Zum Hauptinhalt springen

Velorouten im Kanton BernPolitischer Rückenwind für Velopendler

Möglichst freie Fahrt für Velos: In den Agglomerationen sollen schnelle und sichere Velobahnen gebaut werden. Grossratsmitglieder drücken aufs Tempo.

Statt bei der Einmündung des Berner Neufeldtunnels abgebremst zu werden, können Velofahrende auf einer eigenen Spur stadteinwärts sausen.
Statt bei der Einmündung des Berner Neufeldtunnels abgebremst zu werden, können Velofahrende auf einer eigenen Spur stadteinwärts sausen.
Foto: Adrian Moser

Der grüne Grossrat Bruno Vanoni aus Zollikofen will die Gunst der Stunde nutzen. Er hat im Kantonsparlament eine Motion für eine zweite kantonale Velo-Offensive eingereicht, die von Kolleginnen und Kollegen praktisch aller Parteien unterzeichnet wurde. Sein Ziel: Der Kanton soll beim Bau von schnellen Velorouten schneller vorwärtsmachen.

Der Kanton wiederum hat am Montag Neuerungen im Sachplan Velo publik gemacht. Im Plan sind nun Korridore festgelegt, «in denen Vorrangrouten für Velos geprüft und wo möglich geschaffen werden». Vorrangrouten liegen in den Agglomerationen und verknüpfen wichtige Ziele im Alltagsverkehr mit «attraktiven, sicheren und schnellen Verbindungen», heisst es in der Mitteilung.

Kanton soll antreiben

Das Wort «geprüft» hat Grossrat Vanoni jedoch stutzig gemacht. Er weist im Text zu seiner Motion darauf hin, dass der Kanton zu einem früheren Zeitpunkt solche Vorrangrouten in Zusammenarbeit mit den Regionen und Gemeinden noch habe «planen» wollen. «Prüfen» klingt weniger verbindlich. Bei Vanoni kam der Eindruck auf, die Kantonsregierung habe die Rolle des Kantons abgeschwächt.

Dies möchte Vanoni verhindern. Er vermute, sagt er auf Anfrage, manche Projekte würden nicht vom Fleck kommen, wenn der Kanton nicht eine motivierende Rolle spiele. Es sei deshalb wichtig, dass der Kanton Vorschläge von Regionen und Gemeinden nicht nur prüfe, sondern diese regelrecht vorantreibe. «Es geht ja nicht darum, etwas Neues zu erfinden», sagt Vanoni, «sondern darum, einer anerkannten Idee zum Durchbruch zu verhelfen.»

Er befürchtet, dass gute Projekte im Planungsstadium hängen bleiben. So sei für das «wichtige» Projekt einer Velopendelverbindung von Bern nach Rubigen und Münsingen bis ins Jahr 2027 bloss eine Studie angekündigt. Es werde also «viele Jahre lang» nichts Konkretes geschehen.

Dabei dränge die Zeit, sagt der grüne Grossrat. Der Corona-Lockdown habe allen vor Augen geführt, wie gross das Potenzial des Veloverkehrs sei. Gemäss einer ETH-Studie haben sich die per Velo zurückgelegten Strecken in dieser Zeit verdreifacht. Vanoni spricht von einem Veloboom. Es sei an der Zeit, der Velo-Offensive neuen Schub zu verleihen.

Tatsächlich hatte Vanoni bereits 2017 im Kantonsparlament einen Vorstoss eingereicht für eine erste Velo-Offensive. Schon damals fand seine Forderung nach der Einrichtung von Velobahnen für den schnellen Veloverkehr, insbesondere mit E-Bikes, Unterstützung.

Sicheres Überholen ist möglich

Velohauptrouten sind vielversprechend. In der Region Bern gibt es solche seit 2016. Die erste war jene vom Hauptbahnhof ins Wankdorf. Eine weitere führt nach Köniz, eine dritte nach Ostermundigen. Eine ganze Reihe weiterer Routen ist geplant – etwa solche nach Bümpliz und Bethlehem oder eine nach Wabern. Die Velostreifen auf Hauptrouten sind breiter als sonst. E-Bikes können darauf andere Velos sicher überholen. Die Lichtanlagen sind so gesteuert, dass Velofahrende möglichst wenig anhalten müssen.

Mehrere Velohauptrouten in der Stadt Bern sind bereits realisiert.
Mehrere Velohauptrouten in der Stadt Bern sind bereits realisiert.
Tiefbauamt der Stadt Bern

Ein zusammenhängendes Veloroutennetz für die Region Bern ist auch das Ziel der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKMB). Dieses Netz soll «rasch und koordiniert» vorangetrieben werden, heisst es bei der RKMB. Attraktive Routen mit erhöhtem Standard leisteten einen substanziellen Beitrag zur Entlastung von Bussen, Zügen und Strassen in den Hauptverkehrszeiten.

Martin Moser, Fachbereichsleiter Verkehr bei der RKMB, ist ebenfalls der Ansicht, dass das Potenzial des Veloverkehrs gross ist. Angestrebt werde bei der RKMB ein engmaschiges, attraktives und vor allem sicheres Netz. Auf diesen Velowegen sollen sich Kinder, die innerhalb eines Dorfes mit dem Velo zur Schule fahren, genauso wohlfühlen wie Pendlerinnen und Pendler, die über weite Strecken und über Gemeindegrenzen hinweg unterwegs sind. Velowege seien dann ideal, sagt Moser, wenn man sich darauf schnell bewegen könne, ohne immer wieder abbremsen oder gar anhalten zu müssen. Wichtig sei deshalb, dass Velowege möglichst kreuzungsfrei seien.

Als Beispiel eines künftigen Projekts nennt Moser eine Veloroute durch das Worblental. Die Idee sei, die Route möglichst von der Hauptstrasse entfernt zu führen. Die Suche nach guten Lösungen sei aber anspruchsvoll, manchmal sogar schwierig, wenn es zum Beispiel um Verhandlungen mit Landbesitzern gehe. Wirklich gute Lösungen liessen sich deshalb selten auf die Schnelle realisieren, sagt Moser.

Wie die Velozukunft in der Region Bern im Jahr 2040 aussehen könnte, zeigt eine Karte der RKMB. Velohauptrouten führen von der Stadt Bern aus in alle Himmelsrichtungen bis nach Lyss, Burgdorf, Laupen oder gar Thun. Alles nur schöne Träume? Nein, sagt Martin Moser, in fünf Korridoren seien die Planungen bereits voll im Gang.

6 Kommentare
    Hélène von Aesch

    Fein, wenn es sichere Velowege gibt und die Markierungen auf Strassen an gefährlichen Stellen finde ich wichtig weil hilfreich.

    Wenn Velorouten und -wege zur Verfügung stehen müssen diese auch genutzt werden. Velofahrer müssen davon absehen durch Fahrverbote (enorm lästig für Fussgänger) und Einbahnstrasse (richtig gefährlich) zu fahren weil es schöner oder kürzer ist.