Eldorado fürs Velo

450 Kilometer auf dem Fahrrad in nur zehn Tagen – Norwegen erweist sich als perfekte Destination für die Kombination von Bistro-Bus und E-Bike.

Ob am Ende der Tour ein kühles Bier auf die Cyclisten wartet? Falls ja, wird es wie immer in Norwegen wohl nicht ganz günstig sein. Foto: Irmgard Lehmann

Ob am Ende der Tour ein kühles Bier auf die Cyclisten wartet? Falls ja, wird es wie immer in Norwegen wohl nicht ganz günstig sein. Foto: Irmgard Lehmann

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Es soll noch einer von dauerhaft schlechtem Wetter in Skandinavien erzählen. Zehn Tage sind wir in Norwegen unterwegs, und nur ein einziges Mal prasselt Regen auf uns herunter. Edelline, ein Carunternehmen der etwas anderen Art, brachte 20?Gäste nach Kiel, von wo aus wir über Nacht mit der Fähre nach Oslo reisten. Noch am Tag der Ankunft steigen wir auf die mitgebrachten Elektrobikes und fahren dem Seljordsee entlang. Eine erste Kostprobe, die erahnen lässt, in welches Eldorado wir eintauchen.

Wir sind hauptsächlich mit E-Bikes unterwegs, ein paar in der Gruppe verzichten aber auf Elektropower und fahren normale Velos. Die Route führt der Südküste, der «norwegischen Riviera» entlang, hinauf bis Bergen. Aufgeteilt in drei Gruppen durchqueren wir die Provinz Telemark, eine grandiose Landschaft mit unzähligen, lang gestreckten Seen und imposanten Wasserfällen. Wir radeln durch das urchige, tief eingeschnittene Setes-Tal, fahren durch endlose Wälder und entlang prächtiger Fjorde. Die Tagesstrecken variieren. Mal bewältigen wir bloss 30 Kilometer, teilweise sind es deutlich mehr. Erstaunt stellt eine Bikerin fest: «Heute sind wir 80 Kilometer gefahren und haben nur fünf Autos gekreuzt.»

Viele fitte Senioren

Für die Ungeübteren ist unsere Königsetappe eine echte Herausforderung: 90 Kilometer auf Schotterstrassen über ein leicht hügeliges Hochplateau. Den E-Bike-Neulingen fehlt der Mut, um dem energischen, berndeutschen Ruf des Gruppenleiters Urs Blatter zu folgen: «Laas la chute!» Auch wer sich fürs Schieben entscheidet und absteigt, leistet Schwerarbeit. Ein E-Bike wiegt locker 25 Kilos. Trotz einiger Stürze und Schürfungen auf dem losen Gestein bleibt die Stimmung wolkenfrei: «Niemals habe ich gedacht, dass Norwegen so schön sein kann», meint Manfred, der sich die Reise zum 60. Geburtstag geschenkt hat. Die meisten Teilnehmer sind fitte Senioren, zum Teil sehr geübte E-Biker.

Insgesamt legen wir 450 Kilometer zurück. Meist fährt der Bus die Zweiradtouristen von der Unterkunft an den Ausgangsort der Tagestour, und er steht am Ende der Strecke für den Transport ins Hotel wieder da. Chauffeur Jörg Thomann und der Reiseleiter verladen die Velos in den Anhänger, wir nehmen gemütlich Platz im Luxusbus. Zweifelsohne ein bequemes Reisen, gerade im wenig bevölkerten Norwegen. Die typisch nordischen Holzhäuser, weinrot und safrangelb, stehen wie Farbtupfer in der Landschaft. Beizen, wo man einfach absteigen kann, fehlen allerdings entlang der Route. Darum führt der Car auch gleich die halbe Küche mit. Norwegenkenner Thomann findet stets idyllische Picknickplätze, um den Grillherd in Betrieb zu setzen.

Übernachtung auf Luxusfähren

Das Reisen im Bistrobus hat hohen Genusswert. Im Oberdeck herrscht Ruhe, Musik ertönt nur über Kopfhörer. Und ins Unterdeck steigen die Gäste dann, wenn es sie nach Austausch, Essen und Trinken oder einem währschaften Jass gelüstet. Der Deutschfreiburger Chris­toph Bührer arbeitete früher für grosse Busunternehmen, vor sechs Jahren gründete er Edelline und besetzte das absolute Topsegment im Schweizer Busreisenmarkt. Die feudal und praktisch ausgestatteten Busse ermöglichen den Passagieren die Reise in sehr entspannter Ambiance. Mittlerweile zählt die Flotte drei solcher Bistrobusse: «Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung des Geschäfts», sagt Bührer, der den Firmensitz kürzlich von Kerzers nach Murten verlegte. Er achte darauf, den Gästen das Bestmögliche zu garantieren. So erleben wir die Nordsee auf den nächtlichen Überfahrten – von Kiel bis Oslo und von Bergen zurück nach Dänemark – auf Luxusfähren, in Kabinen auf dem obersten Deck mit Meeresblick.

Das Fjordland, die Seele Norwegens, erleben wir am Tag auf den regionalen Fähren in Richtung Bergen. Wie Finger dringen die Fjorde weit ins Landesinnnere vor, verästeln sich in enge Seitenarme, oft flankiert von Felswänden. An einer Bucht liegt Bergen, die zweitgrösste Stadt Norwegens. Die Westküste profitiert wegen des warmen Golfstroms von einem milden Klima: «Darum haben wir hier in Bergen auch wenig Schnee», erklärt Stadtführerin Angela Kurths. Sie lotst uns durchs Viertel Bryggen, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört: «Die Hanseaten haben hier vom 14. bis zum 18.?Jahrhundert regen Handel betrieben.» Sie erzählt vom berühmten Sohn der Stadt, dem Komponisten Edward Grieg, und schwärmt vom beliebten König Harald: Auf den Fischmarkt gehe er ohne Bodyguard und werde dabei oft gar nicht erkannt.

Im Restaurant kaum Einheimische

Warum aber ist hier alles so teuer? Wir bezahlen auf der Reise für ein Bier bis zu 15?Franken. «Weil das Land fast keine Agrarwirtschaft hat und alles importiert werden muss», erklärt Angela. Teuer sei das Leben auch für die Einheimischen: «Sie können sich das Essen im Restaurant kaum leisten», sagt sie. Dort seien fast nur Touristen anzutreffen. In der Saison hielten sich in Bergen bis zu 20'000?Besucher pro Tag auf, grösstenteils von Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt.

Norwegen hat knapp 5?Millionen Einwohner, wovon drei Viertel in Städten leben. Das Land ist reich an Erdöl und steht mit der Förderung weltweit an dritter Stelle – doch die Bestände reduzieren sich. Damit der hohe Lebensstandard und das Sozialwerk auch künftig abgesichert sind, hat der Staat einen Ölfonds eingerichtet. In diesen fliessen 95?Prozent der Ölförderungsgelder. Von den Segnungen Norwegens haben wir auf der Reise viel erfahren. Und wie sagte einer der Biker: «Zum Glück ist der Mensch zum Reisen verurteilt.»

Die Reise wurde unterstützt von Edelline. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.05.2015, 17:05 Uhr

Europas beste E-Biker-Routen

Von Christian Schreiber

Elektrovelos werden immer beliebter. Kein Wunder, dass die Touristikbranche auf die Bedürfnisse der Pedaleure reagiert, die ein Zweirad mit Motor am Gestänge pilotieren. Eine Auswahl beliebter E-Bike-Regionen Mitteleuropas.

Schweiz

Ober- und Unterengadin gelten als Topdestinationen für E-Biker. In der Umgebung von Schuls und Samnaun sowie im Val Müstair findet sich ein Dutzend Miet- und Ladestationen; auch St. Moritz, Samedan und Pontresina sind gut aufgestellt. Anfänger rollen gemütlich neben dem Inn oder nutzen die Wege entlang der Oberengadiner Seen. Mit dem E-Mountainbike kann man sich an die Trails an Corvatsch und Corviglia wagen. www.engadin.com, www.engadin.stmoritz.ch

Die Käseroute im Emmental geniesst Kultstatus unter E-Bikern. Per App können sie sich zwischen Langnau und Burgdorf von Käserei zu Käserei navigieren. Am Wegesrand warten mehrere Mietstationen, zahlreiche Gastrobetriebe bieten Lademöglichkeiten. Fürs benachbarte Entlebuch existiert ein eigener E-Bike-Prospekt mit Tourenvorschlägen, wo ­Servicestationen eingezeichnet sind.

www.emmental.ch, www.kaeseroute.ch, www.entlebuch.ch

Italien

Beim berühmten Bikefestival in Riva am Gardasee gibt es einen Marathon für Elektrovelos. Die Hardcoreanstiege an Monte Tremalzo und Monte Baldo sind nichts für E-Biker, aber die Ponalestrasse und das Terrain rund um den Ledrosee eignen sich perfekt für die Kombination Muskelkraft und Elektroschub.

www.lagodigardaveneto.com

Einige Regionen in Südtirol haben sich frühzeitig auf E-Biker spezialisiert. Das weite Plateau der Seiseralm ist ideal für Einsteiger, die Sellaronda in den Dolomiten gut mit den elektrischen Flitzern machbar. Als E-Bike-Paradies entpuppt sich das Pustertal mit zwei Dutzend Ladestationen zwischen Mühlbach und Sexten.

www.suedtirol.info

Österreich

Das Tiroler Unterland, östlich von Innsbruck, vermarktet sich selbstbewusst als «weltweit grösste E-Bike-Region», wobei die Zahlen in der Tat beeindruckend sind: Entlang 1000 Kilometer vernetzter Velowege zwischen Kitzbüheler Alpen und Kaisergebirge profitieren Feriengäste von 89 Vermietern, die mehr als 330 E-Bikes bereithalten. Akkus tauscht man an 77 Stationen, bei Pannen helfen 7 Veloservicegeschäfte weiter. Im Kaiserwinkel und in der Region Hohe Salve locken Pauschalen (Übernachtung inklusive E-Bike-Miete) und geführte Touren, und in Kitzbühel organisieren zwei ehemalige Radprofis jeden Montag und Mittwoch gemeinsame Ausflüge.

www.e-bikewelt.com

Deutschland

In der Fränkischen Schweiz (Bayern) schnürt man verschiedene Packages. Die Arrangements reichen von der Pauschale mit zwei Übernachtungen für 71 Euro pro Person bis zur einwöchigen Tour mit Gepäcktransport, Unterkunft und Lunchpaket (499 Euro). Zudem wurde ein E-Bike-Magazin aufgelegt, das zehn Touren beschreibt, Service- und Ladestationen inklusive.

www.fraenkische-schweiz.com

Um das autoverrückte Stuttgart zieht sich eine der besten E-Bike-Runden Deutschlands. Die Hauptroute verläuft um die schwäbische Hauptstadt, Nebenstrecken zweigen ab. Das gesamte E-Bike-Wegnetz summiert sich auf 400 Kilometer. Knapp 50 Mietstationen offerieren mehr als 200 Elektrovelos, die an 100 Stationen (Gasthäuser, Sportgeschäfte) frischen Saft beziehen.

www.e-bike-region-stuttgart.de

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Tipps und Infos

Mit dem E-Bike durch Norwegen

Edelline: Das Carunternehmen bietet pro Jahr über 60?Reisen an. Edelline setzt insgesamt drei Bistrobusse ein, in denen sich die Passagiere auf den längeren An- und Rückreisen zeitsparend verpflegen können.

Veloreisen: Für das Jahr 2015 sind vier Reisen geplant:

28.?Mai – 5.?Juni, Ostfriesland 19.–27.?Juni, Jütland 7.–14.?August, Ijsselmeer mit Amsterdam 1.–5.?September, Piemont

Im Anhänger führt der Bus konventionelle Velos und E-Bikes der Teilnehmer mit, bei Bedarf können E-Bikes auch beim Veranstalter gemietet werden.

Norwegen: Nach Südnorwegen fährt Edelline im Spätsommer, dieses Jahr jedoch ohne Veloprogramm. «Naturschauspiele und Traumstrassen»: 23.?August – 2.?September, 6.–16.?September.

Allgemeine Infos: Edelline AG, Bernstrasse 23, 3280 Murten, Tel. 026 672 33 88, www.edelline.ch

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