Zum Hauptinhalt springen

Mit vier Goldmedaillen in den Olymp

In acht Rennen tritt Schwimmer Michael Phelps an, 8-mal hat der Amerikaner die Chance auf Gold. Aber bereits mit vier Siegen ist der 23-Jährige der erfolgreichste Goldsammler der Geschichte.

Der Rummel war gewaltig, erstaunlich waren die Dutzenden von Fernsehkameras und Hunderte von Medienschaffenden freilich nicht. Geladen ins Pressezentrum hatte der amerikanische Schwimmverband. Also eigentlich Phelps. Denn um ihn ging es, er ist auserkoren, der grosse Star der Spiele zu werden. In acht Rennen (plus Vorläufe und Halbfinals) geht der 23-Jährige aus Rodgers Forge in Maryland an den Start, achtmal kann er Gold gewinnen. Der siebenfache Weltmeister von 2007 wäre der Erste, dem dies gelingen würde. Unerreicht ist immer noch sein Landsmann Mark Spitz, der 1972 in München siebenmal Olympiasieger wurde.

Phelps sitzt also auf dem Podium, lässt das Blitzlichtgewitter über sich ergehen und lächelt. Er wirkt keineswegs so, als drücke ihn die Last der Erwartung zu Boden. «Hört mal», sagt er auf entsprechende Fragen, «das ist eure Geschichte. Ich habe nie gesagt, dass ich hier achtmal Gold gewinnen will. Meine Ziele kennen nur mein Trainer und ich.»

«Nimm das Zeug da runter»

Der Trainer heisst Bob Bowman, er ist seit dem 11. Lebensjahr die wichtigste Bezugsperson von Phelps[0], neben seiner Mutter Debbie. Das Vertrauen zwischen den Männern ist grenzenlos, Phelps[0] betont immer wieder, dass er ohne Bob nicht dort wäre, wo er mittlerweile angekommen ist. In der «L. A. Times» erzählte Phelps[0] die Geschichte, als er mit damals 15 Jahren von den Spielen in Sydney heimkehrte. Die Mutter hatte das Haus mit Willkommensgrüssen und Fahnen grosszügig geschmückt, Bowman reagierte grob: «Er sagte nur: Debbie, nimm das Zeug da runter», erinnert sich Phelps. Bowman hatte Angst, dass der Teenager durch diese Vorschusslorbeeren den Blick für die Realität verliere und vergesse, dass mit einem 5. Rang noch gar nichts erreicht sei.

Acht Jahre später steht Phelps vor dem bislang grössten Auftritt seines Lebens. Nach sechs Olympiasiegen in Athen 2004 fehlen ihm noch vier, um zum erfolgreichsten Goldsammler aller Zeiten zu werden: Bislang führen in dieser Statistik die Leichtathleten Paavo Nurmi und Carl Lewis, die Kunstturnerin Larissa Latynina und Spitz mit jeweils neunmal Gold. Dass er dieses Ziel erreicht, daran zweifelt eigentlich niemand, es sei denn, Phelps verletze sich. Wie im Oktober 2007, als er stolperte, sich auffangen wollte und dabei das Kahnbein an der rechten Handwurzel brach. Eine Operation war nötig, Phelps[0] war am Boden zerstört, er getraute sich nicht, Bowman vom Missgeschick zu unterrichten, das musste sein Coach von der Michigan State University übernehmen.

«Ich will hier Spass haben»

An der Pressekonferenz ist das kein Thema mehr. Phelps[0] hat seit Dezember wieder voll trainieren können, er verbesserte danach den Weltrekord über 200 m und 400 m Lagen, hält die Jahresweltbestleistungen über 200 m Freistil, 100 m und 200 m Delfin. Kurz: Phelps[0] ist bei allen fünf Einzelstarts der aktuell Schnellste. «Das stimmt», sagt Phelps[0], «aber das ändert nichts daran: Ich rede hier nicht über die Anzahl der Medaillen, ich will hier Spass haben.» Der Spass erhöht sich möglicherweise, wenn er das angeblich bloss von den Medien diskutierte Ziel erreicht: Stellt er den Rekord von Spitz mit sieben Medaillen ein, bekommt er von seinem Ausrüster Speedo eine Million Dollar.

Auf fünf Millionen Dollar wird sein Jahreseinkommen geschätzt, wer den amerikanischen TV-Sender NBC einschaltet, kommt in diesen olympischen Tagen um Werbespots mit Phelps[0] nicht herum. NBC hat seinen Einfluss sogar dazu genutzt, die Schwimmfinals auf den ungewohnten Morgen Ortszeit Peking verschieben zu lassen. Das ist die beste Sendezeit daheim bei Phelps[0]. Für NBC ist also klar, wer die Spiele 2008 prägen wird. Und vielleicht darf Mutter Debbie dann sogar das Haus schmücken.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch