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Viel Wein, keine Kabine

Eine Woche nach dem Unglück der Costa Concordia veröffentlichten italienische Medien heute neue Details zur blonden Begleitung von Kapitän Schettino. Und zum Nachtessen kurz vor dem Unglück.

Passagiere beobachten den Kapitän der Costa Concordia am Abend des Unglücks beim Abendessen mit der 25-jährigen Domnica Cemortan. Francesco Schettino, ein weiterer Offizier und die junge Frau hätten im exklusivsten Restaurant des Schiffes zu Abend gegessen und reichlich Rotwein getrunken, «mindestens einen ganzen Dekanter» zitiert der «Corriere della Sera» den Schiffspassagier Angelo Fabbri.

Gemäss der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» wollen weitere Restaurantgäste beobachtet haben, dass der Schiffskapitän «viel getrunken» habe und zu Land nicht einmal eine Vespa hätte fahren dürfen, als er sich um 21.30 Uhr vom Tisch erhob.

Eine fatale Wette

Nach dem Abendessen hätten sich die drei in die Kommandozentrale begeben. Beobachter berichten, der Kommandant habe sich ans Steuer gestellt und den Schiffsoffizier sowie die junge Frau aufgefordert, Zeugen eines Manövers zu sein, das noch niemand gewagt habe, berichtet «La Repubblica»: Eine Wende nahe, zu nahe an der Küste, wie sich später herausstellen wird und weltweit für Schlagzeilen sorgt.

Schettino, unter Alkoholeinfluss am Steuer eines 114'000 Tonnen schweren Schiffes mit 4200 Passagieren, habe sich einer persönlichen Herausforderung stellen wollen, fasst der leitende Staatsanwalt der Untersuchung, Francesco Verusio, das fehlbare Verhalten des Schiffskapitäns im Zeitungsbericht nüchtern zusammen. Der Kommandant gibt in der Befragung an, nicht konzentriert gewesen zu sein.

Die mysteriöse Passagierin

Warum die blonde Frau auf dem Kreuzschiff war, versuchen die italienischen Medien nun herauszufinden. Sie habe sich nach einem sechsmonatigen Arbeitseinsatz als «internationale Hostess» eine Kreuzfahrt gönnen wollen, sagt sie einem Journalisten des «Corriere della Sera». Sie sei befreundet mit der Bordbesatzung, weil sie für die Schifffahrtsgesellschaft gearbeitet habe. Das Ticket habe sie sich selbst gekauft.

Laut «Repubblica» war Domnica Cemortan keine Kabine zugeteilt. Die Frau streitet eine Affäre mit dem Kapitän jedoch ab. Sie sei «nicht die Geliebte Francesco Schettinos». Im Gespräch mit dem «Corriere della Sera» begründete Domnica Cemortan das auch: «Er zeigt jedem ein Foto seiner Tochter, als sie ein Baby war.» Ein Mann aber, der nach einer Geliebten Ausschau halte, «verhält sich nicht so».

Sie dementiert auch, dass der Kapitän mit ihr gegessen habe, er sei lediglich zweimal am Tisch vorbeigekommen. Einer rumänischen Journalistin erzählt die Mutter von Cemortan, ihr Bruder habe das Ticket in Rumänien erstanden.

«Schettino hat sich wie ein Held verhalten»

Ein Besatzungsmitglied erzählte laut dem «Corriere» jedoch, man habe die zwei zwar nicht zusammen gesehen, aber die gesamte Besatzung sei sich der Sympathie zwischen dem Kapitän und der «Hostess» sicher gewesen.

Als die Lichter ausgingen, sei sie von einem Schiffsoffizier aufgefordert worden, Informationen für die russischen Passagiere zu übersetzen: «Ich übersetzte die Worte des Kapitäns. Geht in eure Kabinen zurück, es handelt sich lediglich um einen Stromunterbruch», sagt die junge Frau dem italienischen Journalisten.

«Schettino hat sich wie ein Held verhalten. Ich glaube, er hat alles in seiner Macht Stehende unternommen.» Sie sei sich sicher, dass er um Mitternacht noch auf der Schiffsbrücke stand.

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