Zyklon Pam zerstörte bis zu 80 Prozent der Häuser

Drei Tage nach dem heftigen Sturm kämpfen die Rettungskräfte auf Vanuatu nach wie vor damit, zu entlegenen Inseln zu gelangen. Die UNO geht 24 Toten aus.

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Such- und Rettungskräfte haben im verwüsteten Vanuatu versucht, zu verlassenen äusseren Inseln der südpazifischen Archipels vorzudringen. Drei Tage nach dem Zyklon Pam wurde damit begonnen, die Radio- und Telefonsysteme in den Aussengebieten wiederherzustellen, der Empfang blieb jedoch äusserst schlecht. Deshalb ist nach wie vor unklar, wie hart Pam die kleineren Inseln fernab der Hauptstadt Port Vila getroffen hat. Auch mit schlechten Wetterbedingungen mussten die Hilfskräfte nach wie vor kämpfen.

Der Zyklon hatte auf Vanuatu 24 Menschen getötet, wie das UNO-Büro für die Koordination von Hilfseinsätzen am Montag mitteilte. Ausserdem seien 3300 Menschen obdachlos geworden, die in 37 Notunterkünften versorgt würden. Hilfsorganisationen in der Hauptstadt Port Vila warnten, Trinkwasser und Lebensmittel würden knapp.

Der Katastrophenschutz von Vanuatu beanspruchte alle verfügbaren Flugzeuge und Helikopter dafür, um über die äusseren der insgesamt mehr als 80 Inseln des Archipels zu fliegen und die dortigen Schäden abzuschätzen. Ein Bericht wurde im Laufe des Dienstags erwartet.

Hälfte der Bewohner betroffen

Mindestens die Hälfte der rund 267'000 Einwohner, die 65 der Inseln bewohnen, sei vom Zyklon betroffen, sagte der Leiter des Rotes Kreuzes in Vanuatu, Hannington Alatoa. Die UNO-Kinderhilfsorganisation Unicef schätzt, dass sich darunter mehr als 54'000 Kinder befinden. Präsident Baldwin Lonsdale sagte, viele Hilfsgüter wie Planen, Wasser, Bauwerkzeuge und Medizin würden gebraucht und bat um internationale Hilfe.

Australische und neuseeländische Hilfsorganisationen flogen bereits erste Hilfslieferungen ein, nachdem der Flughafen von Port Vila wieder geöffnet worden war. Mit den ersten kommerziellen Flügen wurden auch gestrandete Touristen ausgeflogen.

Bei den Flügen sei auch ein erstes Ausmass der Schäden einschätzbar gewesen, sagte die australische Aussenministerin Julie Bishop. Auf der Insel Tanna beispielsweise erscheine es, als ob mehr als 80 Prozent der Häuser und weiteren Gebäude teilweise oder komplett zerstört worden seien. Bilder zeigten eine weitreichende Zerstörung, sagte Bishop. «Es wurden nicht nur Gebäude plattgemacht – auch Palmenplantagen, Bäume. Es ist eine ziemlich verheerende Ansicht.»

Vanuatu kämpft mit der Erderwärumg

Präsident Lonsdale hatte Pam in einem AP-Interview als «ein Monster» bezeichnet. Er gab dem Klimawandel eine Mitschuld an dem Zyklon. Die zunehmende Erderwärmung mache sich in Vanuatu bereits seit geraumer Zeit durch steigenden Meeresspiegel und voranschreitendem Landverlust an den Küsten bemerkbar. Erste Anwohner mussten bereits in höher gelegene Gebiete umgesiedelt werden. Wissenschaftler sagen allerdings, dass vereinzelte Wetterphänomene wie Pam nicht mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden könnten.

Der Zyklon war am Samstag mit gewaltiger Kraft über den Archipel hinweggezogen. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde.

chk/sda

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