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Verkehrschaos nach Messerattacke auf Zugbegleiter

In Frankreich hat ein lebensgefährlicher Angriff auf einen Kollegen das Zugpersonal aufgerüttelt: Viele von ihnen haben heute ihre Arbeit niedergelegt. Betroffen sind auch Bahnverbindungen in die Schweiz.

Der Zugverkehr in Frankreich ist behindert: Passagiere im Bahnhof in Strassburg. (6. Oktober 2011)
Der Zugverkehr in Frankreich ist behindert: Passagiere im Bahnhof in Strassburg. (6. Oktober 2011)
Keystone

Eine brutale Messerattacke gegen einen Zugbegleiter hat in Frankreich zu einem Zusammenbruch des Schienenverkehrs geführt. Aus Protest gegen die Tat verweigerten zahlreiche Zugmitarbeiter spontan die Arbeit.

Wie viele der 11'000 französischen Zugbegleiter insgesamt im Ausstand waren, konnte die SNCF am Freitag nicht beziffern. Nach ihren Angaben fielen vor allem im Osten des Landes im Schnitt drei von vier Regionalzügen und zwei von drei TGV- Hochgeschwindigkeitszügen aus.

Fahrgäste nicht bestrafen

Erst am Nachmittag begann sich die Situation langsam zu bessern. Nach Plan würden die Züge eventuell erst am Samstagmorgen wieder fahren, teilte SNCF-Chef Guillaume Pepy mit.

Pepy appellierte an alle Bediensteten, die Streiks zu beenden. Die Fahrgäste dürften nicht bestraft werden, weil ein «Geistesgestörter eine verrückte Tat begangen hat». Auch Verkehrsminister Thierry Mariani sagte, die Arbeitsniederlegungen seien keine «angemessene Antwort».

Zugbegleiter notoperiert

Zu dem Angriff auf den Zugbegleiter war es am Donnerstag auf der Strecke von Lyon nach Strassburg gekommen. Der 54-Jährige wurde von einem offensichtlich geistesgestörten Fahrgast mit acht Messerstichen lebensgefährlich verletzt, als er diesen wegen Schwarzfahrens verwarnen wollte.

Der 54-Jährige erlitt schwere Verletzungen im Bauch und am Kopf und musste notoperiert werden. Sein Zustand wurde als «ernst, aber stabil» beschrieben.

Der 27-jährige Täter konnte festgenommen werden. Er gibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft an, Alkoholprobleme zu haben und sich an nichts erinnern zu können.

Steigende Gewalt

Gewerkschaftsvertreter hatten bereits kurz nach der Tat dazu aufgerufen, aus Solidarität mit dem niedergestochenen Fahrkartenkontrolleur die Arbeit niederzulegen. Offiziell machten sie von ihrem Recht Gebrauch, bei Gefahr für das Leben und die Gesundheit nicht weiterzuarbeiten.

Gleichzeitig wollen sie mit der Aktion gegen die ihrer Ansicht nach steigende Gewalt gegen Bahnmitarbeiter protestieren. Ein Gewerkschaftssprecher kündigte an, ab kommender Woche solle eine Arbeitsgruppe über eine Verbesserung der Sicherheit in den Zügen beraten.

Auch Auswirkungen auf die Schweiz

Die Fahrgäste wurden wegen der Streiks gebeten, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen oder ihre Reise zu verschieben. Auch in der Schweiz müsse mit Verspätungen gerechnet werden, sagte SBB-Sprecherin Patricia Claivaz auf Anfrage.

Die TGV-Züge ab den Schweizer Bahnhöfen verkehrten vorderhand jedoch fahrplanmässig. Im grenznahen Regionalverkehr könne es wegen kurzfristiger Zugausfälle zu Verzögerungen kommen.

Spontaner Streik

Claivaz empfiehlt allen Reisenden dringend, sich vor Reiseantritt entweder via den kostenpflichtigen (1,19 Fr./Min. ab Festnetz) Railservice unter 0900 300 300, direkt am Bahnhof oder über das Internet (www.sbb.ch/166) zu informieren.

Da es sich um einen spontanen Streik unbestimmter Dauer handle, seien längerfristige Voraussagen schwierig, auch seitens der SNCF. Generell müsse mit Verspätungen und Zugausfällen gerechnet werden.

SDA/miw

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