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Unglaublich grosszügig

Millionen fürs Lügen? Silvio Berlusconi muss vor Gericht, weil er seine Gespielinnen geschmiert haben soll.

Schauplatz der Bunga-bunga-Partys: Villa San Martino. Foto: AP, Keystone
Schauplatz der Bunga-bunga-Partys: Villa San Martino. Foto: AP, Keystone

Manch Pläsierchen dauert länger, als es dem Geniesser wohl lieb ist. In diesem Fall dauert das Nachspiel schon sieben Jahre. Silvio Berlusconi muss für das, was die ganze Welt mit einiger Verwunderung einst als «Bunga bunga» kennen gelernt hat, erneut vor Gericht. Der Termin ist auf den 5. April angesetzt – in Mailand, im Palazzo di Giustizia. Dem früheren Ministerpräsidenten wird vorgeworfen, er besteche seit Jahren zwei Dutzend Damen dafür, dass sie lügen, wenn man sie befragt über die «eleganten Abendessen» in der Villa San Martino, Berlusconis feudalem Heim in Arcore bei Mailand. So jedenfalls nennt der Gastgeber die Empfänge, die er da gab. Offenbar waren sie aber gerade das nicht: elegant.

Auch Monatslöhne gab es

Die Mailänder Staatsanwaltschaft glaubt, dass sich Berlusconi das Schweigen und Lügen der zumeist jungen bis sehr jungen Gespielinnen schon 10 Millionen Euro hat kosten lassen. Die Klage lautet auf Korruption. Allein die Marokkanerin Karima El Mahroug, auch als Ruby bekannt, soll 7 Millionen erhalten haben und damit unter anderem ein Restaurant in Mexiko gekauft haben, wo sie nun lebt. Ruby war minderjährig, als sie das erste Mal geladen war. Geld erhielten aber auch andere Gäste der Villa San Martino: TV-Sternchen, Showgirls, Parlamentarierinnen, eine lombardische Regionalrätin und Zahnarztgehilfin in der Rolle der Organisatorin.

Manche Frauen wurden monatlich entlöhnt: mit jeweils 2500 Euro. Manchmal gab es auch einige Tausender drauf. Doch oft reichte auch das nicht aus. Berlusconis Buchhalter Giuseppe Spinelli erzählte den Ermittlern, dass die Begehrlichkeiten ständig gewachsen seien: Wohnungen, Häuser, schöne Autos, Schmuck, Schönheitsoperationen. Nicht selten präsentierten sich die Damen am Tor der Villa. Der «Corriere della Sera» schreibt von Neid und Zickereien am früheren Hof Berlusconis: «Andere kaufen bei Dolce & Gabbana ein», soll sich ein Starlet einmal beklagt haben, «und ich kriege nichts?»

Er habe den Frauen nur helfen wollen

Silvio Berlusconi, mittlerweile 80 Jahre alt und noch immer politisch aktiv, weist den Korruptionsvorwurf empört zurück. Er sei gar «sprachlos», wie er am Sonntag ausrichten liess – und zwar durchaus wortreich, in einem ganzseitigen Interview in der Zeitung «Il Messaggero». Er habe diesen Frauen, seinen guten Freundinnen, nur helfen wollen, sagt er. Ihre Karrieren seien zerstört, sie würden keine Jobs und Aufträge mehr bekommen, weil so boshaft über sie berichtet worden sei. Berlusconis Anwalt nennt die Anklage «absurd, unglaublich, ohne Logik». Sein Mandant werde nun sogar wegen seiner grossen Grosszügigkeit verfolgt.

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