Vierfachmord von Chevaline: Familienmitglied kritisiert Ermittler

Ein Angehöriger der ermordeten Familie wirft der Polizei vor, sich einseitig auf die These eines Familiendramas zu konzentrieren. Jene wiederum widerspricht den neusten Medienberichten heftig.

Schwierige Ermittlungen im Fall einer unfassbaren Tat: Polizeiautos auf dem Weg zum Tatort. (6. September 2012)

Schwierige Ermittlungen im Fall einer unfassbaren Tat: Polizeiautos auf dem Weg zum Tatort. (6. September 2012)

(Bild: Keystone)

Ein Angehöriger der in den französischen Alpen ermordeten britischen Familie al-Hilli hat den französischen Ermittlern vorgeworfen, sich einseitig auf die Spuren zum erschossenen Familienvater zu konzentrieren. «Sich nur auf die Familie zu konzentrieren ist nicht angemessen», sagte Ahmed al-Saffar, der Onkel der erschossenen Ehefrau, dem britischen Radiosender BBC. Er sehe «keinen Grund», weshalb die Familie ins Visier geraten sein könnte. Die französische Staatsanwaltschaft solle «professionelle Ermittlungen» führen und «keine Spur ausklammern».

Der aus dem Irak stammende Brite Saad al-Hilli, seine Ehefrau Ikbal, deren Mutter und ein französischer Radfahrer waren am 5. September auf einem Waldparkplatz nahe der ostfranzösischen Ortschaft Chevaline bei Annecy mit Kopfschüssen getötet worden. Die al-Hillis machten in der Region Urlaub. Die vierjährige Tochter überlebte unverletzt, weil sie sich im Auto ihrer Familie versteckte. Ihre siebenjährige Schwester wurde schwer verletzt. Die Hintergründe der Tat liegen nach wie vor völlig im Dunkeln.

Radfahrer das Ziel?

Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, hatte drei mögliche Gründe für die Bluttat genannt: Den Beruf von Familienvater al-Hilli, der als Ingenieur im sensiblen Luft- und Raumfahrtsektor arbeitete, seine irakische Herkunft und ein möglicher Streit um Geld mit seinem Bruder, den dieser aber abstreitet.

Zuletzt hatten Berichte in der Internetausgabe der französischen Tageszeitung «Le Parisien» und im britischen «Daily Mail» für Aufsehen gesorgt, denenzufolge der Radfahrer das eigentliche Ziel des Mörders gewesen sein könnte. Die ersten Schüsse habe der Täter auf Sylvain Mollier gerichtet. Der 45 Jahre alte dreifache Familienvater, der nach Ansicht der französischen Ermittler einfach «zur falschen Zeit am falschen Ort» war und somit zufällig Opfer des Mörders wurde, wohnte in der Region. Er arbeitete für eine Firma des französischen Atomkonzerns Areva.

«Reine und simple Erfindung»

Die französischen Ermittler wiesen die neuen Berichte am Wochenende aber klar zurück. «Nichts lässt den Schluss zu, in welcher Reihenfolge die vier Opfer getötet wurden», sagte der Leiter der Ermittlungen, Benoît Vinnemann, der Nachrichtenagentur AFP.

Auch Staatsanwalt Maillaud hob hervor, kein Experte habe bisher die Reihenfolge der Schüsse feststellen können. Zu behaupten, der Mörder sei zurückgekommen, um den Radfahrer endgültig zu töten, weil die Richtung der Einschüsse unterschiedlich sei, sei ein «reines Szenario». Als «reine und simple Erfindung» bezeichnete er im Gespräch mit AFP Berichte, denenzufolge der Mörder «chaotisch» zwischen seinen Opfern hin- und hergelaufen sei. «Le Parisien» hatte einen Ermittler mit der Aussage zitiert, dass dies nicht auf das Profil eines professionellen Mörders hindeute.

Staatsanwalt Maillaud bestätigte hingegen, dass Familienvater al-Hilli aus dem Auto auf dem Waldparkplatz zeitweise ausgestiegen war. Der Brite sowie seine Frau und deren Mutter wurden später tot im Wageninneren gefunden. Der Radfahrer lag ebenso wie die schwer verletzte Tochter ausserhalb des Fahrzeugs in der Nähe des Autos.

kle/AFP

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt