Zum Hauptinhalt springen

Erste Stellungnahme zum FallPutin will Nawalnys Ausreise ermöglicht haben

Noch im August hiess es seitens des Kremls, dass Russlands Präsident nicht an der Ausreise beteiligt gewesen sei. Nun hat Wladimir Putin seine eigene Version dargelegt.

Wladimir Putin während einer Videokonferenz ausserhalb Moskaus.
Wladimir Putin während einer Videokonferenz ausserhalb Moskaus.
Foto: Alexei Druzhinin (Kremlin/Sputnik/Keystone)

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach eigener Darstellung seinem Gegner Alexei Nawalny nach dessen mutmasslicher Vergiftung selbst die Ausreise nach Deutschland ermöglicht. Er habe bei der Staatsanwaltschaft darum ersucht, den Weg für Nawalnys Behandlung freizumachen – obwohl es gegen den 44-Jährigen Beschränkungen wegen anhängiger Strafverfahren gegeben habe. Das sagte Putin am Donnerstag bei einem im Staatsfernsehen übertragenen Expertenforum. «Wenn der Machtapparat den Figuranten hätte vergiften wollen, dann hätte er ihm wohl nicht erlaubt, nach Deutschland auszufliegen», sagte Putin.

Der Kreml hatte im August betont, dass Putin nicht an der Ausreise beteiligt gewesen sei. Nun sagte Putin in seiner ersten persönlichen Stellungnahme zu dem Fall, er habe damit auf eine schriftliche Bitte der Ehefrau Nawalnys reagiert. Er nennt Nawalny nie beim Namen.

Nawalny war am 20. August auf einem Flug in Sibirien zusammengebrochen und wurde zwei Tage später zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen. Nach dem Befund eines Speziallabors der Bundeswehr wurde Nawalny mit dem Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Das sollen auch Labors in Frankreich und Schweden bestätigt haben. Das Nervengift ist international geächtet.

Putin: «Geben Sie uns Beweise!»

Nawalny hatte Putin persönlich für den Anschlag verantwortlich gemacht. Er erklärte auch, dass Russland die Überstellung nach Deutschland stark verzögert habe, weil der Kreml wohl gehofft habe, dass das Gift nach der Ankunft nicht mehr im Körper nachweisbar sein werde.

Putin beklagte am Donnerstag, dass Russland bisher keine Dokumente für ein Verbrechen präsentiert worden seien. «Geben Sie uns Beweise!», sagte er. Zugleich bot er an, dass sich russische Experten an einer möglichen internationalen Untersuchung des Falls beteiligen könnten. Der Kremlchef sagte, dass es in Russland keine Ermittlungen geben könne, solange keine Beweise für ein Verbrechen vorlägen.

Nawalny machte sich umgehend bei Twitter darüber lustig, dass Putin nun noch versuche, als sein Retter aufzutreten. (Lesen Sie hier: Hintergrund zu Alexei Nawalny: Der Krimi um den vergifteten Putin-Gegner.)

SDA

33 Kommentare
    Berthold Siegenthaler

    Wenn der russische Geheimdienst über Nervengifte verfügt, und das ist anzunehmen, warum setzt er nicht einen Stoff ein, der sicher zum Tod führt, z.B. Arsen, Strichnin, Zyankali und Ähnliches?

    Sollen diese Vergiftungen mit Novitschok als Warnung zu verstehen sein?