Ein Treffen der Berner Sportchefs

Die Sportstadt Bern ist so bedeutsam wie selten zuvor. Zeit, dass die Sportchefs von vier hiesigen Vereinen darüber diskutieren.

Amtskollegen: Christoph Spycher (YB), Alex Chatelain (SCB), Heinz Zaugg (Floorball Köniz) und Daniel Weber (BSV).

Amtskollegen: Christoph Spycher (YB), Alex Chatelain (SCB), Heinz Zaugg (Floorball Köniz) und Daniel Weber (BSV). Bild: Beat Mathys

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Die Sonne war schon tief am Himmel um 19 Uhr im Haus des Sports in Ittigen – und doch schien ein gelbes Rund über allem anderen. «Wir können es nicht ändern, und wir wollen es auch nicht ändern: YB überstrahlt gerade alle», sagte Moderator Albi Saner und liess damit einen verschmitzt grinsenden Christoph Spycher zurück.

Den kleinen Bauchpinsel wählte Saner mit Bedacht, denn neben dem YB-Sportchef standen dessen Amtskollegen Alex Chatelain (SC Bern), Daniel Weber (BSV Bern) und Heinz Zaugg (Floorball Köniz). Der Panathlon-Club Bern – die internationale Be­wegung bezweckt die Verbreitung von Sport als Kulturgut – hatte geladen, gut sechzig Leute waren gekommen, darunter Alt-Bundesrat und YB-Fan Adolf Ogi, Olympiateilnehmer Christian Kauter und Baspo-Direktor Ma­thias Remund.

Und sie alle wissen natürlich, wie gut es YB derzeit geht, also interessierte mehr: Welchen Anteil daran hat der Sportchef? Und überhaupt, so ganz allgemein: Wie geht man als Sportchef mit seinem Trainer um? Wie mit dem Druck? Gibt es Agenten mit hehren Absichten? Und: Wo unterschreibt man am besten einen Spielervertrag?

Vom Fuss- zum Floorball

Dass es im kleinen Bern Platz für vier Teams im Spitzensportbereich gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Dass sie mehrheitlich erfolgreich wirtschaften können, noch viel weniger.

Die Young Boys hievt der sportliche Erfolg dank der Champions League auch wirtschaftlich in neue Sphären, der SCB bilanzierte das Geschäftsjahr gerade zum 18. Mal nacheinander mit Profit, BSV und Floorball zählen in ihren Sport­arten zur erweiterten und absoluten Spitze. Der Werdegang Spychers als Spieler, Captain und Talentmanager bei YB ist bekannt, ebenso die Laufbahn von Chatelain beim SCB.

Zaugg war eigentlich auch Fussballer, hat im YB-Nachwuchs mit Maurizio Jacobacci (heute Trainer bei Sion) und Reto Gertschen (1986 Meister mit YB) gespielt – und stiess erst durch seine Söhne zum Unihockey. Weber wiederum ist Handballer durch und durch, war mit dem BSV 1980 Meister, dann Trainer auf allen möglichen Stufen, bis er 1999 als Sportchef einstieg.

Gemein ist dem Quartett die exponierte Funktion in der Öffentlichkeit, während im Hintergrund ein ganzes Team für den Erfolg arbeitet. Natürlich erhält ein Weber nicht die Aufmerksamkeit eines Spychers, aber bei allen vier Berner Teams gibt es mittlerweile eine Sportkommission, die wichtige Entscheidungen wie eine Trainerwahl gemeinsam trifft. «Das wurde im Plenum lange im Voraus so entschieden», sagte etwa Chatelain zur Entlassung von Meistertrainer Lars Leuenberger gleich in seiner ersten Saison als Sportchef 2015/2016.

Überhaupt, Sportchef und Trainer. Es ist die vielleicht wichtigste Beziehung in einem Clubgefüge. Ist sie zu eng, wird konsequentes Handeln für den Sportchef bei Misserfolg womöglich schwierig. Ist sie zu lasch, leidet darunter die Zusammenstellung des Teams. Als Adi Hütter die Young Boys ­Ende Mai Richtung Frankfurt verliess, kamen über den jungen Meistern Fragen auf. Wie geht es weiter?

Spycher beantwortete sie mit einer Überraschung: Keiner hatte Gerardo Seoane auf dem ­Radar. Unter ihm ist YB perfekt in die Saison gestartet, Qualifikation für die Königsklasse inklusive. «Ich hätte diesen Job gar nicht erst angetreten, wenn ich nicht gewusst hätte, was für Leute da in meinem Rücken stehen», sagte Spycher zu seiner Rolle im erfolgreichen YB-Konstrukt.

Der Spielermarkt hat sich in allen vier Sparten enorm gewandelt. Am globalsten funktioniert er natürlich im Fussball, wo etwa YB-Stürmer Roger Assalé im Kongo nur dank guten Beraterverbindungen verpflichtet werden konnte. Der SCB transferiert Ausländer traditionell aus Kanada, Finnland oder Schweden, Floorball ebenfalls Skandinavier und Tschechen, und auch der BSV bekommt immer mal wieder ausländische Kräfte angeboten.

«Es gibt auch gute Agenten», räumte Weber ein, und Zaugg meinte: «Bei Spielern aus dem Ausland helfen sie mehr, als sie schaden.» Spycher sprach von einem «wilden Markt», während Chatelain seine Erfahrung hilft, «die guten von den schlechten zu unterscheiden».

Ein Telefon, ein Kaffee, fertig

Der SCB-Sportchef hat früh gelernt, wie man einen Transfer eintütet. 1999 sass er, noch als Spieler, bei Ivo Rüthemann auf der Couch. Dieser telefonierte gerade mit dem damaligen Berner Sportchef Rolf Bachmann, Chatelain ging ebenfalls kurz ran. Noch am gleichen Abend tranken sie einen Kaffee in der Autobahnraststätte Würenlos, Bachmann hatte einen Vertrag mitgebracht, Chatelain unterschrieb. «Seither weiss ich, wie das geht.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 06:00 Uhr

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