Es gibt Alternativen zu Kebab und Pizza

Verschiedene Zürcher Restaurants haben sich auf die Lieferung von leichten Mittagsmenüs spezialisiert. Der TA hat sie getestet.

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Mirjam Fuchs@tagesanzeiger

Aylin Karadayi möchte die ­Zürcher Büros erobern. Zumindest zur Mittagszeit, mit einem Lieferservice für vegetarisches Essen, das ihre türkischen Wurzeln widerspiegelt. Döner sucht man auf dem Menü vergeblich, statt­dessen gibt es Hummus mit Thymian und ­Zitrone, Radicchio-Rosso-Salat mit Randen und Baumnüssen oder Zucchetti-«Nudeln». «Ich bin die Antithese zum Döner», meint sie. Die 30-jährige Jung­unter­nehmerin und Yogalehrerin kocht, wie sie selbst gern isst: vegetarisch, gluten- und laktosefrei und ohne verfeinerten Zucker. Sie ist überzeugt, dass in ­Zürich ein Markt für Mittagsmenüs per Kurier besteht.

Wie Karadayi denken viele andere Anbieter von Mittagsmenüs. Leonard Nievergelt vom Velokurierdienst Ultrakurier: «Wir erhalten viele Anfragen von Restaurants oder selbstständigen ­Köchen, die gern mit unserem Schnell­transport ihr Essen liefern würden.» ­Neben Karadayi nehmen aber erst zwei Restaurants die Dienste von Ultrakurier in Anspruch: Der auf Salate und Wraps spezialisierte Takeaway-Anbieter Freshii und das Sushi-Restaurant Negishi. Laut Nievergelt läuft das Mittagsgeschäft erst zögerlich: Die Velokuriere von Ultra­kurier verteilen mittags nur etwa vier bis fünf Essen in der Stadt. Anders ist das beim Veloblitz, der schon seit 10 Jahren exklusiv für das asiatische Restaurant Lily’s ausliefert. Pro Mittag sind vier ­Kuriere im Einsatz, um durchschnittlich 40 bis 50 Bestellungen auszuliefern.

Firma zahlt Mittagessen

Im Vergleich zur Mittagszeit ist der Liefer­service für Abendessen besser ­etabliert. Auf der grössten Schweizer Online-Bestellplattform, eat.ch, machen Bestellungen am Abend 85 Prozent des Umsatzes aus. Auf der Website finden sich rund 150 Restaurants im Grossraum Zürich. Was auffällt: Nur ein Drittel der Partner sind Pizzakuriere. Zur Auswahl stehen auch kalorienärmere Menüs wie libanesische Mezze, indische Currys oder vietnamesische Suppen. Reto Graf von Eat.ch: «Es gibt gerade in urbanen Regionen wie Zürich vermehrt Anbieter, die sich auf gesundes Essen wie Wraps, Sushi, vegetarische oder asiatische ­Küche spezialisiert haben.»

Eine Kundin, die regelmässig ge­sundes Essen ins Büro bestellt, ist Rahel Holenstein. Sie ist Office-Manager bei ­Ginetta, einem Design-Studio für Web- und Mobile-Apps im Kreis 4, die ihren Mitarbeitern Montag bis Donnerstag das Mittagessen bezahlt. «Unsere Angestellten sollen sich gesund ernähren können, das gehört bei uns zur Firmen­philo­sophie.» Seit gut einem Jahr verschickt Holenstein ihrem Team täglich den Link zur Website eines Restaurants, das Mittagslieferungen anbietet.

Sushi wird rasch teuer

Mittlerweile haben sich gewisse Anbieter durchgesetzt: «Unser Favorit ist Freshii, weil uns die Zutaten und Kombinationen gut gefallen. Dienstags ist ­immer Simply-Soup-Tag. Auch die Thai-Currys von Sweet Basil mögen wir. Nur Sushi bestellen wir selten, da es rasch teuer wird», sagt Holenstein. Sie bestellt die durchschnittlich 10 bis 15 Menüs jeweils bei einem Anbieter, damit die Bestellung nicht zu kompliziert wird.

Holenstein achtet darauf, dass das Essen nicht mehr als 20 bis 25 Franken pro Person kostet. Die Preise für die Menüs von Ayla – Real Food, wie Aylin Karadayi ihren Lieferservice getauft hat, ­liegen zwischen 10 und 16 Franken. Ist das nicht etwas günstig für Essen aus natür­lichen Zutaten? «Klar könnte ich mehr verlangen», sagt Karadayi. Es sei ihr aber wichtig, dass sich möglichst viele ihr gesundes Essen leisten können. Zurzeit bereitet Karadayi ihre Website vor, sie will die Bestellungen online und nicht per Telefon abwickeln, um Zeit zu sparen. «Erst wenn die Website steht, kann ich raus», sagt sie. Ende Oktober soll es so weit sein.

Der Schnelltest: Die Redaktorin hat zwei Anbieter im Schnelltest ausprobiert:

1. Gärtnerei (Total Preis: 36.40 Franken; davon 7 Franken Lieferkosten) Die Website ist gerade im Umbau, deshalb bestellen wir telefonisch. Eine freundliche Stimme berät uns bei der Auswahl der Salatsauce: «Honey Mustard? Eine gute Wahl!» Der Velokurier liefert wie der Blitz, wir bezahlen bar und plündern die braune Papiertüte. Bis auf die Muffinverpackung ist alles, auch die Servietten, aus recyceltem Papier. Das gefällt unserem ökologischen Gewissen, aber weniger unserem empfindlichen Näschen. Der Salatkarton müffelt nämlich ein bisschen nach Altpapier. Trotzdem überwiegt die Freude über den zweifellos frischen Rio One Way Salat (21 Franken). Inhalt: Rosa Shrimps liegen neben dunkelgrünem Avocado und rotem Peperoni, knackigen Gurkenscheibchen und Dinkelkorn. Die Kombination stimmt. Nur die auf der Karte angekündigten Mangostücke fehlen. Dafür gibt es, unangekündigt, eine feine Scheibe Sauerteigbrot zum Salat. Der Salat mundet, der sehr bananige Banana Muffin (5 Franken) zum Dessert ebenfalls. Nur die Aufschrift auf dem Charitea (4.90 Franken) irritiert: Warum enthält der teure Tee Spuren von Fett? Das nächste Mal brühen wir unser Getränk wieder selbst.

2. Freshii (Total: 25.20 Franken; plus 7 Franken Lieferkosten) Wer die Lieferkosten für den Kurier sparen will, kann sein Essen auch telefonisch vorbestellen und selbst abholen. In unserem Fall klappt das perfekt: Die Bestellung steht pünktlich bereit, wir können gleich zurück ins Büro eilen. Die Verpackung erinnert an amerikanische Fastfood-Ketten, kein Wunder, Freshii ist ja auch ein Franchise-Unternehmen aus New York City. Statt Burger gibt es aber gesundes Schnellfutter. Wir entscheiden uns für den Tex Mex Burrito (16.50 Franken), der aus einem Vollkorn-Wrap besteht, der mit Vollkornreis, schwarzen Bohnen, Mais, Avocado, Mozzarella, Cheddar und Pico de Gallo Sauce gefüllt ist. Die grosse Portion stillt den Hunger, die Balance aus trocken und flüssig ist ideal, Burritos von Freshii werden wir wieder bestellen! Einziger Wermutstropfen: Die Sauce ist etwas salzig für unseren Geschmack. Den Durst möchten wir mit dem Mighty-Detox-Saft (8.70 Franken) stillen, nur leider haben wir uns bei der Auswahl etwas zu sehr vom Namen verführen lassen. Der mächtiger Entgifter ist eine Mischung aus an sich harmlosen Bestandteilen wie Gurke, Apfel, Limone, Minze und Ingwer – die zusammengemischt, sorry, nach frischgemähtem Gras schmecken.

3. Lilys (Total Preis: 53 Franken; davon 4 Franken Lieferkosten und 10 Franken Geschirrdepot) Lilys ist schon seit über 10 Jahren im Liefergeschäft und verwendet ein raffiniertes Geschirrsystem. Die silbernen Gefässe sind umweltfreundlich und es ist ein Vergnügen, sie zu öffnen: runde Plastikdeckel bedecken Jasminreis und das Rindfleisch-Gericht namens Bai Kapao (25.50 Franken), unter dem Deckel versteckt sich das Roti-Fladenbrot (2.50 Franken), das wir zusätzlich bestellt haben. Nur: Wo ist das Besteck? Leider ging es vergessen. Bis wir in der Büroküche einen Löffel gefunden haben (die Gabeln sind spurlos verschwunden), dauert es. Den knurrenden Magen besänftigen schliesslich das zarte Fleisch in sämiger Sauce und der Gurkensalat (5 Franken), der mit Chili, roten Zwiebeln und Koriander verfeinert ist. Den Durst stillen wir mit einem Aprikosennektar-Saft aus dem Wallis. Das Getränk hat zwar seinen Preis (6 Franken), aber es verbreitet schon mittags Feierabendstimmung: Die pürierten Früchtchen sind die ideale Grundlage für einen Cocktail, es fehlt nur noch der Alkohol.

4. Negishi (Total Preis: 35.50 Franken; davon 7 Franken Lieferkosten) Der Velokurier liefert das Essen kurz nach der Bestellung, der junge Mann freut sich, dass er in nur zwei Minuten hier war. Sonst müsse er jeweils viel weiter pedalen. Wir nehmen die weisse Papiertasche dankend entgegen und stürzen uns als Erstes auf den Homemade-Ice-Tea (2.50 Franken). Eine Offenbarung: Das süessmostgelbe Getränk im Pet-Fläschli ist angenehm süss und erfrischend, so wie sich das für einen Ice-Tea gehört. Zur Vorspeise gibt es Edamame (5.50 Franken). Wären die grünen Böhnchen Pasta, würden wir ihre Bissfestigkeit mit al dente beschreiben: genau richtig. Die Sushi-Platte Kyoto (20.50 Franken) ist in Ordnung: Der Fisch ist frisch und der Reis ist feucht. Die drei Nigiri (roher Fisch auf Reis) munden. Aber wir hatten uns, zugegeben, etwas mehr erhofft von den mit orangen Fischeiern bestreuten Uramaki (Reisrollen mit speziellem Inhalt). Der Mayonnaise-Geschmack dominiert die Füllung aus Avocado und Krabbe. Weniger wäre hier mehr.

DerBund.ch/Newsnet

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