Reifenprüfung im Eiskanal

Leysin im Waadtland ist eine gute Winterdestination für Familien – auch dank des Rutschbahnenparks.

Rasantes Vergnügen für Wagemutige: Im Tobogganing Park von Leysin warten insgesamt drei Kilometer Bahnen. <nobr>Foto: José Crespo</nobr>

Rasantes Vergnügen für Wagemutige: Im Tobogganing Park von Leysin warten insgesamt drei Kilometer Bahnen. Foto: José Crespo

Yann Cherix@yanncherix

Vor mir eine eisige Rinne, die in die Tiefe stürzt. Und irgendwo über mir diese Stimme, die eindringlich fragt: Tu as compris? Hast du verstanden? Ich nicke geistesabwesend, positioniere mich noch einmal auf dem Gummireifen.

Die Instruktionen des Mannes im roten Skianzug sind einfach. Sobald man die Schanzenkante verlassen habe und in der Luft sei, müssen man den Reifen nach hinten abstossen, danach lande man ganz weich auf dem Luftkissen. C’est simple. Ganz einfach. Natürlich sollte ich alles falsch machen.

Dennoch. Nummer neun im Tobogganing Park von Leysin ist ein Höhepunkt. Die Bahn katapultiert Mutige mit 60 Stundenkilometern zehn Meter durch die Luft. Vor allem Väter und Teenies tun sich den Sprung an.

Ansonsten sind die Bahnen aus gestanztem Schnee so konzipiert, dass alle Familienmitglieder auf die Kosten kommen. Bahn 1 ist ein gradliniger Toboggan, französisch für Rutschbahn, der gemächlicheren Sorte. Bahn 3 hat eine 360-Grad-Kurve, die einem kurz die Sinne durcheinander­wirbelt, mehr aber nicht.

Eine einzigartige Rutschpartie vom Bobweltmeister

Seit 2012 sorgt der Park neben dem Sportzentrum von Leysin für zufriedene Familien. Walliser und Waadtländer Schulklassen haben die schweizweit einzigartige Rutschpartie längst für sich entdeckt. Bobweltmeister Silvio Giobellina hatte die Bahnen konzipiert und jedes Jahr erweitert. Mittlerweile darf auf insgesamt knapp drei Kilometern runtergerutscht werden, daneben gibts einen eisigen Spielplatz für die ganz Kleinen und ein Igludorf, in dem Moitié-Moitié-Fondue serviert wird. Natürlich begleitet von den besten Weissen aus dem ­nahen Aigle.

Der Tobogganing Park passt zum Anspruch von Leysin, sich vor allem auf Familien zu fokussieren. Dazu gehören auch preiswerte ­Pakete, die Übernachtung, Skipass und Transport beinhalten. Eine Woche im unprätentiösen Waadtländer Skiort gibts bereits ab 800 Franken. Vor allem die Lausanner lieben die nahe gelegene Sonnen­terrasse am Eingang des Rhonetals. Schweizerdeutsch ist auf den Skipisten und im Drehrestaurant Kuklos kaum zu hören.

In Bezug auf die Lage ist Leysin schwer zu schlagen

Vielleicht dürfte sich das nach diesem Winter ändern. Leysin, einer der zentralen Austragungsorte der Olympischen Spiele der Jugend, erhofft sich von den in diesen Tagen stattfindenden Wettkämpfen einen Schub. Der Freestyle Park genügt nun internationalen Ansprüchen, die teilweise veralteten Sessellifte sollen in den nächsten Jahren erneuert werden, um die vielen blauen Pisten, perfekt für Anfänger und Kinder, besser zu erschliessen.

Dynamik bräuchte es aber vor allem im Hotelsektor. Auch wenn Leysin viele, hübsche Ferienwohnungen anbietet, das Niveau der Hotels genügt nicht. Wellness, das Zauberwort der letzten Jahre, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Walliser Destinationen wie Zermatt oder Crans-Montana sind viel weiter.

Dabei ist Leysin in Bezug auf die Lage schwer zu schlagen. Gut geschützt vor den Nordwinden schmiegt sich ein Hochplateau auf 1200 Meter über Meer an die Flanken des Berneuse. Wer diesen Berg erobert, wird mit einem Blick auf den geknickten Genfersee belohnt.

Der Geist des Kurorts ist fast verschwunden

Bereits im 19. Jahrhundert wussten die geplagten Menschen aus dem Tiefland diese besondere Ecke in den Alpen zu schätzen. Wer an Tuberkulose, Rheuma oder anderen Gebrechen litt, wurde zur Genesung ins sonnige Leysin gesandt. In den 1940er-Jahren hatte das Dorf noch über 80 Sanatorien.

Vom Geist des Kurorts ist nicht mehr viel übrig geblieben. In den Bauten aus jener Zeit sind heute internationale Schulen untergebracht. Geblieben ist aber die Sonne. Sie scheint in Leysin pro Saison während 70 Tagen.

So war es denn auch eine herrliche Wintersonne, die meinen missglückten Sprung über die Schanze beleuchtet hatte. In diesem Lichte betrachtet, schien der Flug mit dem Gummireifen doch nicht so schlecht zu sein. Auf jeden Fall ging es danach noch einmal rauf. Für einen zweiten, besseren Versuch.


Die Reise wurde unterstützt von Waadtland Tourismus. www.aigle-leysin-lesmosses.ch; www.tele-leysin-mosses.ch

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