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Verbietet den Muttertag!

Alte Zöpfe: Mütter an einem Sonntag im Mai speziell zu ehren, ist ein schmerzhaft unzeitgemässer Brauch.

«Ehret die Mutter»: Der Begriff Muttertag zementiert das gesellschaftliche Bild vom Heimchen am Herd. Bild: Felix Wirth
«Ehret die Mutter»: Der Begriff Muttertag zementiert das gesellschaftliche Bild vom Heimchen am Herd. Bild: Felix Wirth

Damit das klar ist: Natürlich spricht nichts dagegen, am Sonntag zum Muttertag Blumen zu schenken und Pralinés in herzförmigen Schachteln. Kinder sollen ihren Müttern im Morgengrauen Selbstgemachtes ans Bett bringen und Wirte tüchtig Geschäfte machen mit dem schlechten Gewissen von Töchtern, Söhnen und Ehemännern. Danke kann man gar nie genug sagen. Und man soll die Feste feiern, wie sie aus dem Kalender fallen. Keine Frage.

Aber womit Schluss sein muss, ist dieser Mief, den schon das Wort Muttertag so streng verströmt. Man sieht dem Feiertag sein Alter an: 1914 verfügte der damalige US-Präsident Woodrow Wilson, den zweiten Sonntag im Mai den Müttern zu widmen. Die deutschen Floristen nahmen die Idee 1922 dankbar und geschäftstüchtig auf. Ihre Schweizer Kollegen taten es ihnen bald darauf gleich. «Ehret die Mutter» hiess es damals auf Plakaten. Es verwundert nicht, dass die Nazis die Idee erfolgreich verstaatlichten. Sie dekretierten einen «Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter», zeichneten Frauen aus, die dem Reich besonders zahl­reichen arischen Nachwuchs schenkten.

Eine Idee aus einem anderen Jahrhundert

Das ist ja nun zum Glück schon lange vorbei. Und den Floristen kann man nicht vorwerfen, dass ihre Verkaufsankurbelungsidee schon aufs Gröbste missbraucht wurde. Auch nicht, dass Schokoladefabriken und Restaurateure ihrerseits den Profit witterten. Aber das heisst noch lange nicht, dass wir uns auf immer und ewig einer Idee verschreiben sollen, die in einem anderen Jahrhundert erfunden wurde, als ein völlig anderes Rollenverständnis von Frauen und Männern Allgemeingut war.

Denn der Begriff Muttertag zementiert das gesellschaftliche Bild vom Heimchen am Herd, das Tag und Nacht über seine Kinder wacht, sich um sie und für sie sorgt. Dessen Leistungen so selbstverständlich sind, dass man vergessen würde, sich dafür zu bedanken, wenn es diesen einen Sonntag im Mai nicht gebe.

Wollen wir das? Nein. Schafft den Muttertag ab. Den Frauen bleibt der 8. März, den Floristen der Valentinstag.

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