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Das Netzwerk von GFL-Kandidat Alec von Graffenried

Das Wahlkampfteam Alec von Graffenrieds wollte weg von einem «doktrinären, linken Ansatz». Der Kandidat sollte als «integrative, lernfähige Person» dargestellt werden.

Ein Bodyguard? Nein, Christoph Balsiger hilft Alec von Graffenried aus dem Hintergrund heraus.
Ein Bodyguard? Nein, Christoph Balsiger hilft Alec von Graffenried aus dem Hintergrund heraus.
Adrian Moser

Am Wahlabend ist er nicht von der Seite des Kandidaten gewichen. Es gibt kaum ein Bild Alec von Graffenrieds, auf dem der Mann mit dem Kinnbart nicht zu sehen wäre. Christoph Balsiger ist aber alles andere als ein Bodyguard. Er ist Gründer und Mitinhaber der Berner Werbeagentur Kargo Kommunikation und gehört zum Kernteam der Wahlkampagne von Graffenrieds.

Sie kennen sich vom Fussball

Balsiger und von Graffenried kennen sich seit fünfzehn Jahren. Damals spielten beide in ihrer Freizeit Fussball. Als sich von Graffenrieds Kandidatur fürs Berner Stadtpräsidium abzeichnete, ging Balsiger auf den einstigen Fussballkollegen zu. Dieser nahm den Grafiker in sein Wahlkampfteam auf. «Es ging mir nicht ums Geld. Es war eine Frage des Herzbluts für mich», sagt Balsiger. Die Grüne Freie Liste (GFL) habe keine offizielle Werbeagentur. PR-Arbeiten würden von einem Parteimitglied erledigt. Kargo Kommunikation als solche sei nur am Rande involviert gewesen. Am Mandat hätten vor allem er und seine Frau Nicole gearbeitet, die für Social Media zuständig ist. «Unsere Agentur hat bisher kein politisches Mandat gehabt.»

Das Hohelied des Brückenbauers

Balsiger selber war bisher nie parteipolitisch in Erscheinung getreten. «Das heisst aber nicht, dass ich nicht politisch bin.» Er sei ein Jugendbewegter der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts gewesen und habe damals in der Notschlafstelle und in der Gassenküche gearbeitet. Nach der Ausbildung zum Primarlehrer und einem Studium der Kommunikation und Zeitgeschichte war Balsiger als Freelancer tätig und hat vor sechs Jahren die Agentur Kargo Kommunikation gegründet.

Im Unterstützungskomitee von Graffenrieds hat es viele Kreative, aber auch Künstler wie den Satiriker und Kolumnenschreiber Bänz Friedli, die Mitglieder der Band Tomazobi oder den Musiker und DJ Reverend Beat Man.

Kommunikationsprofis wie Balsiger sind aber auch nicht dünn gesät. Einer von ihnen ist der Unternehmensberater Bendicht Luginbühl. Er habe von Graffenried «als Privatperson und als Berner Bürger» unterstützt, sagt der Medienprofi, Mountainbike-Pionier und ehemalige Programmchef von Radio DRS 3. «Ich habe kraft meiner Erfahrung und meines Könnens den einen oder anderen Hinweis geben können.»

Auch Luginbühl betont die «idealistischen Gründe», die ihn zu einer Unterstützung des «Brückenbauers von Graffenried» bewogen hätten. «Er kann auch Bürgerliche mit ins Boot holen», sagt Luginbühl. Im Kampf ums Stadtpräsidium müsse es um eine Persönlichkeit gehen, «die Grenzen überwindet und Bern vorwärts bringt».

Nur das Nötigste an Inhalten

Im bisherigen Wahlkampf sei es darum gegangen, den Kandidaten als «integrative, lernfähige Person» zu profilieren – «weg vom doktrinären, linken Ansatz.» Luginbühl spricht von einem «konzeptuellen Vorgehen», wie es zurzeit etwa auch vom konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon mit Erfolg angewendet werde.

Fillon sei in Bezug auf seine präsidialen Ambitionen «aus dem Nichts» gekommen – ähnlich wie von Graffenried. Er habe einen Wahlkampf mit «Charisma, Ehrlichkeit und Empathiefähigkeit» geführt. Dabei habe er sich als «Erneuerer» präsentiert und die inhaltlichen Kernbotschaften auf das Nötigste beschränkt. So habe es auch von Graffenried vermeiden können, sich auf «inhaltlichen Nebenschauplätzen» zu verzetteln, sagt Luginbühl. «Ein künftiger Berner Stadtpräsident muss Mehrheiten schaffen und nicht einen ideologischen Kurs, etwa gegen Auto- oder Velofahrer, durchziehen.» Von Graffenried entspreche diesen Anforderungen, weil er ein «Dialektiker» sei. Er wolle die Leute nicht von einem Standpunkt überzeugen, sondern könne sich auf der Suche nach Lösungen auch auf Gegenargumente einlassen, um Synthesen zu finden.

Was linke Kritiker als Unentschlossenheit und Profillosigkeit gewertet hätten, sei in der heissen Phase eines Wahlkampfs «eine echte Stärke, ein wahrnehmbarer Wert», so Luginbühl. «Dies gilt insbesondere für unentschlossene Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die ihr Votum nicht nach einem Parteibuch abgeben, sondern für Personen stimmen.»

Abkehr vom Dogma

Auch Luginbühls Berufskollege Marcel Suter kennt von Graffenried seit Jahren. Eine der grossen Herausforderungen der nächsten Jahre sei die engere Zusammenarbeit mit den Regionsgemeinden rund um die Stadt Bern. «Da ist von Graffenried ein besserer Brückenbauer als SP-Kandidatin Ursula Wyss», sagt der Gründer und Mitinhaber der Agentur Klarkom. Suter betont ebenfalls, dass er kein Mandat von Graffenrieds habe, sondern dessen Kampagne als Privatperson beratend unterstütze. «Mir gefällt, dass von Graffenried kein Dogmatiker ist», sagt Suter.

«Wichtiger als Inhalte»

GFL-Parteipräsidentin Brigitte Hilty Haller betont, dass das Wahlkampfteam von Graffenrieds nicht aktiv auf all die Kreativen und Kommunikationsprofis zugegangen sei. «Sie haben sich freiwillig gemeldet oder kennen Alec von Graffenried von früher.» In der Kampagne sei es darum gegangen, den Kandidaten als alles einbeziehende Persönlichkeit in den Vordergrund zu rücken. «Das war uns wichtiger als die Lancierung konkreter Inhalte», sagt Hilty Haller.

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