Zum Hauptinhalt springen

Kunst-RankingPlatz eins für «Black Lives Matter»

Das Magazin «Art Review» hat seine jährliche «Power 100»-Liste mit den einflussreichsten Personen der Kunstwelt veröffentlicht.

Ein Graffiti-Künstler sprayt in Manchester ein Bild von George Floyd. Der Tod des Afroamerikaners hat zu zahlreichen Protestkundgebungen der «Black Lives Matter»-Bewegung geführt.
Ein Graffiti-Künstler sprayt in Manchester ein Bild von George Floyd. Der Tod des Afroamerikaners hat zu zahlreichen Protestkundgebungen der «Black Lives Matter»-Bewegung geführt.
Foto: Getty Images

Die jährliche «Power 100»-Liste, das Ranking der einflussreichsten Personen der internationalen Kunstwelt, wird dieses Jahr nicht von einem Künstler, einer Galeristin oder einer Museumsdirektorin angeführt, sondern von «Black Lives Matter». Und schon auf Platz vier der Liste, die jedes Jahr vom britischen Magazin «Art Review» herausgegeben wird, findet sich eine weitere soziale Bewegung: «MeToo».

Auch sonst hat sich ein Trend, der schon im letzten Jahr zu beobachten war, noch einmal erheblich verstärkt: Die alten Machthaber des Kunstbetriebs verlieren ihre prominenten Positionen. Da ist Glenn Lowry, der Direktor des New Yorker Museum of Modern Art: Im letzten Jahr stand er auf dem ersten Platz, nun nur noch auf dem siebten. Oder die Grossgaleristen Larry Gagosian, David Zwirner und Iwan Wirth, die sich mit den Plätzen 29, 30 und 31 zufriedengeben müssen. Auch der unermüdliche Hans Ulrich Obrist ist von Platz 12 auf Platz 19 abgestiegen.

Der Kunstbetrieb erweitert sich – von Bénédicte Savoy bis Achille Mbembe

Wissenschaftler, Denker, Aktivisten, Frauen und Kunstakteure aus dem globalen Süden rücken hingegen immer mehr an die Spitze. Bénédicte Savoy und Felwine Sarr, die intellektuellen Motoren der Debatte über die Restitutionen kolonialer Beutekunst, sind vom sechsten auf den dritten Platz aufgestiegen.

Während die Zahl der Künstler auf der Liste zurückgegangen ist, sind einige prominente Personen erstmals vertreten, die man dem Kunstbetrieb im engeren Sinn bisher nicht zugerechnet hat: die Gender-Theoretikerin Judith Butler etwa, der Postkolonialismus-Denker Achille Mbembe oder der Philosoph Bruno Latour.

Die Schweizer Kunstsammlerin Maja Hoffmann belegt den Platz 55. Und Marc Spiegler, Global Director der Art Basel, ist zusammen mit James Murdoch auf Platz 79 zu finden.

2 Kommentare
    Klaus Weber-Fink

    Schönes Symbolbild: ein Serienkrimineller, der gewalttätig schwangere Frauen angreift, als Posterboy der Preisträger der Kunstwelt. Sagt viel aus über die internationale Kunstwelt