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«Wir waren drei Stunden in einer Bar eingeschlossen»

Nach der Amokfahrt mit einem Lastwagen in Stockholm waren zahlreiche Menschen in Läden und Restaurants eingeschlossen. Eine Schweizer Augenzeugin erzählt.

Erschütternde Videos: Nach der Amokfahrt mit einem Lastwagen in Stockholm ist eine Augenzeugin in einer Bar eingeschlossen. Video: Tamedia/Leserreporterin

Die Schweizer Touristin, Désirée Furrer, die die Amokfahrt in Stockholm aus einem Laden beobachtet hat, musste drei Stunden in einer Bar warten, wie sie zu Redaktion Tamedia sagt. «Um 18 Uhr sind Polizisten in die Bar gekommen und haben den Gästen gesagt, sie können zwar keine hundertprozentige Sicherheit garantieren, doch wer gehen will, darf gehen.»

«Wir waren schon so lange da drin und wollten darum gehen.» Die Polizisten seien sehr ruhig gewesen und locker aufgetreten. Nun sucht die Schweizerin mit ihrer Begleitung einen Weg ins Hotel. Sie vermutet, dass dieses in der Zone liegt, die noch immer abgesperrt sei.

«Nichts hat offen»

Läden und Restaurants seien alle zu. Und auch der ÖV fährt nicht. «Wir gehen jetzt zu einer Polizeisperre und fragen nach dem Weg», sagt Furrer. «Wenn wir es ins Hotel geschafft haben, werden wir heute dort bleiben.» An ihrem Plan, heute auf Shoppingtour zu gehen, will sie festhalten. «Das holen wir voraussichtlich morgen nach.»

«Ich hörte Menschen schreien»

«Wir waren in einem Laden, als wir draussen einen Lastwagen vorbeirasen sahen», sagt eine Augenzeugin zu Redaktion Tamedia. Danach habe sie Menschen schreien gehört. Die Polizei habe daraufhin alle Laden- und Restaurantbesitzer aufgefordert, ihre Geschäfte abzuschliessen.

Niemand dürfe auf die Strasse hinaus. «Wir sind in einer Bar eingeschlossen. Draussen sieht man keine Passanten mehr, nur noch Sanitäter und schwer bewaffnete Polizisten.» Diese seien mit Maschinenpistolen ausgerüstet. «Vis-à-vis von uns ist ein Restaurant, dieses ist komplett voll.»

Menschen flüchten panisch

«Lauft, lauft!» ruft die Polizei den Menschen auf der Einkaufsmeile Drottninggatan zu. Die Strasse mitten im Herzen Stockholms ist am Freitagnachmittag voll von Hauptstädtern, die noch schnell Wochenendeinkäufe erledigen, und Touristen, die einfach bummeln wollen. Um kurz vor 15.00 Uhr rast ein Lastwagen in die Menge und von dort in das Kaufhaus Åhléns.

Fernsehbilder zeigen, wie Menschen panisch aus dem Shopping-Center und von der Strasse flüchten. «Es war fürchterlich. Unmengen von Blut auf der Strasse, Menschen lagen überall», sagt ein Augenzeuge. «Viele um mich herum waren hysterisch», erzählt eine andere Augenzeugin dem schwedischen Fernsehen mit Tränen in den Augen.

«Ich wäre umgefahren worden»

«Eine Frau stand da mit ihrem Baby auf dem Arm und wirkte wie paralysiert», sagt ein Schwede im Fernsehen. Mehrere Menschen sind tot, etliche verletzt – aber wie viele genau, das ist unklar.

«Wäre ich eine Minute später dort hingekommen, wäre ich umgefahren worden. Ich habe Menschen gesehen, die gestorben sind», sagt die Schwedin Sandra Japundzic Lindquist dem Radiosender Ekot.

Alles steht still

Stockholms Innenstadt ist kein sicherer Ort, warnt die Polizei. Die meisten zentralen Strassen werden am Nachmittag gesperrt, die U-Bahn stellt den Betrieb ein. Am Hauptbahnhof bewegt sich nichts mehr.

Kunden und Verkäufer eines Modegeschäfts neben dem Kaufhaus müssen im Laden ausharren, solange niemand weiss, ob der Täter noch frei herumläuft. Auch den Reichstag darf niemand verlassen. «Es gibt gerade so viele Gerüchte. Wir arbeiten hart daran, herauszufinden, was passiert ist», sagt eine Sprecherin der Sicherheitspolizei.

«Schweden ist angegriffen worden»

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven spricht schnell von Terror. «Schweden ist angegriffen worden. Alles deutet auf eine Terrortat hin», sagt er dem Fernsehsender SVT. Der Verdächtige soll den Lastwagen gestohlen haben. Bestätigen kann das aber zunächst niemand.

In der sonst so lebhaften schwedischen Hauptstadt sind die Strassen am späten Nachmittag wie leergefegt. Absperrband flattert, dahinter warten Menschen in leuchtend-gelben Warnwesten, wie Bilder der britischen BBC zeigen. Rettungsfahrzeuge stehen mit Blaulicht in den Strassen. Menschen in Feuerwehrkluft und Polizisten gehen durch die Strassen.

Am Himmel: graue Wolken. Das Wochenende, auf das sich die Menschen in ihrer sonst so friedlichen und sicheren Stadt gefreut haben, ist von Tod und Leid überschattet.

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