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Während der Geiselhaft hat er 50 Kilogramm abgenommen

Mehrere Monate befand sich ein Deutscher in Kamerun in der Gewalt der islamistischen Sekte Boko Haram. Nach seiner Befreiung erzählt er, was er erlebte.

Rund ein halbes Jahr mit den Terroristen verbracht: Die deutsche Geisel nach ihrer Befreiuung. (21. Januar 2015)
Rund ein halbes Jahr mit den Terroristen verbracht: Die deutsche Geisel nach ihrer Befreiuung. (21. Januar 2015)
Keystone

Rund ein halbes Jahr nach seiner Entführung durch die Islamistengruppe Boko Haram in Nigeria ist ein deutscher Staatsbürger freigekommen. Er habe bis zuletzt nicht gewusst, ob er überleben werde, sagte der ausgemergelte, bärtige Robert N. vor Journalisten am Internationalen Flughafen von Jaunde in Kamerun. Der in Nigeria tätige Lehrer war im Juli von der Extremistengruppe gefangen genommen und letztlich mit Hilfe der Regierung von Kamerun befreit worden. Am Mittwoch hatte das Auswärtige Amt seine Befreiung bestätigt.

Robert N. sagte, ein grosses Problem sei gewesen, dass er in Dunkelheit gehalten worden sei. Er habe niemanden um sich sehen können und über lange Zeit mit niemandem gesprochen. Deshalb sei es so schwer gewesen, seine Überlebenschancen einzuschätzen. Die gesamte Zeit seiner Gefangenschaft habe er in einem dreckigen Raum verbracht. Insgesamt habe er über die Monate 50 Kilogramm Gewicht verloren.

Durch Armee befreit

Der kamerunische Staatschef Paul Biya erklärte in einer Mitteilung, N. sei in der Nacht zum Mittwoch bei einem Einsatz der kamerunischen Armee und von «befreundeten Ländern» befreit worden. Der Deutsche war demnach im Juli 2014 im Norden Nigerias von Boko-Haram-Kämpfern verschleppt worden.

Boko Haram, was sich sinngemäss mit «westliche Bildung ist Sünde» übersetzen lässt, kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im armen und mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen etwa 13.000 Menschen.

Tschad schickte Truppen nach Kamerun

In jüngster Zeit dehnte die Islamistengruppe ihre Angriffe auch auf Kamerun aus. Der Tschad entsandte daraufhin Truppen, um den Kampf gegen die Extremisten zu unterstützen. In der nigrischen Hauptstadt Niamey hatten Nigeria und mehrere Nachbarstaaten am Dienstag über ihr weiteres Engagement gegen Boko Haram beraten.

Die Afrikanische Union (AU) gab an, zur Bekämpfung der Gruppe seien Truppen aus ganz Afrika notwendig. «Boko Haram ist nicht nur für Nigeria und die Region eine Bedrohung, sondern für den Kontinent als ganzen», erklärte AU-Kommissionschefin Nkosazana Dlamini-Zuma. Das Vorgehen der Extremisten nannte sie «feige».

Weiter forderte Dlamini-Zuma eine Resolution der Vereinten Nationen zur Aufstellung einer multinationalen Truppe gegen Boko Haram. Zudem müsse es einen Sonderfonds zu deren Finanzierung geben, erklärte sie. Die Entscheidung des Tschad, Truppen nach Kamerun zu entsenden, begrüsste Dlamini-Zuma ausdrücklich.

Hunderte Tote bei Angriff

Boko Haram hatte sich am Dienstag zu einem Angriff mit hunderten Toten auf die nigerianische Handelsstadt Baga am Tschadsee zu Monatsbeginn bekannt. In einer Videobotschaft drohte der Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau zudem allen Staaten, die sich am Kampf gegen seine Gruppierung beteiligten, mit Vergeltung.

In Jaunde gingen am Mittwoch dutzende Menschen auf die Strasse, um ihre Unterstützung für die kamerunische Armee zu demonstrieren. «Boko Haram, weg von hier» war auf einem Protestplakat zu lesen. Es handelte sich um die erste Kundgebung dieser Art seit dem Beginn des Militäreinsatzes gegen die Extremisten im vergangenen Juni.

AFP/rar

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