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100 Jahre Berner JugendamtReise in die Vergangenheit der Jugendarbeit

Armut, Drogen, Unruhen: Das Berner Jugendamt feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einer Festschrift, welche auch die bedrückenden Gesellschaftsverhältnisse der Vergangenheit nicht ausblendet.

Die Arbeit des Stadtberner Jugendamtes hat sich seit seiner Gründung vor 100 Jahren stark verändert. (Themenbild)
Die Arbeit des Stadtberner Jugendamtes hat sich seit seiner Gründung vor 100 Jahren stark verändert. (Themenbild)
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Vor einem Jahrhundert wurde das Stadtberner Jugendamt ins Leben gerufen. Seit 1920 haben sich dessen Aufgaben stark verändert. In einer Festschrift blickt die Historikerin Anna Bähler auf die vergangenen Jahrzehnte zurück.

In der Geschichte der Abteilung spiegelt sich auch eine Gesellschaft im Wandel. Bähler schlägt den Bogen von der Armutsbekämpfung über die Jugendunruhen und die Drogenpolitik bis hin zur familienergänzenden Kinderbetreuung oder der modernen Gemeinwesenarbeit.

«Es ist mir sehr wichtig, dass wir die Vergangenheit nicht ausblenden», wird Gemeinderätin Franziska Teuscher in einer Mitteilung der Stadtberner Direktion für Bildung, Soziales und Sport zitiert. Denn: «Nur so sind wir glaubwürdig und können unsere Arbeit sorgfältig ausführen und weiterentwickeln.»

Die Reise in die Vergangenheit der Jugendarbeit ist zum Teil auch bedrückend. So berichtet Bähler etwa von den ersten Kinderkrippen und den Jahren der grossen Armut und harten fürsorgerischen Massnahmen.

Insbesondere in den ersten Jahrzehnten der Amtsgeschichte wurden Familien und Geschlechterrollen in ein enges Korsett geschnürt: Väter mussten erwerbstätig sein – Müttern war dies untersagt, ansonsten drohte behördliches Einschreiten.

Mit den Jugendunruhen Ende der 1960-er Jahre und der Drogenproblematik sah sich die Abteilung wieder mit grossen Veränderungen konfrontiert. Die Haltung, dass Repression allein kein taugliches Mittel sein kann, begann sich durchzusetzen.

Heute betreuen die rund 550 Mitarbeitenden die Kinder, Jugendlichen und Familien in der Stadt Bern auf vielfältige Weise: Sie stellen zum Beispiel Betreuungsgutscheine aus, begleiten Jugendliche und Eltern, verhandeln und überwachen Leistungsverträge, vermitteln Jugendjobs, koordinieren Ferien- und Freizeitangebote oder fördern die Jugendkultur.

Neben den gesellschaftlichen Veränderungen wandelten sich aber auch die Zuständigkeiten: So wurden beispielsweise der Kindesschutz oder die städtische Drogenpolitik vom Jugendamt in andere Dienststellen verschoben. Dafür übernahm das Jugendamt neue Aufgaben wie die aufsuchende Sozial- und Gassenarbeit von Pinto, die Koordination der Gemeinwesenarbeit oder die offene Kinder- und Jugendarbeit. 2019 gab sich die Abteilung schliesslich den neuen Namen «Familie & Quartier Stadt Bern».

Von den ursprünglichen Aufgaben ist einzig die Aufsicht über die Kindertagesstätten geblieben.

SDA/zec