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Gastkommentar zu Gabriel PalaciosQualifizierte Hypnose geht anders

Der Hypnose-Star Gabriel Palacios ist ein Marketingtalent. Sachlich ist sein Anspruch irreführend und anmassend. Ein Beitrag von Psychotherapeut René Hess zum «Bund»-Porträt über Palacios.

Gabriel Palacios, Hypnose-Star und Marketingtalent.
Gabriel Palacios, Hypnose-Star und Marketingtalent.
Foto: Urs Baumann

Zugegeben: Auch ich bin beeindruckt von Gabriel Palacios. Aber weniger wegen seiner Fähigkeiten als Hypnosetherapeut und Hypnoseausbildner denn wegen seiner geschickten und finanziell ergiebigen Marketingstrategien. Als Psychotherapeut vermisse ich im Porträt des selbst ernannten Hypnose-Popstars eine fundierte Auseinandersetzung mit Hypnose und Hypnotherapie.

Die Behauptung, dass sich Palacios längst vom Showbusiness verabschiedet habe, darf angezweifelt werden (lesen Sie an dieser Stelle das Porträt Palacios’: «Ich ziehe vernünftige Leute an» (Abo). Die Art der Selbstinszenierung als Hypnoseexperte in Fernsehauftritten, Radio und Presse ist Teil der Show. Er sucht die Bühne, die Aufmerksamkeit des Publikums – und es ist bemerkenswert, wie es ihm gelingt, die Medien dafür einzubinden, die Geschichte vom charismatischen Hypnosegenie zu verbreiten.

So wird etwa Palacios’ Aussage kolportiert, er habe bereits als Minderjähriger gelernt, andere Menschen zu hypnotisieren und Gedanken zu lesen. Es ist unmöglich, die Gedanken anderer Menschen zu lesen. Wir können Vermutungen über die Innenwelt anderer anstellen – aber die Innenwelt eines anderen Menschen zu betreten, ist nicht möglich. Die Behauptung, Gedanken lesen zu können, entbehrt jeglicher Grundlage; sie kann aber Menschen verunsichern oder beeindrucken und ist somit Teil der Show.

Das autoritäre Auftreten von Hypnotiseuren ist völlig veraltet und wird heute vorwiegend von Showhypnotiseuren, nicht aber von qualifizierten Hypnotherapeuten angewendet. Die Vorstellung eines mächtigen Hypnotiseurs, der sich mit seinen eindrücklichen Fähigkeiten am Klienten zu schaffen macht und jegliche Probleme des Klienten auf magische Weise zum Verschwinden bringt, ist Irrglaube. Hypnose ist eine Form der Kommunikation zwischen Hypnotherapeut und Klient, bei der bereits im Klienten vorhandene Fähigkeiten auf zieldienliche Art reaktiviert werden.

Umprogrammieren lassen sich Computer und andere softwaregesteuerte Maschinen – nicht aber das menschliche Gehirn. Der Hypnotherapeut ist nicht in der Lage, direkt und zielgerichtet Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und andere innere Prozesse zu verändern. Er macht dem Klienten Angebote, seine Aufmerksamkeit auf systematische und zieldienliche Weise zu fokussieren; so lassen sich bereits vorhandene Kompetenzen reaktivieren. Der wahre Held ist immer der Klient – die Rolle des Hypnosetherapeuten wird oft überschätzt. Die Behauptung, Palacios versetze «das Gehirn seiner Klienten durch Trancetechniken in einen Zustand, in dem das Unterbewusstsein direkt zugänglich wird», ist schlicht unhaltbar und anmassend.

Im Internetauftritt preist Palacios seine «heilsamen Techniken» all denen an, die mit ihrem Unterbewusstsein arbeiten wollen. Bloss, es gibt keine Technik, die an sich heilsam ist. Entscheidend ist, welche Bedeutung Klienten der praktizierten Technik geben. Klienten, die eine positive Erwartungshaltung gegenüber Hypnose haben, dürften somit eher profitieren als Klienten, die eine negative Erwartungshaltung haben. Ein Klient, der glaubt, von einer Hypnose-Koryphäe behandelt zu werden, und auch bereit ist, dafür 250 Franken pro Stunde auszugeben (Honorar von Palacios), dürfte eine positive Erwartungshaltung mitbringen.

Hypnotherapie – also die Anwendung von hypnotherapeutischen Mitteln – gehört in die Hände von qualifizierten Psychologinnen und Ärzten. Ein Metzger versteht meines Erachtens auch eine Menge von Anatomie – darf indessen keine Operationen an seinen Mitmenschen vollziehen. Ein Hypnoseexperte hingegen scheint der zu sein, der von sich sagt, er sei ein Hypnoseexperte.

Ein qualifizierter Psychologe, der klinische Hypnose anwendet, hat einen universitären Masterabschluss (mindestens 4 Jahre), eine berufsbegleitende Psychotherapieausbildung (nochmals mindestens 4 Jahre) und anschliessend eine hypnotherapeutische Weiterbildung (welche nochmals 2 Jahre dauert) absolviert. Es ist schon erstaunlich, dass einige Hypnose-Popstars meinen, diesen aufwendigen Weg nicht auf sich nehmen zu müssen.

Dr. René Hess ist eidg. anerkannter Psychotherapeut FSP und arbeitet am Systemischen Institut Bern.

10 Kommentare
    HRup

    Ich empfinde diesen Artikel besonders die unprofessionelle Kommunikation als arrogant und überheblich, vor allem die darin enthaltene Kritik. Ich persönlich kenne mehrere Menschen, die die oben genannten Falsch-Aussagen sofort belegen könnten. Mit diesem Artikel wird versucht den Eindruck zu erwecken, als seie Gabriel Palacios inkompetent und der Autor dieses Artikels der Einzige, der davon etwas versteht. Anstatt Sie sich mit all den zahlreichen Menschen freuen, denen durch das professionelle Team von Gabriel Palacios geholfen wird, investieren Sie Zeit in Kritik. Ich würde an Ihrer Stelle mit mehr Gelassenheit reagieren. Dann wirken sie sympathischer, kommen mit ihren Argumenten auch besser an und man hört ihnen eher zu. Auch hier könnten Sie sich von der ausdrucksstarken und kommunikativen Wort-und Schriftweise eines Gabriel Palacios etwas abschauen.