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Pulver macht Druck bei Stadttheater und BSO

Pulvers Präsenz: «Ich habe mir vorgenommen, das Projekt 'Neues Theater Bern' noch sichtbarer zu begleiten. (Adrian Moser)

Die Zusammenführung von Stadttheater und Berner Symphonieorchester beschäftigt die Politik schon seit drei Jahren. Sie haben als Vertreter des Subventionsgebers Kanton die Stossrichtung des jüngsten Berichts begrüsst. Was macht Sie so zuversichtlich, dass sich endlich eine Lösung abzeichnet?

Auch nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit ist bei beiden Institutionen von einem Wirgefühl noch immer wenig zu spüren.

Bei der Stadttheater-Belegschaft herrscht der Eindruck vor, dass vor allem das Theater bluten muss, während das BSO kaum Abstriche an seinem bisherigen Leistungsauftrag in Kauf nehmen muss.

Immerhin ist die Rede davon, dass die Zahl der Aufführungen im Musiktheater von 100 auf 70 reduziert werden soll. Das BSO jedoch kann weiter wie bisher 15 Doppelkonzerte machen. Ist da die Frustration des Stadttheaters nicht verständlich?

Das BSO hat laut Leistungsvertrag 97 Vollstellen, faktisch sind es derzeit 99, fast gleich viel wie das Zürcher Tonhalle-Orchester, das immerhin 100 000 Zuschauer vorweisen kann. Die Rede ist von einer Reduktion um etwa 5 Stellen. Ist das nicht zu wenig?

Und was ist mit dem Leistungsauftrag der neuen Organisation?

Das Stadttheater befürchtet unter anderem, dass sich das BSO bei weniger Musiktheateraufführungen noch mehr aufs Sinfonische konzentrieren kann und das Ungleichgewicht so noch verstärkt wird.

Die Politik beschränkt sich auf Qualitätsvorgaben?

Kantonaler Kulturminister zu sein in Zeiten schrumpfender Kulturausgaben...

Jürg Keller ist bereits der dritte Projektleiter, der sich an einer Zusammenführung von Stadttheater und BSO die Zähne ausbeisst. Für das Hickhack zwischen den beiden Institutionen hat die Öffentlichkeit immer weniger Verständnis. Ist es nicht an der Zeit, dass die Politik, also die Subventionsgeber, endlich ein Machtwort spricht?

Die Zeit der freundlichen Appelle und Ermahnungen ist vorbei?

Es wird also so oder so...

Diese neue Organisation wird also noch 2010 gegründet?

Es ist schwer vorstellbar, dass jemand vom Symphonieorchester oder vom Stadttheater diese Funktion übernehmen wird. Favorisieren Sie eine unbelastete Persönlichkeit von aussen?

Ein Streitpunkt sind auch die 4,9 Millionen Franken, die das BSO für Orchesterdienste beim Stadttheater erhält. Das BSO betrachtet sie als sein Geld, während das Stadttheater daran interessiert ist, über diesen Betrag frei zu verfügen.

Mitunter hat man den Eindruck, dass Sie und der städtische Kulturchef, Stadtpräsident Alexander Tschäppät, die Situation unterschiedlich beurteilen. Ziehen Sie beide beim Projekt «Neues Theater Bern» am gleichen Strick?

...im Gegensatz zu Alexander Tschäppät...

Und das haben Sie getan?

Sie wollen stärker als politischer Verantwortungsträger antreten?

«Reduce to the max» lautet Ihr Motto in Zeiten der Finanzknappheit. Gefragt sind intelligente Kooperationen, das geschickte Nutzen von Synergien.

Verglichen mit anderen Kantonen mit einer grossen Zentrumsstadt gibt der Kanton Bern mit 50 Franken pro Kopf und Jahr eher wenig für Kultur aus. Stört Sie das?

Gerade beim Stadttheater ist der Zuschauerschwund dramatisch.

Leuchttürme im Berner Kulturangebot sind das Zentrum Paul Klee und das Kunstmuseum, die ab 2012 wegen ihrer nationalen Ausstrahlung zu 100 Prozent vom Kanton finanziert werden. Können wir uns das ZPK und das Kunstmuseum zusammen überhaupt leisten?

Haben Sie immer noch Anspruch an den Bund, dass dieser sich an der Hauptstadtkultur stärker finanziell beteiligt?

Könnte die Zusammenführung von BSO und Stadttheater Modellcharakter für weitere Fusionen und Kooperationen im Kanton haben?

Sollte man auch eine stärkere Zusammenarbeit der Kantone in gewissen Kultursparten wagen? Etwa die oft diskutierte Ballettkooperation zwischen Luzern und Bern?

Bewegte Zeiten hat das kantonale Amt für Kultur hinter sich: Es gab viele Abgänge und Kritik am Führungsstil der Amtsinhaberin. Ist wieder Ruhe eingekehrt?

Aber beim Projekt «Neues Theater Bern» nehmen Ihre Sorgen ab?