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«Werde so bald keine Torte mehr essen»

Nach der fiesen Torten-Attacke will Micheline Calmy-Rey weder von rechtlichen Schritten noch von Bodyguards etwas wissen. Die Alt-Bundesrätin nimmts gar mit Humor.

Kurz vor dem Tortenwurf: Calmy-Rey im Gespräch mit dem Angreifer.
Kurz vor dem Tortenwurf: Calmy-Rey im Gespräch mit dem Angreifer.

Micheline Calmy-Rey will sich offenbar nicht auf das Niveau jenes Mannes herablassen, der ihr vorgestern Abend eine Torte ins Gesicht gedrückt hat.

«Ich werde keine Anzeige erstatten. Ich verachte dieses Verhalten ganz einfach, das jeden Dialog von vornherein ausschliesst», sagt die Alt-Bundesrätin gegenüber «Le Matin».

Für einen Moment blind

Im ersten Moment nach der Attacke war Calmy-Rey geschockt: «Er hat mir den Finger ins Auge gedrückt, ich war für einen Moment blind», erinnert sie sich gegenüber «24 Heures». Die Torte im Gesicht, habe sie sich gefragt, wie sie «in diesem Aufzug mit dem Tram nach Hause fahren» solle.

Nach Hause gebracht wurde die 66-jährige Ex-Magistratin schliesslich von den Veranstaltern des Anlasses, an dem sie vor dem Angriff über Menschenrechte gesprochen hatte. Menschenrechte beschäftigten auch den Tortenwerfer: Calmy-Rey, so sein Vorwurf kurz vor dem Tortenwurf, habe diese in der Affäre um die Genfer Kantonalbank vor rund 12 Jahren mehrfach verletzt.

«Man kann mir vieles vorwerfen»

Calmy-Rey zeigte sich gegenüber «Le Matin» verärgert über den Vorwurf: «Dieser Monsieur war offensichtlich schlecht informiert», sagte sie gegenüber «24 Heures». Genau das Gegenteil sei der Fall: «Man kann mir vieles vorwerfen. Aber die Genfer Kantonalbank gibt es heute nur, weil ich damals die Angelegenheit in die Hand genommen und einen Rettungsplan eingefädelt habe.»

Calmy-Rey war vor ihrer Zeit im Bundesrat Genfer Finanzdirektorin. Als solche sass sie auch im Verwaltungsrat der Genfer Kantonalbank, die damals von einem schweren Skandal um das oberste Management erschüttert worden und in Schieflage geraten war.

«Ich mag meine Freiheit»

Der Tortenwerfer ist in Genf wohlbekannt: Als ehemaliger Besitzer eines Jazzclubs sieht er sich als Opfer der Bankaffäre. Sein Lokal, so berichtet «Le Matin», sei in der Folge der Bankaffäre in Konkurs gegangen.

Eigentlich hätte Calmy-Rey Anspruch auf Personenschutz – bis ein Jahr nach ihrem Rücktritt können abgetretene Mitglieder der Landesregierung diesen beim Bund beantragen.

Davon aber will Calmy-Rey auch weiterhin nichts wissen: «Ich mag meine Bewegungsfreiheit sehr», sagt sie. Und lacht: «Bis gestern Abend habe ich mich auch nicht besonders bedroht gefühlt.» Sie lasse sich nicht beeindrucken und werde weiterhin das Tram nehmen. Nur eines: «So bald werde ich wohl keine Torte mehr essen.»

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