Ist das der nutzloseste Flughafen der Welt?

Napoleons Verbannungsort St. Helena war bis jetzt nur mittels fünftägiger Schiffsreise erreichbar. Nun eröffnet der Flughafen - nach etlichen Jahren Verspätung und vielen Pannen.

Irgendwo im Nirgendwo: der neue Flughafen auf St.Helena. Bild: sthelenaairport.com

Irgendwo im Nirgendwo: der neue Flughafen auf St.Helena. Bild: sthelenaairport.com

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SA8131 ist eine Weltpremiere: Unter dieser Nummer landet heute erstmals ein regulärer Flug auf dem St. Helena Airport. Eine Embraer E190 der südafrikanischen Fluggesellschaft Airlink wird nach sechsstündiger Reise am neuen Flughafen aufsetzen. Sie wird künftig jeden Samstag die abgelegene britische Insel im Südatlantik besuchen, auf der Napoleon in der Verbannung starb, und am Sonntag wieder zurückfliegen. Für die 4300 Bewohner ist dies eine wichtige Verbindung zur Aussenwelt. Zudem erhoffen sie sich einen Entwicklungsschub durch eine Zunahme des Tourismus.

Eigentlich war die erste Linienverbindung von Johannesburg nach St. Helena bereits für den 21. Mai 2016 geplant. Doch im letzten Moment wurde die grosse Feier zur Eröffnung des Flughafens abgesagt. Die Gäste aus Wirtschaft und Politik – darunter als Abgesandter der britischen Krone Prinz Edward – wurden wieder ausgeladen. Grund für die Absage waren Probleme beim Anflug. Beim letzten Testflug wurden am Flughafen St. Helena gefährliche Scherwinde ausgemacht. Sie machen Landungen auf Piste 20, also von Norden her, heikel. Die geplante Verbindung der südafrikanischen Comair mit einer Boeing 737 wurde deshalb gestoppt.

Video - Erste Landung auf St.Helena

Das erste kommerzielle Flugzeug erreichte St.Helena im April 2016, heute Samstag soll das erste Linienflugzeug landen. Quelle: Tamedia/Youtube/SAMS St Helena

Stattdessen wurde eine neue Airline gesucht, deren Maschinen von Süden her auf der kürzeren Piste 02 – da sind nur 1535 Meter nutzbar – landen können. Es gab eine neue Ausschreibung, Airlink gewann den Auftrag. Auf dem Weg von Johannesburg muss das Flugzeug in Windhoek in Namibia zwischenlanden, bevor es schliesslich auf der Napoleoninsel landet. Einmal pro Monat fliegt sie von dort auf die Nachbarinsel Ascension.

Zwei Berge abgetragen

Mit der Eröffnung kann die Regierung in London ihr Gesicht wahren. Ursprünglich hätte der 2005 angekündigte Flughafen auf der 1900 Kilometer westlich des afrikanischen Festlands gelegenen Insel schon 2012 eingeweiht werden sollen. Doch im Jahr 2008 wurde das ganze Projekt wegen der Finanzkrise auf Eis gelegt. Erst 2011 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Für die britische Presse war das Projekt schnell der «nutzloseste Flughafen der Welt».

Es war ein Megaprojekt. Für den Bau der auf 300 Meter Höhe gelegenen, 1950 mal 45 Meter messenden Betonpiste wurden zwei Berge abgetragen und ein ganzes Tal aufgefüllt. Insgesamt 285,5 Millionen Pfund (rund 370 Millionen Franken) wurden ausgegeben – bezahlt von den Steuerzahlern des Vereinigten Königreichs. Bislang war das britische Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha nur mit dem Postschiff RMS St. Helena erreichbar. Alle drei Wochen legt es nach fünftägiger Fahrt von Kapstadt aus in St. Helena an und bringt Passagiere und Fracht auf das Eiland, im Februar 2018 zum letzten Mal.

Vulkanischen Ursprungs: St.Helena im Südatlantik. Bild: David Stanley

Der Flughafen soll Touristen bringen und ein bisschen Aufschwung. «Es wird ein neues Kapitel in der Geschichte von St. Helena», sagt Gouverneurin Lisa Phillips. Ein Luxushotel wird eröffnet, der erste Handymast wurde installiert. 30 000 Touristen pro Jahr erhofft man sich und irgendwann weitere Flugverbindungen. Eine Massendestination wird die abgelegene felsige Insel aber wohl nicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2017, 11:56 Uhr

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