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Der PollerRegenwurm-Vibrations-Pitch

«Poller»-Kolumnistin Frau Feuz hat eine phänomenale Geschäftsidee, die besoffene Regenwürmer enthält und regt sich über Business-Ratgeber auf.

Kein Objekt der Forschung, deshalb auch nicht mit Wodka sediert: Ein Regenwurm.
Kein Objekt der Forschung, deshalb auch nicht mit Wodka sediert: Ein Regenwurm.
Foto: Heidi & Hans-Jürgen Koch/Animal-affairs.com

Liebes Swiss Economic Forum

Ich ziehe ja derzeit eine Zweitkarriere in Betracht. In der näheren Auswahl ist zum einen Richterin am Supreme Court. So ganz offiziell mit einem Hammer auf den Tisch hauen zu dürfen, stell ich mir toll vor und aufgrund meiner Affinität zu Baumarkt-Equipment erachte ich mich auch als durchaus geeignet für diesen Job. Sledge Feuz. Geil, nicht?! Favorit in der feuzschen Zukunftsvision ist aber derzeit der Aufbau einer Regenwurm-Vibrations-Farm. Das ist «the next big thing», wie man in Züritüütsch sagen würde.

Vor rund einer Woche räumten Ivan Maksymov und Andriy Pototsky den Ig-Nobelpreis in der Kategorie Physik ab, und seitdem kriechen ihnen die Regenwürmer die Tür ein. Die Forscher haben getestet, was mit Regenwürmern passiert, wenn man deren Körper mit hoher Frequenz vibrieren lässt. Damit die Tierchen maximal entspannt sind, kredenzte man ihnen vorher einen ordentlichen Schluck Wodka. Seitdem ist Vodka-Vibrating in der Regenwurmszene der letzte Schrei. Da lässt sich Geld scheffeln, dachte die gewiefte Jungunternehmerin Feuz.

Weil sich so ein Business mit dem Budget einer grandios unterbezahlten Kulturjournalistin nicht realisieren lässt, bin ich auf deiner Website gelandet, liebes SEF, denn du vergibst ja Preise für innovative Start-ups. Zum einen verleihst du den Swiss Economic Award, den «bedeutendsten Jungunternehmerpreis der Schweiz», und zum anderen den SEF.Women Award, «den Wirtschaftspreis der Frauen».

Beim Vergleich dieser beiden Kategorien hätte sich Frau Feuz dann allerdings am liebsten selber in Wodka eingelegt. Ich meine: Warum dürfen beim SEF-Women Award nur Frauen unter 40 Jahren mitmachen, während bei der anderen Kategorie keine Alterslimite gesetzt wurde? Warum gibts beim Jungunternehmerpreis fundiertes Expertenfeedback und ein professionelles Videoporträt, während beim Wirtschaftspreis der Frauen eine «Teilnahme an der Award-Verleihung im Rahmen eines Gala-Abends» aufgeführt wird? Und warum zum Henker bekommen Frauen eine Uhr, während in der anderen Kategorie 25'000 Franken pro Gewinner winken?!

Wenn es dann tatsächlich jemand in deine engere Wahl schafft, liebes SEF, und seine Business-Idee bei dir präsentieren kommen darf, dann schickst du freundlicherweise Unterlagen, die der Vorbereitung des Auftritts dienlich sein sollen. Konkret: einen Auszug aus dem Buch «How to Pitch» des Freiburger Unternehmers Mike Baur.

Der Ratgeber vermittelt Tipps, wie in kurzen Präsentationen mögliche Investoren von einer Geschäftsidee überzeugt werden können. Dabei widmet Baur den Frauen extra ein eigenes Kapitel. Dieses trägt die Überschrift «Sei eine Frau!» und besagt unter anderem Folgendes: «In der Start-up-Szene gibt es nur sehr wenige weibliche Repräsentanten. Und diese Abweichung zieht auf der Bühne nun mal. Aber Vorsicht: Wir reden hier nicht von Damen, die der Behübschung dienen. Denn das durchschaut das Publikum relativ schnell … High Heels sind übrigens okay. Aber nur dann, wenn du dich darin wohlfühlst.»

Gellen Sie, Herr Baur, es gibt schon auch ein Kapitel in Ihrem Buch, das Sie extra den Männern gewidmet haben? Ich schreib Ihnen sonst eins: Sei ein Mann! In der Start-up-Szene gibt es sehr viele männliche Repräsentanten. Und das zieht auf der Bühne nun mal nicht. Aber Vorsicht: Wir reden hier von Männern mit grossem Ego, die glauben, Unternehmerinnen erklären zu müssen, wie man sich für eine Business-Präsentation kleidet, weil die das selber ja nicht wissen. Mansplaining ist übrigens nicht okay. Auch wenn du dich sauwohl dabei fühlst.»

Im Übrigen, liebes SEF, ist mein Vodka Worm Vibrating Business (VWV) auch ohne Gala-Abend, Uhr und High Heels erfolgreich in die Gänge gekommen. Kein Wunder bei 400 Aktionären und Aktionärinnen. Pro Quadratmeter Erde, notabene.

Sincerely not yours,
CEO of VWV, the world and everything,
Frau Feuz

Maksymov und Pototsky konnten mit ihrem Experiment beweisen, dass vibrierende Regenwürmer im sedierten Zustand Faraday-Wellen erzeugen und sich so ähnlich verhalten wie eine Flüssigkeit. Frau Feuz ist freie Kulturjournalistin und nicht mit dem Chef der Versuchsanordnung «Der Bund» verwandt.

1 Kommentar
    Swiss Economic Forum

    Liebe Frau Feuz

    Wir freuen uns sehr, dass Sie mit Ihrem Vodka Worm Vibrating Business die Welt erobern wollen. Als Jungunternehmerin Sie sind herzlich eingeladen sich beim SEF.Award2021 zu bewerben - sofern Sie bis im Sommer bereits wirtschaftliche Erfolge erzielen können, steht einer Nomination nichts im Wege - weder Ihr Alter, Ihr Geschlecht noch die Herkunft der Würmer und des Vodkas. Ihre Chancen steigen natürlich, wenn Sie in der Produktion auf einheimische, vegane Bio-Würmer und Demeter Vodka setzen. Wir sind sicher, dass Sie in den nächsten 10 Jahren auch Chancen auf den Award für die Unternehmerin des Jahres haben - dieser ist nämlich nicht auf das Alter beschränkt. Damit winkt Ihnen nicht nur eine zweite begehrte Trophäe, welche Sie in Ihrem Wurmfarm Office ausstellen können, die Uhr wäre dann ebenfalls Teil der vielen Auszeichnungen die Sie mit Ihrem innovativen Business Case sicher abräumen. Gerne begleiten wir Sie bei Ihren Wachstumsplänen.

    Auf sef4kmu.ch können Sie sich für einen kostenlosen Strategie Check anmelden.

    Wir freuen uns schon jetzt, mit unseren Experten Ihre Farm zu besuchen und Ihre vibrierenden Würmer kennenzulernen.

    Nastrovje! Und bis bald.

    Ihr Swiss Economic Forum Team