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«Sehr viele Menschen sind potenziell gewalttätig»

Die Beil-Attacke von Flums SG lässt noch viele Fragen offen. Zwei Experten wagen sich an eine Einschätzung des mutmasslichen Täters.

Der Täter kommt in eine geschlossene Einrichtung: Auch vor diesem Tankstellenshop in Flums griff der junge Mann mehrere Menschen an. (Archiv)
Der Täter kommt in eine geschlossene Einrichtung: Auch vor diesem Tankstellenshop in Flums griff der junge Mann mehrere Menschen an. (Archiv)
Eddy Risch, Keystone
Tatwaffe sichergestellt: Ein Beil liegt am Boden in der Nähe der Tankstelle.
Tatwaffe sichergestellt: Ein Beil liegt am Boden in der Nähe der Tankstelle.
Kapo SG
In Flums soll ein 17-Jähriger mehrere Menschen mit einem Beil angegriffen haben.
In Flums soll ein 17-Jähriger mehrere Menschen mit einem Beil angegriffen haben.
Screenshot Google Maps
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Der 17-jährige Angreifer von Flums SG liegt schwer verletzt im Spital, die Öffentlichkeit wartet auf die Ergebnisse seiner Einvernahme. Zwischenzeitlich äussern sich Experten zum Fall und darüber, ob die Behörden nun versagt haben. Schliesslich war bekannt, dass der Beil-Angreifer Gewaltfantasien hatte.

Doch dies sei ein weiter Begriff, so Josef Sachs, forensischer Psychiater, zu «SRF News». «Viele Menschen haben Gewaltfantasien, viele dieser Fantasien sind harmlos. Sie hören aber auf, harmlos zu sein, wenn sie sehr intensiv sind, einen Menschen nicht mehr loslassen, über längere Zeit anhalten und in Verbindung mit bestimmten anderen Persönlichkeitsmerkmalen und Problemen auftreten.»

Wann diese Fantasien als gefährlich eingestuft werden, müsse im Einzelfall entschieden werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie umgesetzt werden, müsse aber sehr hoch sein. «Man kann einen Menschen nicht nur wegen seiner Fantasien wegsperren», wird Sachs zitiert.

Schlüsselwort: potenziell

Bei potenziellen Gewalttätern werden Psychiater zerrieben zwischen den Bedürfnissen ihrer Patienten und den Sicherheitsansprüchen der Gesellschaft. «Als forensischer Psychiater würde ich sehr viele Leute als potenziell gefährlich bezeichnen; sie werden dennoch nie gewalttätig, obwohl sie nie psychiatrisch behandelt werden», sagt Elmar Habermeyer, Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Das Schlüsselwort in diesen Sätzen ist: potenziell. Diese Menschen könnten vielleicht gewalttätig werden. Andere werden gewalttätig – und niemand hatte sie auf dem Radar, wie den mutmasslichen Rupperswiler Vierfachmörder. Menschliches Verhalten lässt sich nicht zu hundert Prozent vorhersagen.

Las Vegas kann ein Trigger sein

Wann müssen bei auffälligen Menschen nun aber die Alarmglocken schrillen? «Wenn ein Jugendlicher bereits Gewalttaten begangen hat, darüber hinaus wenig soziale Kontakte pflegt und an psychischen Störungen leidet, ist dies eine sehr beunruhigende Konstellation», sagt Philip Jaffé, Professor für Psychologie an der Universität Genf zu «LeMatin».

Es gelte nun genau zu untersuchen, was bei der Einschätzung des jungen Angreifers vorweg schiefgelaufen ist. Doch müsse man sich bewusst sein, wie schwierig es ist, sich eine realitätsnahe Vorstellung der Gefährlichkeit eines Individuums zu machen. Ein Jugendlicher von gerade einmal 17 Jahren sollte laut Jaffé grundsätzlich nach angemessener Betreuung resozialisierbar sein.

Auf die Frage, ob Ereignisse wie das Massaker von Las Vegas wie ein Trigger auf potenzielle Nachahmetäter wirken, antwortet Jaffé: «Natürlich, so etwas kann ansteckend sein. Mit jedem Anschlag wird der Filter, der verhindert, dass sich ein gestörter Geist entfaltet, durchlässiger.»

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