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Vier Millionen Europäer schnupfen Kokain

Die EU ist tief besorgt über den Kokain-Konsum in Europa. Dealer hätten eine neue Schmuggelroute durch Westafrika entdeckt.

Die Droge erfreue sich vor allem bei jungen Leuten in Westeuropa wachsender Beliebtheit, erklärte der Direktor der Europäischen Drogenbekämpfungsbehörde EBBD, Wolfgang Götz, am Donnerstag in Brüssel. «Kokain ist in Europa modern geworden, und die Drogendealer haben eine neue Schmuggelroute durch Westafrika entdeckt», sagte Götz bei der Vorstellung seines Jahresberichts. Eine gewisse Rolle spiele wohl auch, «dass Drogendealer ihre Ware lieber für harte Euros als für billige Dollar verkaufen».

Aus dem EBBD-Jahresbericht lässt sich allerdings keine europaweite Zunahme des Kokain-Missbrauchs ablesen. In den vergangenen zwölf Monaten haben danach mindestens vier Millionen Europäer mindestens einmal Kokain geschnupft, im Jahresbericht 2007 war diese Zahl mit 4,5 Millionen sogar etwas höher.

Am stärksten verbreitet in Spanien

Eindeutig zugenommen hat der Kokain-Konsum nur in Grossbritannien, Irland und Portugal, wie eine Sprecherin der EBBD in Lissabon der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage erläuterte. Für diese drei Staaten lägen bereits Zahlen für 2007 vor, während sich der Bericht insgesamt auf Daten von 2006 beziehe. Da zugleich auch die Nachfrage nach Therapien von Kokain-Konsumenten steige, gehe man von einem Aufwärtstrend aus.

Am stärksten verbreitet ist der Kokain-Missbrauch laut EBBD in Spanien, wo schätzungsweise drei Prozent der Gesamtbevölkerung in den zurückliegenden zwölf Monaten die Droge mindestens einmal konsumiert hätten. Auf dem zweiten Platz liegt Grossbritannien, gefolgt von Italien und Irland. Deutschland liegt hinter Dänemark und Norwegen auf dem siebten Platz.

Heroin hält sich hartnäckig

Ein grosses Problem bleibt auch das Heroin. Mitschuldig ist daran die in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegene Produktion an Opium in Afghanistan. «Wir können es nicht hinnehmen, dass jede Stunde ein junger Mensch an einer Überdosis stirbt, die vermeidbar gewesen wäre. Wir müssen uns verstärkt auf Massnahmen zur Prävention von Überdosierungen konzentrieren und stärker auf Risikogruppen, wie aus Haftanstalten entlassene oder rückfällige Personen, abzielen», Götz.

Er begrüsste, dass inzwischen alle EU-Länder Behandlungen mit Ersatzdrogen wie Methadon anböten. Laut Götz sei nun Niveau erreicht, «wo wir wirklich Einfluss nehmen können. Die Substitutionsbehandlung ist eindeutig eine Massnahme, die zur Stabilisierung und auch zu den Verbesserungen beigetragen hat.»

Popularität von Cannabis abnehmend

Cannabis ist weiterhin die in den EU-Staaten am häufigsten konsumierte illegale Droge - etwa ein Viertel der Bevölkerung hat Cannabis probiert. Laut EBDD gibt es jedoch in wichtigen Märkten wie etwa Grossbritannien zunehmend Anzeichen, dass die Popularität von Cannabis abnimmt.

In den meisten EU-Staaten in Nord-, Mittel- und Osteuropa nehmen Amphetamine nach wie vor den ersten Rang ein. Der Konsum von Metamphetamin wiederum ist innerhalb der EU weitgehend auf Tschechien und die Slowakei beschränkt.

Die Schweiz ist bei den EBDD-Analysen nicht erfasst.

SDA/sam

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