Welche Parteien sind «toleranter»?

Panaschieren ist bei den Parteien verpönt, weil ihnen diese Stimmen verloren gehen. Dennoch waren rund 13 Prozent aller Stimmen im Wahlkreis Bern Panaschierstimmen.

Man rechne: Die GLP am Wahltag. Die Wähler der Partei panaschierten hauptsächlich Personen aus dem linken politischen Spektrum.

Man rechne: Die GLP am Wahltag. Die Wähler der Partei panaschierten hauptsächlich Personen aus dem linken politischen Spektrum.

(Bild: Adrian Moser)

Rudolf Burger

Etwa 8 Prozent der Panaschierstimmen steuerten die Anhänger der verschiedenen Parteien bei, 5 Prozent stammten von nicht-parteibezeichneten Listen. Üblicherweise wird bei Linken und Grünen mehr panaschiert als bei Bürgerlichen. Das war auch im Fall der Grossratswahlen in der Stadt Bern so: Im Durchschnitt am meisten wurde von der Wählerschaft der PdA panaschiert (2,9 Panaschierstimmen je Liste), am wenigsten von der SVP (0,7 Stimmen je Liste). FDP und SP liegen nahe beisammen (Werte von 1,4 bzw. 1,5), ebenso Grünliberale und Grüne (1,8 bzw. 2,0 Stimmen je Liste).

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Die Analyse nach Herkunft und Empfänger der Panaschierstimmen erlaubt es auch, die Parteien in einem Links-Rechts-Spektrum zu platzieren. Ganz links sind die Anhänger von AL und PdA einzuordnen, bei beiden gingen 95 Prozent ihrer Panaschierstimmen an Linksparteien. Die Grünen, die 82 Prozent an Linksparteien abgaben, stehen links von der SP (75 Prozent an Linksparteien), und die Grünliberalen (61 Prozent nach links) entpuppen sich als Linkspartei. Auf der anderen Seite des Spektrums steht die SVP.

Ihre Panaschierstimmen gingen zu 76 Prozent an die FDP und BDP, nur 8 Prozent an Linksparteien. Erstaunlich sind die Zahlen für die FDP, die den grössten Teil ihrer Panaschierstimmen (41 Prozent) an Mitteparteien abgab. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Kandidaten der SVP von den Anhängern der FDP schlechter unterstützt wurden als umgekehrt. Die Panaschierstimmen der EVP gingen fast zu gleichen Teilen nach links (48 Prozent) und Mitte-rechts (52 Prozent).

Daraus könnte geschlossen werden, dass im Spektrum rechts etwas «toleranter» panaschiert wird als links. Von der grössten Linkspartei, der SP, wurden nur 7 Prozent der Stimmen an bürgerliche Parteien verteilt, von der (knapp) grössten bürgerlichen Partei, der FDP, immerhin 20 Prozent nach links. Die Zahlen für die SVP zeigen jedoch, dass ihre Anhänger in ähnlichem Ausmass wie die SP im eigenen Lager und der Mitte panaschiert haben.

Der Bund

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