammen, wichtig aber ist, dass die Klima­anlage funktioniert.

Wie willkommen waren Sie beide in den Hotels in Frankreich und Spanien?
Die Franzosen sind sehr hundefreundlich, begrüssten Hoover viel intensiver als mich. In Spanien ist es schwieriger, da wurden wir auch schon abgewiesen. Seither schaue ich immer online nach, ob Hunde willkommen sind. Grundsätzlich sind es nicht Regionen, sondern einzelne Menschen, die Hunde mögen oder nicht.

Wie viel kostet die Übernachtung für Hoover?
Ich finde, ein Zimmerzuschlag von zehn Euro ist angemessen. Ein Tier haart, das bedeutet mehr Putzaufwand. Aber der Aufschlag muss in Relation mit dem Zimmerpreis stehen: In Spanien zahlte ich einmal 20 Euro für Hoover, das Zimmer kostete 80. Das ist unverschämt.

Was verstehen Sie unter einem «hundefreundlichen» Hotel?
Wenn der Réceptionist hinter dem Empfangstresen hervorkommt, auch dem Hund Guten Tag sagt und ihn nicht wie einen Koffer behandelt.

Worauf gilt es beim Hotel noch zu achten?
Es sollte nicht im Stadtzentrum liegen, lieber im Dorf mit Spazier­wegen rundum. Ich bitte immer um ein Zimmer möglichst weit weg von Treppenhaus und Lift. Damit Hoover nicht so oft knurren muss, denn jedes Mal, wenn jemand vor dem Zimmer vorbeischlurft, knurrt er dunkel und böse. Personen knurrt er nicht an, er knurrt nur hinter der Tür – weil er seine Spielsachen beschützen will. Quasi: «Wehe, du nimmst mir mein Stoffschwein weg.» Ich fühl mich jedenfalls sehr sicher mit Hoover.

Womit muss das Zimmermädchen rechnen?
Er würde wohl gleich an ihr hochspringen, sie küssen und seine volle Begeisterung zeigen.

Gerade im Süden fürchtet sich mancher vor grossen, schwarzen Hunden. Wie nehmen sie den Leuten die Angst?
Das macht Hoover schon selber. Er strahlt eine Sanftmütigkeit aus, die schon etlichen Personen in meinem Umfeld die Angst vor Hunden genommen hat. Wir hatten jedenfalls noch nie Schwierigkeiten; vielleicht auch, weil Hoover so verschmitzt und fröhlich guckt?

Darf Hoover in den Speisesaal? Bekommt er vielleicht etwas vom Frühstücksbuffet?
Wenn möglich, nehme ich ihn nicht mit. Wenns nicht anders geht, liegt er im Restaurant unter dem Tisch, sodass ihn niemand bemerkt. Vom Buffet kriegt er nichts. Und ich bitte Freunde, ihm auch nichts vom Tisch zu geben.

Was nimmt er in die Ferien mit?
Er hat mehr Gepäck als ich: einen grossen Sack mit seinem Trockenfutter, eine Kiste Spielzeug mit den gerade liebsten Plüschtieren. Ne­ben dem rosa Schwein gibt er sich vor allem mit der Neopren-Schildkröte ab. Diese aus dem Wasser zu bergen, macht ihm grossen Spass. Das hat er im Instinkt. Der Flatcoated wurde für die Jagd eingesetzt, um angeschossene Enten aus dem Wasser zu holen.

Wie steht es mit Robidog- Säcklein?
Kackbeutel habe ich Hunderte dabei. Ich benutze sie überall ausser in Wäldern, wo auch die Wildschweine ihr Geschäft erledigen.

Es wird geraten, Kontakt zu einheimischen Hunden zu vermeiden. Darf Hoover Freundschaften knüpfen?
Da bin ich tatsächlich vorsichtig. Einmal wurde er in Spanien angegriffen und in die Nase gebissen. Ein Hund kam plötzlich aus dem Tor geschossen, Hoover war so perplex, dass er sich nicht mal gewehrt hat. Für solche Fälle habe ich immer ein Hautantibiotikum dabei.

Auch Hunde können sich einen Sonnenbrand holen, besonders ein heller Nasenspiegel ist gefährdet. Teilen Sie sich die Sonnencreme?
Nein, ich glaube, dass Hoover mit seinem schwarzen, langen Fell gut geschützt ist.

Auf welche Art Ferien verzichten Sie seinetwegen?
Mit Hoover würde ich keine Flugreisen unternehmen. Wenn er mit mir in der Kabine reisen könnte, würde ich es tun. Weil er aber seiner Grösse wegen in einer Kiste im Gepäckraum transportiert würde, müsste ich die Kontrolle zu sehr aus der Hand geben.

Ist der Zug eine Alternative zum Auto?
Für lange Strecken finde ich die Bahn unpraktisch, die Fahrpläne sind so eng getaktet, dass Hoover kaum rauskönnte, um sein Geschäft zu erledigen. Und wenn, dann nur in der Bahnhofshalle. Das wünscht sich niemand. Das ist Stress für alle.

An wen richtet sich Ihr eben erschienener Hunderoman «Vier Pfoten und drei Koffer»?
An alle, die sich unterhalten lassen wollen, ob Hundehalter oder nicht. Es ist ein heiterer Lesestoff, kein Lehrbuch, mehr Tatsachenbericht als Roman. Ich brauchte keine Fantasie, Hoover beschert mir täglich Anekdoten, ich muss sie nur aufschreiben.

Herrchen erzählt die Reiseerlebnisse aus Sicht des Hundes – wird Hoover nicht allzu sehr vermenschlicht?
Ich versuche, mich in ihn hineinzuversetzen, ihn genau zu beobachten und zu analysieren, um feinfühlig zu erschliessen, was er mir sagen will.

Hoover, so erfährt der Leser, darf mit Ihnen im Bett schlafen, «weil wir ein Rudel sind». Was sagt Ihre Partnerin dazu?
Wir haben extra ein breiteres Bett angeschafft, es hat also genug Platz für alle. Und in kalten Winternächten – die gibts auch in Spanien – ist es ganz angenehm und hilfreich, das Bett mit einem wärmenden 35-Kilo-Hund zu teilen.

Ist die nächste gemeinsame Reise schon geplant?
Zurzeit überlege ich mir vor allem, ob Hoover einen jüngeren Bruder bekommen soll. Zwei Hunde würden das Reisen zwar noch schwieriger machen ... aber egal.

Helge Sobik: Vier Pfoten und drei Koffer. Ein Hunderoman von unterwegs. Mariposa-Verlag, Berlin. 170 S., 19.90 Fr.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.05.2018, 18:15 Uhr

«Ich versuche, mich in ihn hineinzuversetzen, zu erschliessen, was er sagen will»: Helge Sobik mit Hoover.

Mit dem Hund auf Achse

Das gilt es zu beachten

Hund im Auto Der Hund soll ausreichend gesichert sein. Am besten eignen sich spezielle Transportboxen. Wichtig ist, dass das Tier frühzeitig an die Box gewöhnt wird. Es empfiehlt sich, den Hund etwa zwölf Stunden vor Abreise das letzte Mal zu füttern. Bei längeren Fahrten sollte er zwischendurch kleine Futterportionen bekommen. Geben Sie dem Hund bei einer Passfahrt etwas zu kauen, damit sich der Ohrendruck abbaut. Legen Sie regelmässig Pausen ein, damit sich das Tier bewegen und frisches Wasser trinken kann. Nehmen Sie eine Thermosflasche Trinkwasser sowie einen Napf mit, so sind Sie ungebunden. Besonders ältere, junge und trächtige Vierbeiner reagieren sehr empfindlich auf hohe Temperaturen. Im Sommer das Tier nie im parkierten Auto zurücklassen.

Hund im Flugzeug Meist ist die Anzahl der beförderten Tiere pro Flug limitiert, eine frühzeitige Buchung ist also von Vorteil. Es empfiehlt sich, wenn möglich einen Direktflug zu buchen. Das Mitfliegen in der Kabine ist nur für Hunde bis ca. 8 kg (inkl. Transportbehälter) möglich. Das Behältnis muss wasserdicht und luftdurchlässig sein, und es darf die übliche Handgepäckgrösse nicht übersteigen. Das Tier bleibt während des Fluges in der Tasche. Für Schutz- und Assistenzhunde gelten keine Beschränkungen. Sie reisen etwa bei der Swiss gebührenfrei in der Kabine und müssen nicht in einem Behälter untergebracht werden. Alle anderen schwereren Hunde werden in Flugboxen im Gepäck- bzw. Frachtraum befördert. Schreiben Sie auf die Aussenseite in mehreren Sprachen, dass es sich um ein lebendes Tier handelt. Markieren Sie, wo bei der Box oben ist. Eine persönliche Nachricht stellt eine Beziehung zum Flughafenpersonal her: «My name is Jack, I’m an old dog and I don’t hear very well. Please take good care of me.» Infos: www.iata.org

Hund im Zug Kleine Hunde bis 30 cm Schulterhöhe in Käfigen, Körben oder Taschen dürfen als Handgepäck gratis im Personen­wagen mitgeführt werden. Hunde über 30 cm Schulterhöhe zahlen den halben Preis 2. Klasse. Infos: www.sbb.ch

Allgemeine Infos: www.bvet.admin.ch

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