Golfen bis zum Umfallen

Mauritius hat sich dank Traumplätzen, perfektem Klima und geschicktem Marketing zur Topdestination für Golfer entwickelt.

Das Loch ruft: Putten im Tamarina Golfclub. Foto: Getty Images

Das Loch ruft: Putten im Tamarina Golfclub. Foto: Getty Images

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Paul hat längst herausgefunden, wie er auf Mauritius am besten zu stresslosen Golfrunden kommt. Der Handicap-4-Spieler aus dem Thurgau steht in den Ferien kurz nach Sonnenaufgang am ersten Abschlag. Weil die meisten Touristen noch schlafen, gehört der Legend-Parcours gleich neben dem Resort Belle Mare Plage jetzt praktisch ihm. So kann der Unternehmer zügig vorwärtsspielen, muss nicht immer warten, bis die vor ihm endlich abgeschlagen haben oder im Gebüsch Bälle von Mitspielern suchen. Und schon gegen 10 Uhr ist Paul wieder zurück von seiner 18-Loch-Runde – rechtzeitig, um sich am riesigen Frühstücksbuffet gütlich zu tun, bevor es an den Strand geht.

Die 2040 Quadratkilometer grosse Insel im Indischen Ozean ist bekannt für Dodo, den ausgestorbenen Vogel, der nicht fliegen konnte, für die Briefmarke blaue Mauritius, für Luxusresorts und Traumferien an Postkartenstränden. Immer mehr entwickelt sich die Vulkaninsel aber auch zu einer bevorzugten Golfdestination. Die Sportart wird gezielt gefördert, um zahlungskräftige Klientel anzulocken. Für die Gäste des 2016 aufwendig renovierten Belle Mare Plage und des noch exklusiveren Schwesterhotels Le Prince Maurice stehen zwei 18-Loch-Anlagen bereit, die selbst der weit gereiste Zürcher Profi André Bossert als «Superkurse» bezeichnet. Eine dritte soll bald folgen.

«Golf wird für die Insel immer wichtiger», sagt Sébastien Pilot, Golfdirektor des Resorts. Mehr als die Hälfte der Gäste spielen Golf. Auf den beiden 18-Loch-Plätzen Links und Legend werden jährlich über 30 000 Runden absolviert, im Durchschnitt über 80 pro Tag. Dank dem ausgeglichenen Klima kann das ganze Jahr über eingelocht werden. «Das Wetter in Mauritius ist perfekt für Golf. Selbst in unseren Wintermonaten Juni, Juli und August ist es tagsüber 25 Grad Celsius warm», sagt Pilot. Die Mehrheit der Golfer stammt aus Deutschland, Frankreich und Grossbritannien, auch Italiener, Schweizer und Schweden seien häufig anzutreffen, dazu einige Südafrikaner.

Golfen im Hotelpreis drin

Das Besondere: Die Spielgebühr, im Jargon Greenfee, ist hier im Hotelpreis inbegriffen – à discrétion. Jeder kann spielen, so oft er will. Das freut auch Paul. Denn sonst müsste er 5600 mauritische Rupien, 160 Franken, zahlen – pro Runde. Da er von seinem Sport nie genug bekommt und manchmal nachmittags ein zweites Mal abschlägt, gelegentlich auch mit seiner Frau, werden nach zwei Wochen 16 Golfrunden hinter ihm liegen.

Einige Golfplätze der Insel gehören zu den schönsten der Welt. Der Legend-Parcours gilt als mythisch und ist der berühmteste: Auf dem 1994 eröffneten und 2016 überarbeiteten Kurs wurde früher gejagt, noch immer ziehen 80 Hirsche ihre Kreise, unbeeindruckt von den Eindringlingen. Hier findet jedes Jahr das Saisonfinale der europäischen Seniorentour statt, dann schlagen auch Grössen wie Colin Montgomerie oder Costantino Rocca ab. Der Engländer Barry Lane schwärmt nach seinem Sieg im Dezember: «Ich komme seit 20 Jahren nach Mauritius und werde immer zurückkommen. Es gibt nichts Besseres.» Lane nennt die Trümpfe: «Die Hotels sind fantastisch, die Angestellten zuvorkommend und die Plätze hervorragend.» Auf der Insel, auf der 1,3 Millionen Menschen verschiedener Religionen und Ethnien friedlich zusammenleben und fast alle auch Französisch sprechen, haben sich zwei Golfzentren gebildet. Im Südwesten liegen die zwei Topanlagen Paradis Golf Club, dessen Bahnen sich unterhalb des 556 Meter hohen Berges Le Morne Brabant über eine Halbinsel schlängeln, sowie der Golf du Château de Bel Ombre, eingebettet in eine Zuckerrohrplantage. Etwas weiter nordwestlich kam 2006 ein weiterer hochwertiger Kurs dazu, der Tamarina Golf, Spa und Beach Club. Er liegt an einer Bucht, in der Touristen mit Delfinen schwimmen können.

Wo Stéphanie von Monaco anzutreffen ist

Das zweite Golfzentrum findet sich an der Ostküste. Nur eine halbe Fahrstunde südlich von Belle Mare, wo auch VIP wie der frühere Spitzenfussballer und Uefa-Präsident Michel Platini auf den Fairways anzutreffen sind und Stéphanie von Monaco ein Ferienhaus besitzt, locken zwei weitere spektakuläre, höchst unterschiedliche Anlagen zum Abschlag. Der 2002 vom Deutschen Bernhard Langer entworfene Ile aux Cerfs Golf Club (auch Tousserok genannt) liegt auf der gleichnamigen Insel und ist nur per Boot erreichbar. Der Platz beinhaltet neun Seen und wird von weissen Stränden flankiert, auf denen Einheimische mit Touristen Grillfeste veranstalten, während Golfer versuchen, möglichst wenig Bälle zu verlieren. Der Platz war für seinen extremen Schwierigkeitsgrad berüchtigt, wurde inzwischen aber vereinfacht. Er gilt selbst bei verwöhnten Golfern als einer der schönsten Plätze der Welt.

2008 entstand auf dem Festland und in Sichtweite der Ile aux Cerfs der Four Seasons Golf Club at Anahita. Der von der südafrikanischen Grösse Ernie Els konzipierte Parcours besticht durch seine Grosszügigkeit und Übersichtlichkeit und gibt immer wieder herrliche Ausblicke auf den Indischen Ozean frei. Auch diese beiden Anlagen gehören zu zwei Luxushotels, dem Four Seasons Resort und dem Anahita Golf & Spa Resort. Wer in Letzterem residiert, kann beide Plätze kostenlos bespielen, Bootsfahrt auf die Insel und 55 Übungsbälle inklusive. Die Greenfee-Gebühren wären mit gegen 200 Franken pro Runde noch teurer als in Belle Mare. Auch hier sind 60 Prozent der Gäste Golfer.

Ältester Platz der südlichen Hemisphäre

«Es gibt zwischen den Resorts und Plätzen auf Mauritius eine gesunde Rivalität», sagt Belle-Mare-Direktor Pilot. «Aber wir arbeiten auch oft zusammen und helfen uns gegenseitig. Denn Golfer wollen auf allen Plätzen spielen, und hier an der Ostküste haben sie vier Spitzenanlagen innerhalb von 30 Fahrminuten.» Die Region wird denn auch als «Golf Coast» vermarktet.

Den speziellsten Golfplatz von Mauritius findet man im Landesinnern. Es ist der Gymkhana Club, der schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die damals herrschenden Briten angelegt wurde und als ältester Platz der südlichen Hemisphäre gilt. Hier fand in den 1960er-Jahren ein höchst aussergewöhnliches Turnier statt: Alle Teilnehmer durften nur drei Schläger mit auf die Runde nehmen und mussten schon vor dem ersten Abschlag einen stark alkoholhaltigen Drink namens Mills Bomb kippen. Weitere folgten an den Löchern 5, 10, 15 und 18. Sofern die Golfer überhaupt so weit kamen. Denn immer wieder mussten Teilnehmer abtransportiert werden – mit den bereitstehenden Schubkarren.


Die Reise wurde teilweise unterstützt von Constance Hotels and Resorts und Anahita, The Resort, Mauritius. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 28.09.2017, 11:33 Uhr

Tipps und Infos: Vom Abflug bis zum Abschlag

Anreise
Edelweiss fliegt am Dienstag und Freitag direkt nach Mauritius (Nachtflug), Rückflüge am Mittwoch und Samstag (Tagesflüge).

Unterkunft
Constance Belle Mare Plage, Poste de Flacq.
Anahita, The Resort, Beau Champ.

Schweizer Veranstalter von Golfreisen nach Mauritius
www.alphagolf.ch, www.golfandtravel.ch, www.greengolf.ch
Golf auf Mauritius

Beschriebene Golfplätze
The Links Golf Course, beim Hotel Belle Mare Plage;
The Legend Golf Course, ebenfalls beim Hotel Belle Mare Plage;
Ile Aux Cerfs Golf Club, Trou d’Eau Douce;
Four Seasons Golf Club Mauritius at Anahita;
Heritage Golf Club, Bel Ombre;
Tamarina Golfclub, Tamarine Bay;
Paradis Golf Club, Le Morne Peninsula.

Handicap
Viele der Clubs verlangen keinen Nachweis, aber gute Regelkenntnisse.

Allgemeine Infos
Mauritius-Tourismus

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