40 Viertausender im Blick

Das Wintersportgebiet Lauchernalp im Lötschental gilt immer noch als Geheimtipp. Die Aussichten auf das Gipfelpanorama sind ebenso atemberaubend wie die Möglichkeiten für Skifahrer.

Siesta vor grandioser Kulisse auf der Gandegg im Lötschental. Foto: Beat Eichenberger

Siesta vor grandioser Kulisse auf der Gandegg im Lötschental. Foto: Beat Eichenberger

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Dem Hoch- und Übermut der Älpler haben wir es zu verdanken, dass zur Strafe die einst prächtigen Alpweiden des Petersgrats heute von ewigem Eis bedeckt sind. So jedenfalls will es die Sage. Freeridern und Tourenfahrern kommt die Veränderung durchaus gelegen. Der 3200 Meter hohe Bergrücken gilt als beliebter Ausgangspunkt für Varianten in offenem Gelände. Sie enden 1500 Meter tiefer zwischen Blatten und der Fafler­alp im Walliser Lötschental. Drei Stunden dauert der Aufstieg vom Skigebiet der Lauchernalp östlich auf den im Unesco-Welterbe der Berner Alpen gelegenen Petersgrat – ein verkraftbarer Aufwand. Ebenso beliebt ist im Frühling die Skitour vom Jungfraujoch über die Lötschenlücke nach Blatten.

Das von Gampel aus nordöstlich in die Alpenkette eingefräste Lötschental ist touristisch ein Spätzünder. Zwar tummelten sich auch hier zu Zeiten der britischen Bergentdecker Mitte des 19. Jahrhunderts einige verwegene Alpinisten. Aber erst die Eröffnung des Eisenbahntunnels durch den Lötschberg im Jahr 1913 und die Station Goppenstein am Taleingang brachten mehr Besucher. Der Ausbau der Strasse war unter den Einheimischen aber nicht unumstritten: «Die Strasse bringt nur Bettler und die Post Schuldenbriefe», zitieren historische Schriften kritische Stimmen. Lange Zeit stand im Lötschental der Sommertourismus klar im Vordergrund, bis in den 1960er-Jahren erste Liftanlagen von Kippel auf die Hockenalp entstanden. Diese aber sind heute längst wieder abgebaut.

55 Kilometer Skipiste

«Der Durchbruch erfolgte 1972 dank der Luftseilbahn von Wiler auf die Lauchern­alp und der weiteren Anlagen bis hoch auf die Gandegg», erzählt Adrian Schnyder, Geschäftsführer von Lötschental Marketing. 2003 positionierte die neue Gletscherbahn auf den 3111 Meter hohen Hockenhorngrat das Lötschental neu: Nach Zermatt, Saas-Fee, Verbier, St. Moritz, Saas-Grund und Belalp ist die Lauchernalp das siebthöchste Schneesportgebiet der Schweiz. Der Ausblick vom Hockenhorngrat lässt den Atem stocken: direkt gegenüber, auf der anderen Talseite, das dominante Bietschhorn, dahinter die sich endlos westwärts ziehende Gipfelkette vom Dom über das Matterhorn bis zum Mont Blanc. Vierzig Viertausender auf einen Blick verspricht der Werbetext, doch zum Nachzählen verbleibt keine Zeit: Ungeduldig wie scharrende Pferde vor dem Ausritt rüsten sich die Skifahrer und Snowboarder für die Abfahrt.

Obwohl mit bescheidenen sechs Anlagen ausgerüstet, ist das Skigebiet der Lauchernalp überraschend vielseitig und sportlicher als erwartet. Aus der Höhendifferenz des erschlossenen Skigeländes von über 1100 Metern resultieren lange, zum Teil recht steile und hervorragend gepflegte Pisten. Ihre Gesamtlänge beträgt 55 Kilometer. Sie schlängeln sich in der abwechslungsreichen Topografie des breiten Südhangs über Kuppen und durch Mulden und sorgen für grossen Fahrspass. Unten auf der Sonnenterrasse von Lauchernalp-Stafel, wo auf diese Saison hin ein neuer Sechser-Sessellift in Betrieb genommen wurde, kommen Anfänger und Kids auf die Kosten.

Könner und Geniesser carven derweil oben am Hockenhorngrat auf ewigem Schnee und profitieren bis hinunter zum Märwig-Lift auf 2400 Metern über Meer von griffigen Naturschneeverhältnissen. Die Freerider haben noch mehr im Sinn: Wer nicht den Petersgrat anvisiert, steigt westlich des Hockenhorngrats auf dem Weg zur Lötschenpasshütte in die endlosen Hänge ein, die bis ins Tal bei Kippel und Ferden abfallen. Von weiteren herrlichen Passagen profitiert, wer vom Lötschenpass auf den Gitzigrat aufsteigt oder von dort gar auf der anderen Seite nach Leukerbad abfährt. Mit wenigen neuen Anlagen könnten die Lauchern­alp und Leukerbad verknüpft werden. «Eine Utopie», sagt der Lötschentaler Bergbahnchef Karl Roth.

Tourenfahrer und Freerider

Kein Zweifel: Das Lötschental darf zu den schönsten Freeride-Gebieten der Schweiz gezählt werden. Bergführer Benedikt Jaggy, der im Winter Tourenfahrer und Freerider begleitet, erklärt: «Wir bewegen uns hier nicht in einem Hochrisikogebiet. Dank der Sonneneinstrahlung verfügen die Südhänge über einen stabilen Aufbau der Schneedecke.» Trotzdem sei abseits der Piste jederzeit Vorsicht geboten. Sich über die Wetter- und Lawinensituation zu informieren und stets ein Lawinenverschütteten-Suchgerät, Schaufel und Sonde in den Rucksack zu packen, ist zwingend.

Obwohl er für viele noch ein Geheimtipp ist, hat der Wintertourismus im Lötschental eine wachsende wirtschaftliche Bedeutung. «58 Prozent der über 180 000 jährlichen Logiernächte erzielen wir in der kalten Jahreszeit», sagt Tourismusvermarkter Adrian Schnyder. Neun von zehn Besuchern sind übrigens Schweizer, darunter viele Tagesgäste von der Alpennordseite, die das Lötschental bequem via Bahn und Postauto erreichen.

Wer länger bleibt, nutzt das Angebot von 2000 Gästebetten, die meisten davon in Ferienwohnungen und Gruppenunterkünften. Nur 260 Betten stehen in Hotels und Gasthöfen bereit, die bestklassierten Häuser tragen drei Sterne. Diesen Standard hat sich auch das anno 1868 als erstes Hotel im Tal eröffnete Nest- und Bietschhorn verschrieben: Das traditionsreiche Haus wurde kürzlich sanft renoviert und feiert in diesem Jahr das stolze 150-Jahr-Jubiläum.

«Jugendliche Gastfreundschaft in historischen Mauern» lautet das Motto der jungen Hotelière Esther Bellwall. Und ihr Mann, Küchenchef Laurent Hubert, hat das dem Hotel angegliederte Restaurant Ried mit einer von «Gault Millau» mit 14 Punkten bewerteten Küche zu einer weit über das Tal hinaus bekannten Gourmetadresse entwickelt. Frische einheimische Erzeugnisse landen auf dem Teller, die Weinkarte glänzt mit einer grossen Auswahl hervorragender Walliser Tropfen. Eine frische, unkomplizierte Denkweise ohne falschen Konkurrenzgedanken dokumentiert auch die enge Kooperation Die Lötschentaler, welche die Hotels Nest- und Bietschhorn, Edelweiss und Breithorn pflegen.

Schräg steht die Sonne am Himmel. In der kleinen Schneebar oben auf der Gand­egg nuckeln die Gäste vor der letzten Talfahrt versonnen an ihren Getränken. Die Stimmung ist friedlich und gelöst – weit entfernt vom Halligalli eines Après-Ski-Hotspots. Das Lötschental ist definitiv keine Partydestination, sondern ein sportliches, naturnahes und authentisches Wintereldorado mit einem Hauch Mystik. Das kriegt vielleicht auch mit, wer das Tal wieder verlässt und bei Goppenstein ein seltsames Klopfen im Berg zu vernehmen meint. Einst wurde mit beschränktem Erfolg im Roten Berg nach Blei und Silber gegraben. Verbissen und verhärmt hämmern noch heute enttäuschte Kumpel in den verfallenen Stollen – so jedenfalls will es die Sage.

Die Reise wurde unterstützt von Lötschental Marketing.

Fotoblog: Bilder aus dem Lötschental

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2018, 17:24 Uhr

Premiere im Wallis

470 Betten in 101 Ferienwohnungen

In Schweizer Wintersportorten der zweiten Liga entsteht eine neue Art von Ferienunterkünften.

Vor Weihnachten ist in Vercorin im Val d’Anniviers eine innovative Variante von Ferienunterkünften eröffnet worden. Die Swisspeak-Resorts umfassen 470 Betten in 101 Ferienwohnungen. Die Überbauung liegt strategisch günstig an der Talstation der Gondelbahn und bietet neben einer Réception auch Spielzimmer und ausserdem eine kleine Wellnessanlage.

«Wir wollen uns optimal ins Dorf integrieren», sagt Roger Müller, Countrymanager Switzerland des Betreibers Interhome. Die Gäste können die Unterkunft über eine App buchen und bezahlen sowie vor Ort einen Frühstückskorb im Dorfladen ordern, die Skiausrüstung mieten oder mit der Schneesportschule in Kontakt treten.

Hinter der modernen, im alpinen Stil gehaltenen Ferienanlage steht eine Investmentgesellschaft die bis 2024 zehn Swisspeak-Resorts plant. Bereits im Bau sind Anlagen in Zinal VS und in Meiringen BE. Pläne bestehen für die Walliser Skiorte Grimentz, Morgins und Champéry sowie für Standorte im Berner Oberland, im Waadtland und in Graubünden. Auffallend: Swisspeak-Resorts wachsen nicht an teuren Destinationen wie Gstaad, Zermatt oder St. Moritz, sondern an Standorten, die zum Teil noch als Geheimtipp durchgehen. (cam)

Swisspeak-Resorts Vercorin VS, Wohnung pro Woche ab 426 Fr., www.Interhome.ch; www.swisspeakresorts.com

Lötschental

Informationen

Anreise: Ab Bern mit dem Regioexpress Lötschberger nach Goppenstein, weiter mit dem Postauto nach Wiler. Auto: Von Norden Autoverlad Lötschberg (Kandersteg–Goppenstein), von Süden (Rhonetal) Zufahrt ins Tal bei Gampel-Steg. Parkplätze bei der Lauchernalpbahn in Wiler.

Übernachten: Hotel Nest- und Bietschhorn, Ried, DZ ab 160 Fr., www.nest-bietschhorn.ch; Kooperation Die Lötschentaler, www.dieloetschentaler.ch; weitere Hotels, Gasthöfe, Ferienwohnungen, Gruppenunterkünfte: www.loetschental.ch.

Wintersport: Ski- und Snowboardgebiet mit sechs Anlagen bis auf 3111 Meter über Meer, 55 km Pisten, Freeride und Touren. Tageskarte für Erwachsene 55 Fr. / 5 Tage 242 Fr.

Schneesportschule: Bergführer und Skivermietung, Schneeschuhlaufen, Langlauf und Schlitteln. www.coolschool.ch.

Allgemeine Infos: www.loetschental.ch.

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